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Kultur

Durchs Minenfeld für Pokémon Go

Pokémon-Go-Spieler landen häufig an Orten, an denen sie so gar nichts verloren haben. Hin und wieder bringen sich die Pikachu-Jäger sogar in Lebensgefahr.

Dass Hundebesitzer bei dem Versuch, Fido vor dem Ertrinken zu retten, selbst untergehen, hört man leider immer mal wieder. Aber diesen Sommer riskieren einige Menschen sogar für kleine digitale Wesen ihr Leben - wenn auch versehentlich.

Pokémon Go hat seit seinem Erscheinen eine wahre Manie auf der ganzen Welt ausgelöst. Überall, wo die App erhältlich ist, machen sich Nutzer auf die Jagd nach digitalen Monstern, die sie mithilfe ihrer Smartphone-Kamera und GPS in der echten Welt aufspüren. Allerdings vergessen manche Pokémon "Jäger" dabei alles um sich herum. Und dann wird's gefährlich.

Riskanter Leichtsinn

Eine rote Fußgängerampel zu übersehen, weil man konzentriert auf sein Handy starrt, ist schon gefährlich. In Bosnien hat dieses Phänomen jetzt aber ganz andere Ausmaße angenommen. Auf der Jagd nach Pokémon liefen Menschen in dem südosteuropäischen Land in Gegenden, die voll mit scharfen Landminen sind. Aus dem Jugoslawienkrieg von 1992 bis 1995 liegen davon immer noch viele unter der bosnischen Erde.

"Wir haben erfahren, dass einige Nutzer der Pokémon Go App in Bosnien an Plätzen nach Pokémon suchen, an denen es noch Landminen gibt", schrieb die NGO "Posavina bez mina" auf ihrer Facebookseite. "Wir bitten unsere Bürger eindringlich, das nicht zu tun [und] die Absperrungen und Schilder zu respektieren, die auf gefährliche Minenfelder hinweisen."

Mann steht mit Smartphone neben einem Minenwarnschild. (Foto: picture-alliance/Ap Photo/A. Emric)

Wenn ein Pokémon winkt, lassen einige Spieler selbst Minenwarnschilder links liegen

In den USA mussten mehrere Stromanbieter davor warnen, zu dicht an Starkstromanlagen heranzugehen. Einige Spieler hatten sich Kraftwerken und Stromleitungen genährt. Das Problem: bei Pokémon Go halten sich die kleinen Monster an Orten auf, die ihren Charakteristika entsprechen. Wasser-Pokémon findet man an Seen und Flüssen - und Elektro-Pokémon sind in der Nähe von Stromleitungen anzutreffen.

"Anscheinend ist Pikachu, eines der bekanntesten Pokémon, ein Elektro-Pokémon", sagte Tammy, Ridout, Sprecherin von American Electric Power, der Nachrichtenseite Climate Wire. "Spieler sind zu unseren Kraftwerken gekommen. Es hieß, dass man Elektro-Pokémon in der Nähe von Schaltanlagen und Transformatoren fangen kann."

Andere Stromanbieter warnen Spieler über die sozialen Medien. Dominion Virginia Power teilte auf Facebook ein Foto des schwarz-gelben Pokémon-Maskottchens und schrieb:

"Wenn ihr ein Pikachu seht, dass sich in der Nähe einer Schaltanlage oder eines Kraftwerks versteckt, VERSUCHT NICHT, IHN EINZUFANGEN - das ist eine Falle! [Das Pokémon] will, dass ihr verhaftet werdet oder euch sogar verletzt! Bitte achtet immer auf eure Umgebung, während ihr spielt und viel Glück dabei, sie euch zu schnappen!"

Pokémon Jagd beim Militär

In Indonesien geriet diese Woche ein Tourist in Schwierigkeiten, der auf der Jagd nach Pokémon auf einen Militärstützpunkt spaziert war. Der 27-Jährige "betrat versehentlich das Gelände, als er während des Joggens Pokémon fangen wollte", sagte Yusri Yunus, ein Sprecher der Polizei von West Java.

Der Franzose konnte an einem Checkpoint gestoppt werden, nachdem er zunächst vor Sicherheitsleuten geflüchtet war. Auf einem Militärstützpunkt vor dem Sicherheitspersonal wegrennen - das kann auch mal schnell schief gehen. Aber der Pokémon-Spieler kam mit dem Schrecken davon. Das Militär hielt ihn für einige Stunden fest und ließ ihn dann wieder gehen.

Pikachu Parade in Japan. (Foto: Imago)

Nicht alle Pokémon sind so leicht zu finden wie diese überlebensgroßen Pikachu in Japan

Minenfelder, Starkstromanlagen, Militärstützpunkte - einige Leute sind bereit, den Pokémon wirklich überall hin zu folgen. Das will sich jetzt eine Polizeiwache im US-Bundesstaat New Hampshire zunutze machen.

Wer gehört zu den "Glücklichen"?

Die Polizei der Stadt Manchester berichtete ihren Facebook Fans von einem seltenen Pokémon, das angeblich auf der Wache gesichtet wurde:

"Wir haben herausgefunden, dass sich ein Charizard in unserem Einlieferungsbereich befindet. Da der Charizard so selten ist, laden wir nur eine bestimmte Anzahl von Menschen ein. Wenn Ihr Name auf der folgenden Liste steht, gehören Sie zu den Glücklichen. Kommen Sie zur Wache, um Charizard zu fangen."

Der angehängte Link führt zur Liste der gesuchten Personen des Manchester Police Department. Der scherzhafte Post verbreitet sich seit der Veröffentlichung am Sonntag wie ein Lauffeuer. Am Mittwoch hatten auf Facebook bereits mehr als 37.000 User "Gefällt mir" geklickt und Medien wie die "Huffington Post" und der britische "Guardian" berichteten über den Eintrag.

Ob sich einer der Gesuchten in der Hoffnung auf Charizard schon auf der Polizeiwache eingefunden hat, ist nicht bekannt. Aber Pokémon-Go-Spieler machen selbst vor Minenfeldern und Militärstützpunkten nicht Halt. Da kann man sich durchaus vorstellen, dass der ein oder andere sich für ein seltenes Pokémon auch der Polizei stellt.

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