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Afrika

DW Akademie in Burkina Faso

Seit dem Volksaufstand Ende Oktober 2014 hat sich die burkinische Medienlandschaft verändert. Nach Abgang und Flucht des langjährigen Präsidenten Blaise Compaoré beginnen die Medien ihre neuen Freiheiten zu nutzen. So ist zum Beispiel der Radiosender "Radio Oméga 103,9" erst durch seine kompetente und sachliche Berichterstattung während des Volksaufstandes zu einer festen Größe in der burkinischen Medienlandschaft geworden. Im September 2015 hat das damalige Übergangsparlament den Pressekodex modifiziert. Die neuen Gesetze beinhalten die offizielle Anerkennung des Rechtsstatus der einzelnen Medien, die Steuerbefreiung für Pressematerial und -ausrüstung sowie die Erhöhung staatlicher Subventionen für private wie staatliche Medien. Die wichtigste Reform bezieht sich auf die Aufhebung der Freiheitsstrafe für Medienschaffende bei Pressedelikten. Jedoch geht die Abschaffung der Gefängnisstrafe mit einer drastischen Erhöhung der Geldbußen bei Pressedelikten einher. Die hohen finanziellen Strafen bedrohen die Existenz von nationalen Medienunternehmen und führen zu einer Einschränkung der Meinungsfreiheit sowie dem Fortbestand der Selbstzensur.

Die Entwicklung der Mediensituation unter dem im Dezember 2015 neugewählten Staatspräsidenten Roch Marc Christian Kaboré ist noch ungewiss, vor allem durch die Einbindung kritischer Meinungsführer und Medienvertreter in seine Regierung. Unter der neuen Staatsregierung ist kritisch zu beobachten, dass sich die staatliche Behörde zur Medienregulierung, der Conseil Supérieur de la Communication, zunehmend in die Arbeit der Medienhäuser einmischt und Medienschaffende stärker kontrolliert. So wurde im März 2016 eine Strafe gegen die private Zeitung L'Evénement in Form eines einmonatigen Veröffentlichungsverbotes wegen angeblichen Verrats von Staatsgeheimnissen verhängt. Die größte Reichweite hat immer noch die staatliche Hörfunk- und Fernsehanstalt Radiodiffusion Télévision du Burkina (RTB). Daneben gibt es vor allem in der Hauptstadt zahlreiche private TV-Sender, wie etwa BF1 oder Impact TV. Zeitungen werden in Burkina Faso nur von einer kleinen intellektuellen Elite gelesen. Auch wenn die Nutzung des Internets stetig steigt, bleibt das Radio - insbesondere in ländlichen Regionen - das wichtigste Medium. Die Lage für Journalisten ist auch im neuen Burkina schwierig. Da die Medienhäuser nur sehr geringe Honorare oder Gehälter zahlen, ist der Großteil der Journalist/innen nach wie vor auf bezahlte Auftragsarbeiten angewiesen. Kritisch-ethische Grundsätze fallen hier zu oft der wirtschaftlichen Notwendigkeit zum Opfer. Weite Teile der Bevölkerung - besonders Frauen und Bewohner der ländlichen Regionen - können ihr Recht auf umfassende und ausgewogene Information über öffentliche Belange momentan kaum wahrnehmen.

Unser Engagement
Um die Qualität der privaten und alternativen Medienangebote zu stärken, konzentriert sich das Engagement der DW Akademie besonders auf die Unterstützung des journalistischen Nachwuchses und auf eine nachhaltige Strategieentwicklung lokaler und regionaler Radiosender. Gemeinsam mit der Universität Ouagadougou gestaltet die DW Akademie den Journalistik-Studiengang praxisnäher und berät die Fakultät bei der Reform des Lehrplans und der multimedialen Ausrichtung des Fachs. Die Projekte in Zusammenarbeit mit verschiedenen Lokalradios zielen auf eine verbesserte Hörerbeteiligung ab und vernetzen Journalisten über die Landesgrenzen hinaus – in gemeinsam mit dem Journalistennetzwerk RIJ organisierten Workshops werden Themen wie Terrorismus oder die Flüchtlingsproblematik konfliktsensibel aufbereitet. Im Rahmen des Afrika-weiten Langzeitprojekts "African Stories" unterstützte die DW Akademie zudem ein Fernsehteam aus Burkina Faso bei der Produktion von TV-Reportagen. Im Kontext der Professionalität und wirtschaftlichen Nachhaltigkeit des Mediensektors in Burkina Faso berät die DW Akademie verschiedene Medienhäuser in ihrer Organisations- und Finanzstruktur. Um vermehrt lokale Trainer und Berater aus Burkina Faso als Medientrainer einzusetzen, werden spezifische Fortbildungen durchgeführt.

Mittelgeber: Bundesministerium für wirtschaftliche Zusammenarbeit und Entwicklung (BMZ)

Ländermanager: Carine Debrabandère

Einsatzorte: Ouagadougou, Ziniaré, Ouahigouya, Dano, Fada N’Gourma

Partner vor Ort: Universität Ouagadougou (Département Communication et Journalisme & Institut Panafricain d'Étude et de Recherche sur les Médias, l'Information de la Communication), Centre National de Presse - Norbert Zongo, Réseau d’Initiatives de Journalistes, Radio Manivelle, Radio Tin Tua, Radio La Voix du Paysan, Radio Ka-Koaadb Yam Venégré

Schwerpunkte: Qualifizierung, Professionalität und wirtschaftliche Nachhaltigkeit des Mediensektors, gesellschaftliche Teilhabe, Mitsprache benachteiligter Bevölkerungsgruppen, (lokale) partizipative Medienangebote und Bürgermedien, Journalismusausbildung/Curriculaentwicklung, Konflikt und Medien/konfliktsensible Berichterstattung, Geschäftsmodelle und wirtschaftliche Nachhaltigkeit, Professionalität und Netzwerke im Journalismus

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01_02_2012 Themenbild für Newsletter Ansprechpartner für weitere Verwendungszwecke: Sabrina.Tost@dw-world.de

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