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Sport

Duráns letzter Kampf

Manos de Piedra war sein Spitzname - Hände aus Stein, weil er rechts wie links gleich hart zuschlagen konnte. Roberto Durán aus Panama war Boxweltmeister in vier Gewichtsklassen. In Panama City hat er ein Lokal eröffnet.

Roberto Durán ist eine Legende, nicht nur in Lateinamerika. Er hat sie alle vor den Fäusten gehabt, die Grossen seiner Zunft. Er hat Sugar Ray Leonard verprügelt, fünfzehn Runden auf Marvin Hagler eingedroschen und Iren Barkley zu Boden gestreckt. Sein hartes Kinn und seine Nehmerqualitäten waren berühmt, seine boxerischen Fähigkeiten wurden häufig unterschätzt.

Statue von Roberto Durán in Panama City (Foto: DW Marek/Weniger)

Duráns Statue in Panama City

Durán war Weltmeister in vier Gewichtsklassen, vom Leicht- bis Mittelgewicht. Von 120 Profikämpfen gewann er 104, 70 Mal wurden seine Gegner ausgezählt. Sein erster Kampf 1980 gegen den US-amerikanischen Olympiasieger und Medienliebling Sugar Ray Leonard gilt unter Boxhistorikern als einer besten des 20. Jahrhunderts. Damals waren das Caesars Palace in Las Vegas und der Madison Square Garden in New York sein Wohnzimmer. Bis 2001 stand Roberto Durán im Ring, da war er bereits fünfzig. Boxen war sein Leben. Bis heute ist er der einzige Faustkämpfer, der in fünf verschiedenen Jahrzehnten gekämpft hat. Seit 2007 hängt Roberto Duráns Portrait in der Boxing Hall of Fame.

Schon mit 16 Boxprofi

In seinem Restaurant in Panama City treffen wir ihn: Die schwarzen Haare nach hinten gegellt, darüber die Schirmmütze im Schottenkaro, um den Hals ein Lederband. Aufgebracht und wild gestikulierend redet er in seiner Muttersprache Spanisch, mit deren Artikulation er genauso rücksichtslos umgeht wie einst mit seinen Gegnern. Durán ist gerade 61 Jahre alt geworden, und noch immer spielt er den jungen Wilden.

Sugar Ray Leonard (l.)im Kampf gegen Roberto Durán 1989 (Foto: AP)

Sugar Ray Leonard (l.) duckt sich vor Roberto Duráns steinernen Fäusten im WM-Kampf von 1989 in Las Vegas

Die Tasci in der Calle Alberto Novarro ist schon mittags voll. Wer hier im Stadtzentrum ein Edelrestaurant erwartet, mit dem sich ein Prominenter ein Denkmal gesetzt hat, wird überrascht. Das Publikum ist angenehm gemischt. Ein paar Geschäftsleute aus der Gegend, Büroangestellte, junge Leute. Auf dem Tresen reihen sich die Biergläser. Die Taverne ist dunkel und laut. Das liegt auch an den großen Flachbildfernsehern, über die Robertos Titelkämpfe im Originalton flimmern. Der Champ - von blutjung bis angejahrt, mit und ohne Bart, immer ein Wühler, ein Fighter, der sich in seine Rivalen verbiss, sie gnadenlos zermürbte und schließlich ausknockte. Auf der Mattscheibe fallen die Gegner wie die Fliegen. Kaum ein Fleck an den Wänden, der nicht mit Devotionalien und Fotos zugehängt ist. Seine Pokale, seine Medaillen, seine berühmte Boxhose mit der Flagge Panamas; die Posen grimmig, jubelnd. Von einem Straßenjungen erzählen die Bilder, einem, der den Slums entkommen ist und mit 16 Jahren Boxprofi wurde.

Familienrestaurant mit Karaoke

Sein Porträt ist allgegenwärtig und immer nach dem gleichen Muster arrangiert: links Roberto, daneben ein lächelnder und Hände schüttelnder Star: Frank Sinatra, Sylvester Stallone, Nelson Mandela. Wessen Glanz hier auf wen fällt oder fallen soll, lässt sich nicht eindeutig sagen. Nur die vier Weltmeisterschaftsgürtel fehlen. "Die liegen im Safe meines Managers in Miami", erzählt Durán. Irgendjemand hatte sie geklaut und versucht, sie zu verscherbeln und wurde dabei geschnappt. Eine mysteriöse Geschichte, in die ein Verwandter verwickelt war. Der ehemalige Champion will nicht darüber reden.

Die Bar des ehemaligen Boxers Roberto Durán in Panama City (Foto: DW Marek/Weniger)

Heldenverehrung in Duráns Familienrestaurant in Panama City

Durán ist ein Kumpeltyp, ein Mann aus dem Volk. Al Pacino nahm sich den Champ 1984 für seine Rolle in Brian de Palmas Spielfilm "Scarface" zum Vorbild. Seit Durán das weiß, hat er die DVD zuhause. Er grüßt nach allen Seiten, einige Leute lassen sich mit ihm ablichten. Für die Kameras hält er die immer noch mächtigen Fäuste in Kampfstellung, besonders gern für junge, hübsche Mädchen. Die Tasca betreibt er mit einem Kompagnon. Der sei für das Finanzielle zuständig, sagt Durán, "ich dafür, dass die Leute kommen". Das klappt bestens. Man könnte gehässig sein und ihn einen Grüßaugust nennen. Aber wenn er so dasteht zwischen den Gästen, die ihn verehren, bekommt die Taverne die Aura eines Schreins. Sein Sohn kocht, seine Frau stellt die Menüs zusammen, ganz wie zuhause. "Ich hab hier alles frei", lacht er heiser.

Duráns Wohnzimmer

Er singt auch gerne für alle, Salsa und Son Cubano, mit seiner eigenen Band. 1984 hatte Durán sogar eine CD aufgenommen, irgendeine unbekannte Latino-Band mit "Manos de Piedra" als Salsa-Sänger. "Karaoke machen wir auch regelmäßig", bemerkt Durán. Er plaudert von den Millionen, die er verdient und wieder verloren hat. "Ich hab alles gehabt, war reich und wieder pleite. Mich kann nichts mehr erschüttern", sagt er. Die Klitschko-Brüder bewundert er für ihren Zielstrebigkeit und ihren Kampfstil, Durán hat sie in Europa selber gesehen. "Es gibt im Schwergewicht niemanden außer ihnen", sagt Durán. Er redet schnell und verhuscht. Das liegt daran, dass er aus einer sehr armen Familie ohne Bildung kommt, und wohl auch daran, dass er in all den Jahren nicht nur viel ausgeteilt, sondern auch viel eingesteckt hat. Der schönste Moment war, als er seiner Mama, die immer wollte, dass er Boxer werde, von einer Siegbörse das erste Haus kaufen konnte. Da habe er vor Freude geweint.

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