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Musik

Duosonaten – Das Cello ist erwachsen

Johannes Moser und Paul Rivinius mit Beethoven, Zemlinsky und Brahms

Johannes Moser und sein Violoncello (Quelle: Beethovenfest, Copyright: Manfred Esser)

Cellist Johannes Moser

Komponierte Freundschaftsbeweise sind die Sonaten, die Johannes Moser und Paul Rivinius im Collegium Leonium spielten; denn alle drei Sonaten wurden von ihren Komponisten für einen speziellen Musiker oder Freund geschrieben.

Beethovens Spätstil

Ungewöhnlich war an dem Komzertabend, dass Ludwig van Beethovens letzte Cellosonate op. 102/2 gleich zu Beginn gespielt wurde. Das dreisätzige Werk ist eines der anspruchvollsten Kompositionen für Violoncello, wenn man von Bachs Solosuiten einmal absieht. Es ist ein typisches Beispiel für Beethovens kühnen Spätstil. Noch Jahre nach seiner Uraufführung 1815 wunderte sich ein Rezensent darüber, dass Cello oder Klavier nicht als Begleitinstrument, sondern gleichberechtigt eingesetzt werden.

Zemlinskys Tonsprache

Auf Beethovens gewichtiges Spätwerk folgte die erst vor wenigen Jahren wiederentdeckte Cellosonate von Alexander Zemlinsky. Sie entstand 1894. Obwohl die Sonate noch deutlich von Brahms beeinflusst ist, deutet sich darin bereits eine neue Tonsprache an: die Musik des 20. Jahrhunderts. Viele Jahre blieb Zemlinsky im Schatten seiner Freunde und Komponistenkollegen Gustav Mahler und Arnold Schönberg. Stilistisch wurde er zwischen Spätromantik und Moderne eingeordnet. Zu Lebzeiten sagte Zemlinsky: „Ich kann warten, meine Zeit kommt erst nach dem Tode“. 1938 emigrierte er von Wien nach New York. Inzwischen gilt er als wichtiger österreichischer Komponist.

Brahms: Wo ist das Adagio geblieben?

Nach der Pause erfolgte das klangrauschende Finale mit der Cellosonate Nr. 2 von Johannes Brahms, in der das Cello mit einem kantablen Hautpthema gleich im ersten Satz einen großen Auftritt hat. Die e-Moll-Sonate op. 38 entstand in zwei Etappen, die ersten drei Sätze schrieb Brahms 1862, das Finale schrieb er drei Jahre später. Vor der Veröffentlichung entfernte er einen Mittelsatz, möglicherweise weil er fürchtete, die Sonate könne zu lang werden.

Ein großer Ton

In Bonn entlockte Johannes Moser, der zu den herausragenden Cellisten unserer Zeit gehört, seinem Instrument einen großen, sinnlichen Ton, der geradezu majestätisch den Raum füllte. Paul Revinius, sein Partner am Klavier, hatte wesentlichen Anteil daran, dass dieser Abend zu einem Erlebnis wurde. Das Publikum war begeistert und erbat zwei Zugaben. Die beiden Musiker spielten den fünften und zweiten Satz aus der Cellosonate von Benjamin Britten.

Programm

Ludwig van Beethoven

Sonate für Violoncello und Klavier Nr. 5 D-Dur op. 102/2

Alexander Zemlinksky

Sonate für Violoncello und Klavier a-Moll

Johannes Brahms

Sonate für Violoncello und Klavier Nr. 1 e-Moll op. 38

Ausführende:

Johannes Moser (Violoncello)

Paul Rivinius (Klavier)

Aufgenommen von der Deutschen Welle am 25. September 2009 im Collegium Leoninum in Bonn