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Politik

Dunkle Mächte in Uniform

In Thailand blüht die Korruption. Und zwar selbst in Politik und Polizei. Darüber können auch schmucke Uniformen nicht hinweg täuschen. Vorsicht ist sogar bei einfachen Busreisen geboten. Man weiß nie, wo man ankommt.

Fernschreiber-Grafik, Bangkok

Die Farbe – dreckiges Braun – mag ungeschickt gewählt sein. Doch der Schnitt macht einiges wett. Körperbetont oder auch eng anliegend – kein Wunder also, dass die Polizisten Thailands stolz sind auf ihre Unformen (manche wohl auch auf ihre Körper). Und dass den Beschützern der Öffentlichkeit mittlerweile ein gutes Dutzend Seiten im Internet gewidmet ist, auf die Fans Fotos stellen und sie anhimmelnd kommentieren.

Außen hui, innen pfui?

Ansonsten genießt die thailändische Polizei keinen guten Ruf. Von zu gut gemeinten Verkehrskontrollen bis zu übereifrigen Nachtrazzien – alle Kritiken wurden bisher weitgehend von den Polizeioberen überhört. Gerade die Bangkoker Polizei ist gefürchtet. Sie wird freilich ebenso oft beneidet wegen ihres einträglichen Mitmischens im Sumpf der Korruption. Schmieren ist hierzulande Alltag – auch aufgrund der geringen Grundlöhne der Beamten, die von ihren Chefs dazu gedrängt werden, sich Extrageld zu verdienen.

Bloßes Spektakel

Wenn dann die Staatsgewalt zu offen versagt, rollen Köpfe. Erst diesen Montag (05.02.) wurde der Polizeipräsident von Bangkok auf einen stillen Posten versetzt. Er hatte vor allem bei der Aufklärung eines Bombenattentats am Silvestertag versagt.

Doch solche Aktionen sind nicht viel mehr als ein Schauspiel, bloßes Spektakel. Das ist weder Wirklichkeit, noch Alltag in Thailand. Alltag sind dagegen die Erlebnisse der kleinen Leute, die Anekdoten, die man kurz austauscht und dabei viel sagend lächelt.

Mafiöse Touren

Über 1000 Kilometer entfernt von Bangkok liegt Hat Yai, das Zentrum des Südens. Voll gestopft mit chinesischen Ladenzeilen mutet die größte Stadt Südthailands geschäftig, fast emsig an. Sie ist Schnittstelle zwischen dem buddhistischen Thailand, der muslimischen Provinz und dem modernen Malaysien. Hat Yai steht nicht auf der Must-See-Liste von Touristen. Hierher verirren sich nur wenige Besucher.

Der Busbahnhof Hat Yais verdeutlicht, dass thailändische Nepper es nicht nur auf Touristen absehen. Seit zwei Jahrzehnten kämpft eine mafiöse Gruppe gegen den Staat an, mit Erfolg. Viele Reisende gelangen nicht einmal bis an die Verkaufsstände der staatlichen Busgesellschaft. Vor dem Terminal fangen Händler sie ab, verkaufen ihnen vermeintlich billigere Fahrscheine. Vermeintlich, da die privaten Busse oft in einem erbärmlichen Zustand sind. Eine mangelhafte Klimaanlage aber ist ein kleines Übel gegen ein abruptes Ende der Reise, nicht am Ziel, sondern an der Stadtperipherie.

Allein am Busbahnhof in Hat Yai arbeiten mehr als ein Dutzend dieser fliegenden Händler. Davon wissen natürlich auch die Verantwortlichen vor Ort. Doch sie sind machtlos. Kommen nicht an gegen die illegal Operierenden. Denn hinter denen stehen – wohlgemerkt, seit 20 Jahren – Leute in Uniform. Aller Couleur. Die kräftig an den minderwertigen Bussen mitverdienen.

Warnen eifrige Mitarbeiter des Busbahnhofs die Reisenden auf Plakaten vor den unsicheren Betreibern, flattern ihnen Warnungen ins Büro. Staatliche Busfahrer werden drangsaliert. Die Polizei tut nichts. Selbst der Bürgermeister Hat Yais weist das Problem von sich; die Gemeinde habe damit nichts zu tun, da müsste die staatlichen Betreiber schon selbst gegen angehen. Doch die Mitarbeiter wollen so schnell nicht aufgeben. Die letzte Klageschrift ging an die Gewerkschaft der Busgesellschaft, in deren Vorstand Polizisten und selbst hohe Militärs sitzen. Die Belegschaft des Bahnhofs mag nicht mehr allein kämpfen. Und die Hoffnung stirbt immer zuletzt.