1. Inhalt
  2. Navigation
  3. Weitere Inhalte
  4. Metanavigation
  5. Suche
  6. Choose from 30 Languages

Wirtschaft

Durchwachsene Aussichten

Widersprüchliche Botschaften über den Zustand der amerikanischen Wirtschaft: Negativen Nachrichten folgen positive und umgekehrt. Notenbank-Präsident Greenspan gibt sich optimistisch - die Experten sind uneins.

default

"Ungewöhnlicher Zyklus": Alan Greenspan

In der vergangenen Woche stellten einige der großen US-amerikanischen Konzerne ihre Zahlen vor: Der weltgrößte Autokonzern General Motors (GM) hatte dabei in seinem Kerngeschäft im zweiten Quartal 2003 einen deutlichen Netto-Gewinnrückgang zu verkraften: 901 Millionen Dollar statt der 1,3 Milliarden im Vorjahreszeitraum. Ford, weltweit die Nummer 2, bezifferte den Gewinneinbruch auf 27 Prozent. Der dritte der drei großen US-Auto-Firmen, Chrysler, will seine Zahlen in dieser Woche vorlegen. Es wird mit einem Milliardenverlust gerechnet; keine gute Zeiten für die US-Autobauer.

Der symbolträchtigste US-Konzern überhaupt, Brause-Brauer Coca-Cola, überraschte hingegen mit einem Gewinnanstieg um satte zehn Prozent - wegen der weltweit flauen Konjunktur und der ungewöhnlich feuchten Witterung in den USA war allgemein mit einem deutlich schwächeren Ergebnis des Getränke-Multis gerechnet worden. Und die vor wenigen Tagen vom Software-Giganten Microsoft veröffentlichten Zahlen für das im Juni beendete Geschäftsjahr fielen mit einer Steigerung des Nettogewinns um 27,6 Prozent auf fast zehn Milliarden Dollar ebenfalls positiv aus.

Gewohnte Abfolge

"Wir sind ja schon an die stetige Abfolge von guten und schlechten Nachrichten aus den USA gewohnt", meint dazu Oscar Erich Kunze, Amerika-Experte des Instituts für Wirtschaftsforschung (Ifo) in München im Gespräch mit DW-WORLD. Dazu passen seiner Meinung nach auch die Äußerungen des US-Notenbankchefs Alan Greenspan vor dem Bankenausschuss des US-Senats: Die jüngsten Konjunkturdaten aus den USA deuten Greenspan zufolge auf eine allmähliche Belebung der weltgrößten Volkswirtschaft hin: Die Industrieproduktion sei leicht angestiegen, die Konsum-Lust der amerikanischen Bürger - nicht zuletzt wegen der Niedrig-Zins-Politik der amerikanischen Notenbank - verharre weiter auf beachtlichem Niveau. Und dies trotz einer Juni-Arbeitslosenquote von 6,4 Prozent, der höchsten in den USA seit neun Jahren.

Allerdings werde die US-Konjunktur wahrscheinlich nicht so stark an Fahrt gewinnen, wie dies nach Abschwungphasen eigentlich üblich sei. Greenspan korrigierte die Wachstumserwartungen für das zweite Halbjahr 2003 daher deutlich um 0,75 Prozent nach unten. Erwartet wird nun ein Wachstum von 2,5 bis 2,75 Prozent. "Dies ist ein sehr außergewöhnlicher Zyklus", erklärte Greenspan. 2004 sei aber ein deutlich höheres Wachstum zu erwarten.

Seelenmassage

"Da werden die Zahlen so lange zurechtgebogen, bis sie passen", kritisiert Ifo-Fachmann Kuntze die Interpretationskünste des Notenbank-Chefs. Die Nachrichten vom Zusammenbruch des US-Energieriesen Mirant sowie das US-Haushaltsdefizit von 475 Milliarden Dollar bewertet er als "bedrückend". Kuntze sieht im positiven Ausblick von Greenspan daher vor allem eine "Seelenmassage" für die nervöse Wirtschaft.

Dies will sein Kollege Joachim Benner vom Institut für Weltwirtschaft in Kiel gar nicht bestreiten: "Psychologie gehört bei den Verlautbarungen der Notenbank immer dazu", sagte Benner im Gespräch mit DW-WORLD. Insgesamt hält er die Nachrichten aus den USA aber dennoch für positiv - auch wenn er ebenfalls der Meinung ist, dass der Aufschwung nicht mehr so drastisch und schnell ausfallen werde wie zu Zeiten der "New Economy".

Blick nach Europa

Klar ist hingegen, dass eine nur zögerlich anspringende US-Konjunktur eine dämpfende Wirkung auf die deutsche Konjunktur haben würde. Oskar-Erich Kunze sieht darin aber vor allem einen europäischen Denkfehler. Überspitzt sieht er die "Haltung eines kolonisierten Landes". Er plädiert vielmehr für eine stärkere Konzentration auf den europäischen Markt, der für Deutschland ohnehin schon wichtiger wäre als der amerikanische. "Und in Europa", so Kuntze, "sieht die Entwicklung ja günstiger aus".

Die Redaktion empfiehlt

WWW-Links