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Wirtschaft

Duisenbergs Nachfolger

Seit Samstag (1.11.) ist Jean-Claude Trichet Präsident der Europäischen Zentralbank (EZB). DW-WORLD sprach mit Prof. Gerhard Fels, Direktor des Instituts der deutschen Wirtschaft, über diese Entscheidung.

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Jean-Claude Trichet: Meister der Kommunikation in eigener Sache

DW-WORLD: Der derzeitige EZB-Präsident Wim Duisenberg wird am 1. November 2003 vom französischen Notenbankgouverneur Jean-Claude Trichet abgelöst. Der war erst im Juni von Vorwürfen der Bilanzfälschung um die Bank Crédit Lyonnais freigesprochen worden. Ist die Ernennung Trichets eine richtige Entscheidung?

Gerhard Fels: Auf alle Fälle. Trichet ist bekannt als ein ausgezeichneter Stabilitätspolitiker, ist langjähriger Notenbanker und hat in zahlreichen internationalen Gremien mitgearbeitet. Es gibt in Europa kaum eine bessere Alternative für diese Position. Und was die Bilanzaffäre betrifft: Da ist er freigesprochen worden, und damit sollten die Vorwürfe endgültig beerdigt werden – sonst können wir uns Gerichtsverfahren in Zukunft schenken.

Am 6. November wird Trichet erstmals auf einer Pressekonferenz die für diesen Termin anberaumten Beschlüsse erläutern. EZB-Beobachter erwarten die Bestätigung des derzeitigen Leitzinsniveaus von zwei Prozent. Welche Geldpolitik erwarten Sie von Trichet? Ganz einfach: Eine Fortsetzung der stabilitätsorientierten Politik der EZB. Dabei hat er sogar mehr Freiheitsgrade. Nachdem sich die EZB in den vergangenen Jahren einen Ruf als konsequenter Stabilitätsverfechter erworben hat, wird nun nicht mehr jede geldpolitische Entscheidung auf die Goldwaage gelegt.

Was unterscheidet Trichet im wesentlichen von Duisenberg?

Trichet ist ein Meister der Kommunikation. Sein Stil wird daher anders sein als der Duisenbergs. Etwas offener, ja auch von angelsächsischem Denken geprägt.

Duisenberg, hat am 23. Oktober in Frankfurt am Main seine letzte EZB-Ratssitzung geleitet. Wie bewerten Sie rückblickend die Arbeit des Niederländers?

In der Anfangszeit hat es die eine oder andere Irritation im Umgang mit Medien und Märkten gegeben. Doch hat Duisenberg diese Phase schnell überwunden. Sein bleibender großer Verdienst ist, die EZB rasch aufgebaut und als kraftvollen geldpolitischen Akteur etabliert zu haben. Die Europäische Notenbank ist heute eine feste und verlässliche Institution in der Welt von Wirtschaft und Währung.

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