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Kultur

Durst nach Lösungen

Viele Menschen in Lateinamerika leben ohne richtige Wasserversorgung. Privatfirmen könnten das lebenswichtige Gut öfter sprudeln lassen, doch der Spagat zwischen ihren und den öffentlichen Interessen ist oft schwierig.

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Die Hütten des Amenviertels von Caracas

Einfach nur den Hahn aufdrehen und das kostbare Nass sprudelt aus der Leitung – für die Bewohner in den Randgebieten von Quito ein schöner Traum. Obwohl es in Ecuador eigentlich genug Wasser gibt, um sicher zu stellen, dass keiner dursten muss. Doch das Wasser kommt nicht zu den Menschen. Die Einwohner der "Suburbios" müssen ihr Wasser am Tankwagen kaufen, denn Wasserleitungen gibt es nicht. Die öffentliche Hand hat zu wenig Kapital, die staatlichen Betriebe sind oft Zuschussgeschäfte, die unter Preis anbieten und für den Ausbau der Infrastruktur ist deshalb kein Geld da.

Auf dem diesjährigen Iberoamerika-Tag in Bonn beschäftigten sich Experten mit den Wasserproblemen in Lateinamerika. Private Betreiber, meinen sie, könnten das Problem lösen. Aber oft wollen die Regierungen das nicht. "Im Normalfall tun sich Regierungen schwer damit, sich aus dem Betrieb herauszuhalten und sich auf die Rolle als Überwacher zu konzentrieren" erklärt Volker Karl, Abteilungsdirektor Fachbereich Wasserwirtschaft bei der Kreditanstalt für Wiederaufbau. Das Wasser gehört allen, so argumentieren Gegner von Privatisierungen, weshalb es auch nicht angehen kann, dass Unternehmen damit Gewinn machen. Dabei könnten gerade die Armen von privatem Engagement profitieren.

Privatisierung mit Hindernissen

Bisher dominiert daher der Staat das Wassergeschäft. "Der Anteil des privaten Sektors am Wassermarkt liegt bei fünf Prozent", weiß Stefan Helming, Abteilungsleiter West-Asien und Nord-Afrika der Gesellschaft für Technische Zusammenarbeit. Helming ist überzeugt, dass es mehr private Beteiligung geben muss, aber auch er weiß "das ist eine politische Frage." Seiner Meinung nach liegt ein Missverständnis vor, wenn man vom Gemeingut Wasser spricht. "Wasser gehört allen, aber die Infrastruktur kann von privaten Firmen besessen und betrieben werden." Für die Nutzung dieser Infrastruktur könnten private Unternehmer auch Gebühren verlangen.

Doch ganz so leicht lassen sich die Interessen der Verbraucher und die der Unternehmen wohl doch nicht vereinen, wie das Beispiel Cochabamba zeigt. Als die bolivianische Stadt im Frühjahr 2000 die Wasserversorgung privatisierte, erhöhte der US-Konzern Bechtel völlig ungeniert sogleich drastisch die Preise. Wütende Proteste der Einwohner, ein Generalstreik und wochenlange Unruhen zwangen die bolivianische Regierung schließlich, die Privatisierung rückgängig zu machen. Die Erfahrung zeigt: Ein "Patentrezept Privatisierung" gibt es nicht. "Die letzten fünf bis zehn Jahre wurde Privatisierung als die Lösung gesehen. Dem ist nicht so", warnt Volker Karl. Weil Wasser kein Gut ist wie jedes andere, sind große Preissteigerungen im Zuge der Privatisierung nicht drin. Um Gewinn zu erzielen müssen Private vor allem effizienter sein.

Zögerliches Engagement

Dass der private Sektor seiner Retterrolle nicht richtig gerecht wird, liegt auch daran, dass die Firmen das Risiko scheuen, das mit dem Engagement in den Entwicklungsländern verbunden ist. GTZ-Mann Helming erklärt: "Ich versuche seit zwei, drei Jahren, Privatfirmen fürs Betreibergeschäft zu gewinnen - in den meisten Ländern ohne großen Erfolg." Die Deutschen haben Angst, sich als Wasserversorger in einem Entwicklungsland mit einer Konzession für zwanzig bis dreißig Jahre zu binden. Doch im Wassersektor ist langfristiges Engagement gefragt. Allen Problemen zum Trotz ist Helming zuversichtlich: "Es gibt große Wasserprobleme auf der Welt, aber sie können gelöst werden."

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