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Ostmitteleuropa

"Dunkle Ströme entblößt"

- Worum geht es der slowakischen Ungarn-Partei?

Köln, 18.4.2002, PRAVDA, SME

PRAVDA, slowak. 17.4.2002

Das Auftreten des stellvertretenden Vorsitzenden des slowakischen Ungarnpartei (SMK), Miklos Duray, auf einer Wahlkundgebung in Budapest (13.4.) zeigt, dass es in dieser Partei ein Problem mit der politischen Loyalität gibt. (...) Die politische Loyalität der SMK-Führung gilt in erster Linie den ungarischen Interessen und erst danach den slowakischen.

Dies an sich ist natürlich und verständlich. Das Problem liegt jedoch darin, dass die SMK nicht mehr nur für sich selbst und für die ungarische Minderheit in der Slowakei auftritt, sondern als Bestandteil der slowakischen Regierung vertritt sie direkt die Interessen der Slowakischen Republik. Dieser "Interessenkonflikt" innerhalb der SMK ist umso sensibler, als die Slowakei und Ungarn eher zwei natürliche Rivalen als Verbündete sind.

In dieser Situation ist es undenkbar (...), dass der Vizechef der regierenden SMK zusammen mit Viktor Orban schreit, "Felvidek" (Slowakei) sei ein unzertrennlicher Bestandteil "der großen ungarischen Heimat." (...)

Auf die politische Provokationen aus Budapest sowie aus den Reihen der SMK-Spitzenvertreter ist die slowakische politische Elite jedoch angemessen zu reagieren nicht im Stande. Der slowakische Präsident, der Ungran zur Beruhigung der nationalen Hetze auffordern sollte, schweigt. Der slowakische Ministerpräsident, der die SMK-Politiker Duray und Bugar ins Regierungsamt bestellen sollte, schweigt. Der slowakische Außenminister, der die ungarische Regierung um eine Erklärung ersuchen sollte, schweigt. Und die slowakische gesellschaftliche Elite, die sonst so empfindlich auf Äußerungen des Nationalismus reagiert, die schweigt ja auch. (...) (ykk)

SME, slowak. 17.4.2002

Wenn es Miklos Duray um die ungarische Minderheit in der Slowakei ginge, würde er sich bei den Parlamentswahlen in Ungarn als ein normaler Politiker verhalten: Wahlergebnisse abwarten, dann dem neuen Ministerpräsidenten gratulieren und mitteilen, dass man bereit sei, mit ihm zusammenzuarbeiten.

Da es dem Politiker Duray nicht nur um die ungarische Minderheit geht, verhält er sich anders. Er wartet die Wahlergebnisse nicht ab. Im Gegenteil. Er versucht sie wie kein anderer der slowakischen Politiker zu beeinflussen. Duray will nämlich, dass die ungarische Regierung den Premier erhält, der über sich selbst sagt, dass er der Premier von 15 Millionen Magyaren sei. (Ungarn zählt 10 Mio. Einwohner – MD) (ykk)

PRAVDA, 16.4.2002, slowak.

(...) In Wirklichkeit hat Duray nur das laut gesagt, worum sich die SMK langfristig bemüht. Die SMK bekennt sich klar zu Viktor Orban, (...) sie kommuniziert nur rechtsgerichtete Meinungen.

Nicht alle ethnischen Ungarn in der Slowakei sind jedoch rechtsgerichtet. Sie spricht Orbans und Durays Nationalismus überhaupt nicht an. Bestimmt gibt es unter den slowakischen Ungarn viele Sympathisanten des Lagers, das Peter Medgyessy repräsentiert. Ihm brachte Erfolg im ersten Wahlgang sein Ziel, die stark polarisierte ungarische Gesellschaft wieder in ruhigere Gewässer zu führen.

Miklos Duray sollte sein Mandat im slowakischen Parlament, wie es die slowakischen Parteien fordern, nicht niederlegen. Die Parteien sollten ihm eher dankbar dafür sein, dass er die dunkle Ströme in der SMK entblößt. (ykk)

  • Datum 18.04.2002
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  • Permalink http://p.dw.com/p/26Ii
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