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Welt

Durcheinander nach Putschversuch im westafrikanischen Guinea-Bissau

Am Montag plünderten Soldaten ein Waffenlager in Guinea-Bissau und sperrten die Zufahrt zur Privatresidenz des Premierministers. Regimetreuen Soldaten gelang es die Lage zu kontrollieren. Doch viele Fragen bleiben offen.

Carlos Gomes Júnior

Carlos Gomes Júnior: Der Premierminister von Guinea-Bissau flüchtete in die Botschaft Angolas

Weihnachten 2011 wird in Guinea-Bissau als sehr turbulent in Erinnerung bleiben. Nachdem eine Gruppe aufständischer Soldaten ein Waffenlager überfallen hatte, war der Regierungschef in die Botschaft Angolas geflüchtet. Das Botschaftsgebäude liegt direkt gegenüber auf der anderen Straßenseite der Wohnung des Premierministers Carlos Gomes Júnior. Es dürfte einer der sichersten Orte in Bissau sein, da Angola eine Militärmission im Land unterhält.

Nach einigen Stunden konnten regierungsloyale Truppen ohne größeren Widerstand die Kontrolle übernehmen. Insgesamt gab es nach Angaben der Agentur AFP einen Toten und mehrere Verletzte. Nachdem sich die Lage beruhigt hatte, rief der Premier am Montagabend (26.12.) eine Krisensitzung ein.

Neben dem Premier und mehreren Ministern nahmen der Stabschef des Militärs, António Indjai, sowie der Sprecher des Parlaments, Raimundo Pereira, teil. Der Parlamentssprecher vertritt derzeit Präsident Malam Bacai Sanhá, der in Paris im Krankenhaus liegt und sich seit Wochen nicht mehr öffentlich geäußert hat.

Erziehungsminister Artur Silva bestätigte nach der Krisensitzung, dass es einen Überfall auf das Waffenlager gegeben habe und dass die Aufständischen Waffen entwendet hätten: "Im Moment ist die Situation unter Kontrolle, ich möchte aber keine Namen von an dem Aufstand Beteiligten bekannt geben." Es solle aber auf jeden Fall eine Untersuchungskommission geben, um die Ereignisse aufzuklären, kündigte Artur Silva an.

Staatsstreich oder nicht? Regierung versucht die Situation herunterzuspielen

Präsidentenpalast im Zentrum Bissaus

Präsidentenpalast im Zentrum Bissaus – seit dem Bürgerkrieg in den 90er Jahren wurde er nicht wieder aufgebaut

Die Regierung bestritt nach der Krisensitzung am Montagabend, dass es überhaupt einen Putschversuch gegeben habe. "Es gab offensichtlich ein Durcheinander", spielte Ministerpräsident Carlos Gomes Júnior die Ereignisse herunter. Er wollte Journalisten gegenüber keine Details preisgeben und wich Fragen nach der Beteiligung von Politikern aus: "Nein, ich weiß nicht, ob Politiker beteiligt waren."

An diesem Dienstag (27.12.2011) trafen sich Regierungsvertreter mit Repräsentanten internationaler Organisationen. Die Regierung befürchtet, diese könnten nach den Unruhen ihre Finanztransfers für das von Entwicklungshilfe abhängige Land aussetzen.

Der Oberkommandierende der Streitkräfte, António Indjai, hat dagegen einen Staatsstreich bestätigt: "Eine Gruppe von Militärs hat versucht, die verfassungsgemäße Ordnung des Landes außer Kraft zu setzen. Der Generalstab hat diese Gruppe aber ausschalten und die Situation unter Kontrolle bringen können."

Stabschef der Marine verhaftet

Unklar ist, inwieweit der Chef der Marine, Bubo Na Tchuto, beteiligt ist. Ihm wird vorgeworfen, hinter dem Aufstand zu stehen. Er selbst hatte am Montag aber bestritten, darin verwickelt zu sein: "Mein Name wird immer mit Chaos in Verbindung gebracht. Aber ich kann sagen, dass ich mit dem, was hier passiert, nichts zu tun habe." Später wurde Na Tchuto aber festgenommen und in die Militärkaserne nach Mansoa außerhalb der Hauptstadt Bissau gebracht.

In den vergangenen Jahren wurde Bubo Na Tchuto unter anderem von den USA vorgeworfen mit der Drogenmafia zu kooperieren. Außerdem wird Bubo Na Tchuto beschuldigt an mehreren Putschversuch beteiligt gewesen zu sein. 2008 wurde er nach einem gescheiterten Versuch verhaftet, konnte aber nach Gambia ins Ausland fliehen. Heimlich kehrte er später zurück und suchte in der UN-Vertretung in Bissau Asyl.

Im April 2010 nahm Bubo Na Tchuto dann zusammen mit weiteren Militärs – darunter der jetzige Generalsstabschef António Indjai – an einem weiteren Putsch teil. Die Militärs setzten gegen den Willen der Regierung den damaligen Generalstabschef Zamora Induta ab und brachten für mehrere Stunden auch Premierminister Carlos Gomes Júnior in ihre Gewalt. Später ernannte Präsident Malam Bacai Sanhá dann auf Druck der revoltierenden Militärs Bubo Na Tchuto zum Chef der Marine. Die Allianz zwischen Bubo Na Tchuto und António Indjai soll aber in den letzten Monaten auseinander gebrochen sein.

Drogen und ethnische Konflikte - einer der instabilsten Staaten Afrikas

Soldaten bei der Beerdigung des Generalstabschefs Tagme Na Waie

Soldaten im Jahr 2009 bei der Beerdigung des damals bei einem Anschlag getöteten Generalstabschefs Tagme Na Waie

An diesem Dienstag (27.12.) hat sich die Lage in dem portugiesischsprachigen Land wieder beruhigt. Seit Jahren gilt das in Westafrika, südlich des Senegal gelegene Guinea-Bissau als einer der instabilsten Staaten Afrikas. 2009 waren der damalige Präsident Nino Vieira sowie der damalige Militär-Generalstabschef Tagme Na Waie bei Anschlägen getötet worden. Beide Anschläge wurden bis heute nicht aufgeklärt.

Als Auslöser für die Instabilität gilt neben Konflikten zwischen den verschiedenen Volksgruppen des Landes der Drogenhandel. Südamerikanische Dealer nutzen das Land als Zwischenstation um Kokain nach Europa zu bringen. Die lokale Polizei gilt als überfordert. Die Kriminalpolizei besitzt erst seit kurzem Computer und muss immer wieder auf öffentliche Transportmittel ausweichen, da sie oft keine einsatzbereiten Autos hat.

Immer wieder werden hochrangige Militärs und Politiker mit dem Drogenhandel in Verbindung gebracht. Durchschnittlich verfügt jeder Einwohner des Landes nur über etwa mehr als 500 Dollar im Jahr, da ist das schnelle Geld aus dem Drogengeschäft verlockend.

Autor: Johannes Beck
Redaktion: Friedel Taube