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Asien

Durchbruch in Sicht?

Am 25. Februar soll in Peking eine neue Runde der Sechs-Staaten-Gespräche über Nordkoreas Atomprogramm beginnen. Besteht Hoffnung auf einen Durchbruch? Rainer Sollich kommentiert.

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Wenn Nordkorea etwas zu verhandeln hat, gehört stets Täuschen und Tricksen dazu. Jüngstes Beispiel: Vor knapp einem Monat ließ das Regime ein Team von unabhängigen amerikanischen Atomwissenschaftlern einreisen. Die Nordkoreaner lotsten ihre Gäste in den umstrittenen Atomreaktor Yongbyon, präsentierten ihnen einen ominösen Behälter und behaupteten, er beinhalte Plutonium - geeignet zum Bau von Atombomben. "Seht her", lautete die Botschaft, "wir bluffen nicht, wir bauen wirklich Atombomben - Ihr solltet also mit uns verhandeln!"

Nordkoreanischer Atompoker

Eine Chance zur Überprüfung dieser Behauptung erhielten die US-Wissenschaftler nicht. Und genauso wenig weiß man bis heute, wie ernst die überraschende und nahezu zeitgleich abgegebene Erklärung Pjöngyangs gemeint war, bei einem amerikanischen Entgegenkommen ganz auf die Entwicklung von Atomwaffen zu verzichten. Mal will man verzichten, mal wird behauptet, auf Atomwaffen nicht verzichten zu können. Mal wird behauptet, Atomwaffen entwickeln zu wollen, dann lässt man durchblicken, man habe schon längst welche entwickelt: Atompoker - das heißt für Pjöngyang, den Gegner zu verwirren. Und das wiederum bedeutet, sich niemals in die Karten schauen zu lassen.

Genau dies müssen die Amerikaner bedenken, wenn sie vom 25. Februar an wieder in Peking in Form von Sechs-Länder-Gesprächen über Nordkoreas Atomprogramm verhandeln. Der Chef der Internationalen Atomenergiebehörde (IAEA), Mohamed el Baradei, hat zweifellos Recht, wenn er sagt, Nordkoreas Nuklearpotenzial sei derzeit die weltweit gefährlichste Herausforderung beim Kampf gegen die Verbreitung von Atomwaffen. Aber die Amerikaner dürfen sich nicht über den Tisch ziehen lassen. Ob sie nun Nahrungsmittel-Lieferungen anbieten, eine Aufhebung von Wirtschaftssanktionen oder tatsächlich die immer wieder von Pjöngyang geforderte Nicht-Angriffs-Garantie: Das einzige akzeptable Ergebnis auf nordkoreanischer Seite wäre eine völlige und vor allem lückenlos überprüfbare Einstellung seines Atomprogramms.

Hunger als Druckmittel?

Es wäre zu früh, um einen Durchbruch zu prognostizieren. Aber immerhin - ein kleiner Hoffnungsschimmer besteht. Nordkorea ist derzeit nach UN-Angaben erneut mit einer dramatischen Hungersnot konfrontiert, bedingt durch Misswirtschaft und rückläufige Spendenaufkommen. Pjöngyang schert sich gemeinhin zwar nicht sonderlich um das Wohlergehen seiner Bürger. Es muss aber im eigenen Interesse darauf achten, dass Hungersnöte keine Ausmaße annehmen, die das Regime mittel- bis langfristig destablisieren könnten. Faktisch könnte dies die amerikanische Verhandlungsposition stärken.

Zudem lässt auch das Engagement der Volksrepublik China hoffen. Peking lädt nun schon zum zweiten Mal zu Sechser-Gesprächen über das nordkoreanische Atomprogramm ein. Es investiert viel Prestige und übt hinter den Kulissen offenbar auch wirtschaftlichen Druck auf seinen alten Verbündeten aus. China ist nach wie vor das Land mit dem größten Einfluss auf Pjöngyang, und es hat kein Interesse an einem weiteren Atomwaffenstaat in seiner Nachbarschaft – allein schon, weil dann ein atomares Wettrüsten in der Region drohen könnte.