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Afrika

DW Akademie in Libyen

Libyen befindet sich seit Winter 2014/2015 in einer extrem angespannten politischen Situation. Das Land ist zerrissen durch die starke militärische Präsenz unterschiedlicher Milizen-Verbände, die sich vor dem Hintergrund ihrer Stammeszugehörigkeit und regionaler Herkunft positioniert haben. Das gewählte Parlament und die Regierung sind nach Tobruk geflohen; es gibt kein staatliches Gewaltmonopol, Polizei- und andere Ordnungskräfte sind macht- und wirkungslos. Diese prekäre Sicherheitssituation überlagert den gesamten Bereich des gesellschaftlichen und politischen Lebens und hat unmittelbare Auswirkungen auf den Mediensektor. Die staatlichen Medienhäuser wurden von Milizen besetzt und in Folge auf Anordnung der Regierung an der Ausstrahlung gehindert, der Satellitenzugang abgeschaltet. Private Medien werden, falls kritisch in ihrer Berichterstattung, besetzt und geplündert. Diese Situation hat drastische Einschränkungen der Rechte auf Informationszugang und Meinungsfreiheit für die libysche Bevölkerung zur Folge, insbesondere da eine landesweite Berichterstattung seit Sommer 2014 nicht mehr stattfindet. So bietet beispielsweise derzeit kein landesweit empfangbares Programm eine politische Berichterstattung über die Arbeit von Parlament und Regierung. Auch in den Regionen Libyens ist der Informationszugang für die dortige Bevölkerung nur unzureichend gewährleistet. Zwar stellen Regionalsender lokale Informationen fast überall zur Verfügung. Diese Sender sind aber wiederum ein Spiegel - manchmal auch ein Sprachrohr - der Politik des machthabenden Stammes in der Region. Zurzeit gibt es keine verlässlichen Nachrichten aus Libyen, die Bevölkerung wird nur unzureichend informiert und der Staat ist nicht in der Lage, die Voraussetzungen dafür zu schaffen, dass den Bürgern ein pluralistisches Medienangebot zur Verfügung steht.

Unser Engagement
Die DW Akademie ist seit September 2011 durchgehend in Libyen aktiv. Anlässlich der ersten Parlamentswahl 2012 führte die DW Akademie ein Projekt zu Wahlberichterstattung und politischer Kommunikation in verschiedenen Gebieten Libyens durch. In dem Langzeitprojekt "Media in Libya - Stability through Structure" finden seit 2013 zum einen Weiterbildungsmaßnahmen für Journalisten statt, zum anderen soll die Transformation des staatlichen Senders Al Wataniyah in eine öffentlich-rechtliche Rundfunkanstalt befördert werden. Darüberhinaus stärken flankierende Beratungen von Behörden und Ministerien zu Medienregulierung und Selbstregulierung die Entwicklung eines entsprechenden gesetzlichen Rahmens des libyschen Mediensystems. Ende 2014 wurde der Schwerpunkt des Projektes Aktivitäten-übergreifend auf die Produktion unabhängiger Nachrichten aus allen Regionen Libyens verschoben. Dazu wurde das Konzept der virtuelle Nachrichtenagentur "Cloud News Agency" entwickelt, die anonymisiert und größtenteils webgestützt Nachrichtenmaterial libyschen und internationalen Medien zur Verfügung stellen wird. In einer mehrstufigen Trainingsphase werden bis zu 100 Journalisten soweit trainiert, dass sie als regionale Korrespondenten in Libyen der Nachrichtenagentur "Cloud News Agency" zuliefern können. Die Journalisten werden dabei von libyschen Mentoren unterstützt, die parallel ausgebildet werden.

Mittelgeber: EU Kommission, Auswärtiges Amt (AA)

Ländermanager: Martin Hilbert, Yinka Kehinde

Einsatzorte: Bis 2014: Tripolis, Ghariyan, Nalut, Yifren, Zuwara, Zawiya, Misrata, Sebha, Murzuk, Bengasi, Bayda. Seit 2014: Tunis, Istanbul

Partner vor Ort: Libya Al Wataniyah (Staatssender), Libyan Arab News Agency, Lokale TV- und Radiosender der o.g. Städte, Ministerium für Information und Medien, Medienausschuss des Parlaments, Radio Alhurra FM, Radio Awal, Radio Baiyda FM, Radio Benghasi, Radio Ghariyan FM, Radio Horizon, Radio Kala FM, Radio Kasas, Radio Libya Rasmia, Radio Misrata FM, Radio Nalut FM, Radio Qalaa FM, Radio Shabab Libya FM, Radio Tobruk FM, Radio Zawiya FM, TV Libya Rasmia, Radio Zone, Libyan Cloud News Agency

Schwerpunkte: Mediengesetze/Medienrecht, Stärkung öffentlich-rechtlicher Medien / Reform von Staatssendern, Medienselbstregulierung und journalistische Ethik, Mitsprache benachteiligter Bevölkerungsgruppen, Konflikt und Medien / konfliktsensible Berichterstattung, Professionalität und Netzwerke im Journalismus

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01_02_2012 Themenbild für Newsletter Ansprechpartner für weitere Verwendungszwecke: Sabrina.Tost@dw-world.de

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