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Globale Zusammenarbeit

Durstige Landwirtschaft

Wasser und Ernährung stehen im Mittelpunkt der diesjährigen Stockholmer Weltwasserwoche. Nicht nur klimabedingte Phänomene wie Dürre verschärfen den Druck auf die globalen Wasserressourcen.

"Wasser ist Leben. Es ist das Herz der grünen Wirtschaft. Deshalb müssen wir über Wassereffizienz reden", betont Kenza Robinson. Sie ist UN-Sekretärin für Wasser und arbeitet bei UNDESA, der UN-Abteilung für wirtschaftliche und soziale Fragen.

Wasser wird überall eingesetzt. In der Energiewirtschaft gilt Wasserkraft als klimaschonende und umweltfreundliche Energieform. Die Industrie braucht riesige Mengen an Wasser für die Produktion: Für die Herstellung eines Mikrochips, der in einem Computer steckt, werden rund 32 Liter Wasser verbraucht, für ein Auto im Durchschnitt 400.000 Liter.

Großer Kreislauf

Porträt von Benedikt Haerlin von der Zukunftsstiftung Landwirtschaft. (Foto: Katharina Körner)

Will die Landwirtschaft umbauen: Benedikt Haerlin

Doch der größte Wasserverbraucher ist die Landwirtschaft. Sie verbraucht heute rund 70 Prozent der globalen Wasserressourcen. Nicht nur um Menschen zu ernähren – sondern auch, um den steigenden Bedarf an sogenannten Biokraftstoffen zu decken und um Futter für Tiere herzustellen. Da die globalen Wasserressourcen in einem riesigen Kreislauf sozusagen immer wieder recycelt werden, kommen keine neuen Ressourcen dazu. Die Menge bleibt immer gleich.

Es gehe also nur darum, wie gut das Wasser genutzt werde, betont Benedikt Haerlin von der Zukunftsstiftung Landwirtschaft in einem Gespräch mit der Deutschen Welle. "Der entscheidende Punkt ist eigentlich, wie wir das Wasser im Boden und in den Pflanzen in dem gesamten Ökosystem halten - bevor es wieder verdunstet und der Kreislauf von vorne beginnt", so der Journalist und Agrarexperte, der auch Mitglied der International Commission on the Future of Food, der Internationalen Kommission zur Ernährungszukunft, ist.

Virtuelle Dimension des Wassers

Mit gesunden Böden und einer nachhaltigen Landwirtschaft ließe sich auch die wachsende Weltbevölkerung gesund ernähren, so Haerlin. Nachhaltigkeit hieße dann, dass auch das sogenannte virtuelle Wasser in die Kalkulation einfließt. Das ist das Wasser, das in jedem Produkt steckt und das unsichtbar auch in Landwirtschaftsprodukten mit exportiert wird. So braucht man zum Beispiel in einem trockenen Land wie Somalia 18.000 Liter Wasser, um ein Kilogramm Weizen zu erzeugen - in der Slowakei hingegen nur 465 Liter. Deshalb, so Benedikt Haerlin, geht es vorrangig darum, die gesamte Lebensmittelproduktion an die jeweils verfügbare Wassermenge anzupassen.

"Deutschland importiert beispielsweise Wasser aus Regionen, in denen diese Ressource sehr viel knapper ist als hier bei uns - zum Beispiel in Form von Soja", so Haerlin. Denn für die Herstellung von Soja wird sehr viel Wasser verbraucht. "Dieser Handel mit virtuellem Wasser muss sich im Grunde genommen danach richten, wo Wasser fehlt und nicht danach, wo das meiste Geld ist, um sich so etwas leisten zu können."

Anpassung der Landwirtschaft

Ein letzter Tropfen Wasser fließt aus einem Schlauch, mit dem ein Narzissenbeet bewässert wird (Foto: dpa)

"Wasser ganzheitlich sehen"

Wenn man sich daran halte, so Haerlin, bedeute das auch einen Abschied von den riesigen Monokulturen, die sich ohnehin negativ auf den globalen Wasserkreislauf auswirkten. Denn in einer Monokultur werde im Vergleich zu Mischkulturen nur wenig Wasser in den Böden gespeichert. Außerdem seien viele Monokulturen auf künstliche Bewässerung angewiesen. Deshalb müsse es darum gehen, die gesamte Lebensmittelproduktion der jeweils verfügbaren Wassermenge anzupassen.

Vor allem, so Kenza Robinson von UN-Water, müssen wir im Umgang mit der Ressource Wasser viel weiter denken, als im globalen Umgang mit anderen Ressourcen, wie zum Beispiel fossilen Brennstoffen: "Wasser ist ein Menschenrecht - es steht über allen anderen Ressourcen. Wasser hat eine Sonderstellung und deshalb müssen wir es ganzheitlich sehen."

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