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Afrika

Dunkler Schatten über WM-Gastgeber Südafrika

Der Mord an dem weißen Rechtsextremisten-Führer Eugène Terre'Blanche hat Unruhen ausgelöst, die vor der Fußball-Weltmeisterschaft einen dunklen Schatten auf das Gastgeberland werfen, kommentiert Ludger Schadomsky.

Ludger Schadomsky (Foto: DW)

Ludger Schadomsky

Ja, es sind hässliche Bilder, die in diesen Tagen aus Südafrika um die Welt gehen: Von Polizisten mühsam getrennt stehen sich in einem obskuren "dorp", einem Provinznest (hier: Dorf; Anm. d. Red.), Schwarze und Weiße scheinbar unversöhnlich gegenüber. Die einen singen "Tötet die Buren", die anderen die Apartheid-Hymne "Die Stem". Das ist schlimm genug und erinnert an die bösen alten Tage. Mit einem Unterschied: Zu Apartheidzeiten wären schwarze Demonstranten niedergeknüppelt worden. Heute schützen weiße Polizisten ihr Recht auf freie Meinungsäußerung, das Südafrikas Verfassung, eine der liberalsten der Welt, garantiert. Gleichzeitig verbietet ein Gericht dem einflussreichen Jugendführer der Regierungspartei ANC, öffentlich Hasslieder gegen weiße Farmer zu singen.

Medien beschwören Rassenkrieg

Ob es den lüsternen Medien, die derzeit einen Rassenkrieg am Kap beschwören, passt oder nicht: Südafrika hat in den 16 Jahren seit dem Ende der Apartheid große Fortschritte gemacht. Die in der Mandela-Ära sozialisierte Post-Apartheid-Generation definiert sich nicht mehr über ihre Farbe, sondern feiert in den hippen Clubs von Johannesburg gemeinsam ab. Nein, Südafrikas Problem liegt nicht in der Vergangenheit, sondern in der Gegenwart, und es ist mit "politischer Führungsschwäche" noch vorsichtig beschrieben.

Im Trubel um die Ermordung des ebenso radikalen wie lächerlichen Burengenerals Eugène Terre'Blanche ist eine viel gewichtigere Todesmeldung übersehen worden: Mit Molefi Sefularo starb ebenfalls am vergangenen Wochenende der mit Abstand fähigste und integerste Politiker des Landes bei einem tragischen Verkehrsunfall. Der Mann war stellvertretender Gesundheitsminister – das sagt wohl alles über das Kaliber südafrikanischer Politiker.

Eklatante Führungsschwäche Zumas

Wenn sich heute, ein Jahr nach seinem Abschied aus dem Präsidentenamt, die ersten Südafrikaner nach dem unbeliebten Thabo Mbeki sehnen, dann ist das ein verheerendes Zeugnis für Jacob Zuma und seine Regierungsmannschaft. Inzwischen dämmert es auch ANC-Wählern: Zumas viel beschworenes Charisma ist in Wirklichkeit eklatante Führungsschwäche. Wie kann der Mann zulassen, dass sein Jugendliga-Präsident Julius Malema in Simbabwe einen Toast auf Robert Mugabe und dessen Landreform ausbringt, während er selbst dort - als vorgeblich Unabhängiger - vermittelt? Warum legt er Malema erst vier Tage nach der Ermordung Terre’Blanches, die Südafrika einige Tausend WM-Besucher kosten wird, einen Maulkorb an?

Nie war Südafrika in den 16 Jahren seiner Freiheit so schlecht regiert wie heute. Deshalb liegt in der Ermordung des ewiggestrigen Apartheid-Apologeten Terre’Blanche ironischerweise eine historische Chance für das neue, das farbenfrohe Südafrika: Indem es nämlich zusammenrückt im Kampf gegen handwerkliche Mittelmäßigkeit und parteipolitische Demagogie, die das Land im Würgegriff hält. Wenn dies gelänge, hätte der Tod von Eugène Terre’Blanche, allen verstörenden Fernsehbildern zum Trotz, etwas Gutes bewirkt.

Kommentator: Ludger Schadomsky

Redaktion: Stephanie Gebert