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Sprachbar

Durch die Blume gesagt

Die Blumensprache ist blumig, manchmal verblümt. Durch die Blume kann manches unverblümt gesagt werden, ohne es auszusprechen. Einen Blumentopf kann man damit nicht gewinnen, aber vielleicht mit mancher Stilblüte.

Das Frühjahr gilt für viele Menschen als die schönste Zeit im Jahreskreis. Nach manchmal sehr langen Wintermonaten, die sogar bis in den kalendarischen Frühling hineinreichen, erwacht die Natur. Die Blumen stecken ihren Kopf aus der Erde und entfalten ihre Blüten. Ein Meer blühender Blumen findet sich nicht nur in Parks und Vorgärten, sondern auch in den Blumenkästen auf Balkonen. Bei dem Wort blühen denken wir natürlich an Blüte und Blumen. Wobei keineswegs nur Blumen blühen. Aber dazu später.

Blühende Landschaften und blühende Fantasie

Helmut Kohl sitzt vor Mikrofonen. Im Hintergrund die nicht komplett sichtbare Plakatschrift: Deutschlandtag Leipzig

Im Jahr 1990 prägte der damalige Kanzler Kohl den Begriff der "blühenden Landschaften"

Der Blütenzauber blühender Blumen, zumal der ersten, ist nicht nur wunderschön anzusehen, der Blütenduft in frühlingshafter Landschaft betört die Sinne. Es wundert nicht, dass das vom früheren deutschen Bundeskanzler Helmut Kohl geprägte Bild von den blühenden Landschaften, die in Ostdeutschland nach dem Ende der DDR entstehen würden, zu einem Begriff ungebremsten Optimismus und geradezu freudiger Zukunftserwartung geworden ist.

Aber bevor auch unsere Fantasie bunte Blüten treibt, kehren wir zurück zu den Ursprüngen, zur Sprache, zum schwachen Zeitwort: zu blühen. Sprachgeschichtlich gesehen gehören „blühen“, „Blume“ und auch „Blüte“ sehr eng zusammen. Sie haben eine gemeinsame indogermanische Wurzel, nämlich „blo-a“. Und das ist keine blühende Fantasie, sondern Fakt.

Blühende Jugend, Schönheit und Gesundheit

Eine grauhaarige Frau umarmt von hinten einen grauhaarigen Mann

„Wir stehen in der Blüte unserer Jahre!“

Das Blühen bezeichnet – ganz sachlich ausgedrückt – jenen Zustand einer Pflanze, in dem sich aus einer Blütenknospe die Blüte entfaltet hat und aufgeblüht ist. Das ist ein zarter, ein frischer Zustand, der gewissermaßen die Grundlage für eine Vielfalt übertragener, poetischer Bedeutungen von „blühen“ und „Blüte“ bildet. Ein Mensch von blühender Gesundheit gilt als geradezu alterslos. Männer und Frauen in der Blüte der Jahre haben noch alle Kraft, um zu neuen Ufern aufzubrechen – neudeutsch würde man sie als Best Agers bezeichnen. Aber das klingt ja nicht so poetisch.

In der Blüte der Jugend, in jungen Jahren, erblüht die Schönheit manches Mädchens oder Jungen. Noch stehen sie nicht, wie vielleicht ihre Eltern, in voller Blüte, sind auf dem Höhepunkt ihrer Entwicklung angekommen. Pflanzen blühen und gedeihen – ebenso wie sinnbildlich der Mensch. Aber auch Nicht-Lebewesen können es. Kunst und Wissenschaft blühen in den sprichwörtlich goldenen Zeiten. Wenn die Geschäfte blühen, bedeutet dies ganz prosaisch, dass es den Unternehmen wirtschaftlich sehr gut geht.

Blumige Sprache

Ein schüchterner Junge (rechts) überreicht einem Mädchen (links) eine Pusteblume

Nicht immer muss blumenreich gesprochen werden – auch stille Gesten und eine Pusteblume erfüllen ihren Zweck

Manches kann seltsame, wunderliche oder merkwürdige Blüten treiben, auch die Sprache. Dabei denken wir nicht nur an die Stilblüten, jene unfreiwillig komischen Formulierungen, die sich zum Beispiel in dem einen oder anderen Schulaufsatz finden. Wer sich in seiner Art zu reden oder zu schreiben schöner bildhafter Redewendungen bedient, wessen Sprache eben gerade nicht direkt und unverblümt ist, der drückt sich in blumiger Sprache möglichst blumenreich aus.

