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Nahost

Dumm und undiplomatisch

Scharon bedauert öffentlich, dass er Arafat während des Libanonkrieges nicht töten ließ. Ein Kommentar von Peter Philipp.

Während des Libanonkrieges von 1982 habe es eine Abmachung gegeben, PLO-Führer Yasser Arafat nicht zu liquidieren, meint Israels Ministerpräsident Ariel Scharon in einem Interview mit der Tageszeitung "Ma'ariv", das am Freitag (1. Februar 2002) veröffentlicht wird. Und er fügt hinzu: "Grundsätzlich bedauere ich, dass wir ihn nicht liquidiert haben".

Scharon war damals Verteidigungsminister. Er war verantwortlich für den israelischen Vorstoß bis Beirut. Und wer ihn an jenem denkwürdigen Tag beobachten konnte, wie er vom Gebäude der Beiruter Elektrizitätsgesellschaft aus zusah, als Arafat und seine Getreuen an Bord zypriotischer Schiffe evakuiert wurden, der konnte Scharon anmerken, dass er sich um seinen letzten Triumph betrogen fühlte.

Fast zwanzig Jahre später stehen sich die beiden Männer wieder gegenüber. Beide haben zwar inzwischen politische Posten, aber Politiker sind nicht aus ihnen geworden: Scharon ist immer noch militärischer Draufgänger. Und Arafat hat nicht nur die Kaffia nicht abgelegt - das palästinensische Kopftuch -, sondern auch so manche Verhaltensform des Freischärlerführers nicht.

Und wieder belagert der eine den anderen: Scharon hat Arafat seit Dezember in Ramallah förmlich unter Hausarrest gestellt und Mitarbeiter des "Rais" argwöhnen seit Wochen, dass Scharon es auf das Leben ihres Führers abgesehen habe. Sie werden in den Worten Scharons die Bestätigung ihrer These sehen. Und auch die Welt sieht dies so und protestiert - mit Recht - gegen die Worte des israelischen Premiers.

Vor diesem Hintergrund klingt es zunächst recht zynisch, wenn die israelische Botschaft in Berlin in einer Pressemitteilung darauf hinweist, man solle vielleicht auch den Rest des Interviews lesen, da stünden doch auch noch ganz andere Dinge.

In der Tat: Schon in den wenigen Zeilen der Vorabmeldung des Interviews wird Scharon zitiert, Arafat werde wieder Verhandlungspartner, wenn er die erforderlichen Schritte im Kampf gegen Radikale unternehme. Und Scharon sagt weiter, dass es einen palästinensischen Staat geben werde und dass er bereit sei, für einen Frieden auf Teile des biblischen Landes Israel zu verzichten.

Nun sind auch diese Sätze nicht neu und sie müssen sicher mit Vorbehalten und allen nur denkbaren Einschränkungen verstanden werden. Sie zu ignorieren wäre aber falsch. Wie es falsch ist, die dumme und undiplomatische Bemerkung über die "verpasste Liquidierung" Arafats als überzeugenden Beweis für Scharons und Israels Haltung gegenüber den Palästinensern zu nehmen.

Der alternde Ex-General hat dabei sicher die Wahrheit gesagt. Er war ehrlich, immerhin. Aber er hat nicht gesagt, dass er Arafat auch heute noch liquidieren wolle, im Gegenteil: Er zeigt - vielleicht unbefriedigende, aber immerhin - Wege auf, wie Arafat ins politische Spiel zurückkehren könnte. Und machen wir uns nichts vor: Der alternde Ex-Terrorist in Ramallah bedauert sicher auch gelegentlich mal, dass es ihm und seinen Anhängern früher nicht gelungen ist, den einen oder anderen Israeli "aus dem Weg zu räumen". Scharon gehört sicher mit auf diese Liste.