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Wirtschaft

Duisburger Hafen: Drehkreuz für Importkohle

Der größte Binnenhafen der Welt macht sich fit für die Zukunft. Duisburg inmitten des Ruhrgebiets soll zum größten Umschlagplatz für Importkohle in Deutschland werden.

Verladen von Kohle im Duisburger Hafen

Der Hafen ist Handels- und Verkehrsdrehscheibe

In Deutschland läuft die Förderung von heimischer Steinkohle bis zum Jahr 2018 aus. Sie ist zu teuer. Steinkohle wird aber in Deutschland nicht knapp werden. Dafür sorgt auch die Hafengesellschaft in Duisburg. Zusammen mit DB Schenker, einem Tochterunternehmen der Deutschen Bahn, soll die Kapazität für das Massengut Steinkohle in den nächsten Jahren verdoppelt werden. Das hat der Vorstandsvorsitzende der Duisburger Hafen AG, Erich Staake, jetzt angekündigt.

Energieträger sorgen für Wachstum

Zu sehen ist der Vorstandsvorsitzende der Duisburger Hafen AG Erich Staake (Foto: duisport)

Der Chef des Duisburger Hafens, Erich Staake

Heute laufen allein für deutsche Kohlekraftwerke rund sechs Millionen Tonnen Importkohle im Jahr über Duisburg. Nach der Erweiterung wird der Hafen an der Mündung der Ruhr in den Rhein der zentrale Platz für die Lagerung und Verteilung importierter Steinkohle in Deutschland sein. Sie kommt vorwiegend aus Australien, Südafrika und Südamerika und gelangt über den Seehafen Rotterdam in den Binnenhafen Duisburg. Von dort wird sie auf die Kraftwerke verteilt. Weitere Wachstumsmöglichkeiten für den Hafen, sieht Staake im Umschlag von Biomasse aller Art, zum Beispiel Holzschnitzel, mit denen Strom aus erneuerbaren Energieträgern gewonnen werden kann. Das sei das Geschäft der Zukunft, meint Staake. Die Hafengesellschaft bereite sich darauf vor.

Schwere Lasttransporte werden ersetzt

Im Februar wurde eine neue Anlage in Betrieb genommen, mit der schwere Maschinen und andere Großbauteile auf flussgängige Seeschiffe verladen werden können. Dieser "Heavy Lift Terminal" gehört einer Gesellschaft, die die Hafen AG zusammen mit anderen Unternehmen gegründet hat. Sie besorgt nicht nur den Transport, sondern hat auch eigene Eisenbahnwaggons für solche Riesenstücke mit Gewichten von hundert Tonnen und mehr entwickelt. Damit werden nächtliche Schwerlasttransporte über Straßen ersetzt.

Containerschiff im Duisburger Hafen (Foto: duisport)

Fracht für die ganze Welt

Gut angelaufen ist auch die Verpackung von Maschinen, die die Hafengruppe seit drei Jahren betreibt. Duisburg Packing Logistics (DPL) gehört inzwischen zu den Marktführern in Deutschland und hat im vergangenen Jahr eine neue Halle mit 5.000 Quadratmetern im Hafen errichtet, in der Industrieanlagen für den Transport nach Übersee vorbereitet und verpackt werden: Zum Beispiel ein 65 Meter hoher Förderturm für ein Nickelbergwerk in Sibirien, der in mehr als 250 Containern nach Norilsk verfrachtet wurde. Seit zwei Jahren gibt es auch eine Zweigstelle von DPL in Shanghai, wo viele große deutsche Unternehmen mit Niederlassungen vertreten sind.

Containerterminal im Irak

Das gesammelte Logistikwissen setzen die Duisburger Experten seit dem vergangenen Jahr auch in einer Beratungsgesellschaft ein, die international arbeitet. Als erstes Projekt konnte ein Containerterminal in der südirakischen Stadt Umm Quasar wieder in Betrieb genommen werden. Im Mai unterzeichneten Staake und der brasilianische Hafenminister Pedro Brito eine Absichtserklärung, in der die Hafengesellschaft um Hilfe beim Ausbau der brasilianischen Hafen- und Verkehrsinfrastruktur gebeten wird. Dabei geht es unter anderem darum, den Hafen Porto des Santos zu erweitern, der 60 Kilometer südlich von Sao Paulo liegt und der schon jetzt der größte Hafen Lateinamerikas ist. Insgesamt sollen 34 brasilianische Küstenhäfen instand gesetzt und per Bahn und Schiff mit dem Hinterland verbunden werden. Ein Teil der Exporte, die Brasilien darüber abwickelt, werde künftig auch nach Duisburg kommen, hofft Staake.

Ständiges Werben um neue Kunden

Zug und Gabelstapler im Hafen bei Nacht (Foto: duisport)

Millionen Tonnen Frachtgut werden jährlich umgeschlagen

Von allein komme allerdings niemand, weiß er. Deshalb kümmert er sich ständig um neue Kundschaft. So hat er geholfen, den Transport von Aluminium aus Abu Dhabi nach Duisburg zu organisieren. Von dort aus wird das Material in Deutschland verteilt, unter anderem mit der eigenen Bahngesellschaft des Hafens. Duisburg ist auch der Ausgangspunkt für einen regelmäßig verkehrenden Containerzug nach Moskau, der von der russischen und der deutschen Bahn organisiert wird. In normalen Jahren werden im Duisburger Hafen rund 100 Millionen Tonnen Güter umgeschlagen. Wegen der Krise gab es im letzten Jahr einen scharfen Rückgang. Stillgelegte Hochöfen und Kraftwerke ließen den Umschlag von Kohle und Stahl um jeweils 40 Prozent sinken, berichtet Staake. Im Containerverkehr und beim Umschlag von Mineralöl und Produkten der Chemie seien es aber nur drei Prozent gewesen.

Der Hafen packt die Krise weg

Für dieses Jahr ist der Hafenchef optimistisch. Das Transportgewerbe sei ein Frühindikator für die Konjunktur - und in den ersten fünf Monaten sei der Containerverkehr um 30 Prozent gewachsen. Das Geschäft habe sich wieder deutlich belebt. Das ist wichtig für die Auslastung: Denn in den letzten zehn Jahren ist der Duisburger Hafen durch zwei neue Ausbauprojekte erheblich gewachsen. So wurde unter anderem auf dem Gelände eines ehemaligen Stahlwerks ein neues Logistikzentrum errichtet. Die Zahl der Beschäftigten im Hafengebiet verdoppelte sich einschließlich der angesiedelten Unternehmen auf rund 40.000. Inzwischen sei der Hafen an seine Kapazitätsgrenze gekommen, sagt Staake. Deshalb will er nun einen früher stillgelegten Hafenbereich mit 30 Millionen Euro Investitionen wieder zum Leben erwecken. 2012 sollen dort die ersten Güter umgeschlagen werden.

Autor: Wolfgang Koch

Redaktion: Monika Lohmüller