Die hohe Kunst ist es, bestimmte Dinge durch die Blume zu sagen. Will man eine andere Person nicht verletzen, gibt man ihr durch die Blume zu verstehen, was man ihr nicht direkt ins Gesicht sagen will. Mit wohl gewählten Worten wird angedeutet oder umschrieben, was man ausdrücken will. Auch schüchterne Menschen können diese Form wählen. Traut sich ein Mann oder eine Frau nicht, die oder den Angebeteten anzusprechen, kann die Blumensprache gewählt werden. Aus ihr soll übrigens die Redewendung etwas durch die Blume sagen stammen.

Sag's durch die Blume

Ein Mann zertritt einen Blumenstrauß

Ein ziemlich unverblümtes Zeichen für die Wahl des falschen Blumenstraußes!

Denn seit Jahrhunderten haben die verschiedenen Blumen und ihre Blütenfarben symbolische Bedeutung. Diese hat sich auch in den Blumennamen niedergeschlagen. Man denke nur an Männertreu und die kleinen blauen Blüten des Vergissmeinnicht. In vielen Landstrichen Europas war es üblich, dass das Mädchen bei der Brautwerbung dem Freier eine ganz bestimmte Blume überreichte, wenn sie ihn nicht wollte. Sie gab ihm also durch die Blume zu verstehen, was sie ansonsten unverblümt hätte sagen müssen.

Es ist klar, was ohne Worte gesagt wird, wenn der Matrose im Hafen ein letztes Mal vor der großen Fahrt sein Mädchen in die Arme schließt und ihr ein Sträußchen blauer Vergissmeinnicht in die Hand drückt. Blau ist die Farbe der Treue.

Blumige Liebessprüche

Maiglöckchen

Mit Maiglöckchen kann man eigentlich nichts falsch machen: Sie sind ein Symbol für Glück und Liebe

Für diejenigen, die sich bei der Blumensprache keinen Fehltritt erlauben wollen, gibt's hier eine kleine Auswahl, mit welcher Blume, was ausgedrückt wird. Achtung: Die Blütenfarbe ist ausschlaggebend. Wer jemanden nicht mag, sollte eine gelbe Nelke wählen. Keinen Blumentopf gewinnen kann man mit gelben Narzissen, einer Frühlingsblume. Sie steht für Eitelkeit und Egoismus.

Rot ist die Farbe der Liebe und der Leidenschaft: Entsprechendes wird mit Nelken oder Rosen zum Ausdruck gebracht. Wer kein klares Signal geben will und sich in der Blumensprache unsicher ist, schenkt am Besten weiße Margeriten. Sie sind ein Sinnbild für Natürlichkeit. Für diejenigen, die es schade finden, Blumen in der Blumenvase verwelken zu sehen, bieten sich entweder ganze Pflanzen an oder folgendes „Ökogedicht“ von Johann Wolfgang von Goethe.

Die Ökoblume

Für Christiane, seine spätere Frau, schrieb er 25 Jahre nach ihrer ersten Begegnung das Gedicht „Gefunden“: „Ich ging im Walde / So für mich hin, / Und nichts zu suchen, / Das war mein Sinn. / Im Schatten sah ich / Ein Blümchen steh'n, / Wie Sterne leuchtend, / Wie Äuglein schön. / Ich wollt es brechen, / Da sagt es fein: Soll ich zum Welken / Gebrochen sein? / Ich grub's mit allen / Den Würzlein aus. / Zum Garten trug ich's / Am hübschen Haus. / Und pflanzt es wieder / Am stillen Ort, / Nun zweigt es immer / Und blüht so fort.“




Fragen zum Text

Was hat die Person in Goethes Gedicht gemacht?
1. Er hat die Blume abgeschnitten.
2. Er hat die Blume im Garten ausgegraben.
3. Er hat die Blume umgepflanzt.

Verkauft jemand sehr gut, dann …
1. hat er/sie ein Blühunternehmen.
2. blühen seine/ihre Zahlen.
3. blüht sein/ihr Geschäft.

Jemand, der gerne unwahre Geschichten erfindet, bekommt zu hören: …
1. „Diese Blüten sind ein wahrer Genuss!“
2. „Du hast aber eine blühende Fantasie!“
3. „Wahrlich eine blütenreiche Erzählung!“


Arbeitsauftrag
Was kann man mit Blumen alles machen? Erstelle eine Liste von mindestens zehn Verben und bilde anschließend Sätze, die einen Relativsatz beinhalten. Achte auf die Zeitenfolge.

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