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Sport

Duell unter dem Eis

Verkehrte Welt: Nicht über, sondern unter dem Eis wird hier Eishockey gespielt. Bei der Unter-Eis-WM in Österreich jagen vier Freitaucher einem Puck hinterher – und das ohne Sauerstoffflaschen.

Es sieht etwas merkwürdig aus, was sich dort im Weißensee in Kärnten abspielt. Zwei Taucher treffen auf zwei andere Taucher und spielen mit dem Kopf nach unten Eishockey – und zwar unter einer zentimeterdicken, zugefrorenen Schicht. Die unter Unter-Eis-WM, die dieser Tage im Weißensee stattfindet, dürfte demnach nur etwas für ganz coole Typen sein.

"Meine Frau sagt: Ich bin verrückt"

Uwe Kiehl heißt einer dieser Extrem-Taucher, der gemeinsam mit seinem Teampartner Thomas Jurkschat für Deutschland bei der skurilen WM antritt. "Eine irre Sache ist das", gesteht Kiehl, "meine Frau hat mir schon klargemacht, dass ich verrückt bin." Dabei war die Teilnahme für den 57-Jährigen und seinen Teamkollegen Jurkschat vor allem auch eine unverhoffte Gelegenheit: Die Freitaucher wurden gefragt, ob sie mitmachen wollten – und dann sofort zum Team Germany ernannt. "Wir kannten uns davor gar nicht", sagt Kiehl. Ein wirklich globaler Sport ist Unter-Eis-Eishockey – wen wundert's? – übrigens nicht: Ganze vier Länder gehen bei der WM an den Start.

Unterwasser-Eishockey: Freitaucher von Österreich und der Slowakei spielen während der ersten Eishockey unter Eis-Weltmeisterschaft in Kärnten am Weissensee in Österreich gegeneinander Foto: Manfred Dorner/dpa

Nur für die ganz Harten: Zwei Grad Wassertemperatur, keine Sauerstoffflaschen und dann auch Eishockey

Mit Hockeyschlägern in der Hand und Neoprenanzügen am Körper springen die Extremtaucher ins kühle Nass. Sechs mal neun Meter ist das Spielfeld unter Wasser groß, die beiden Tore an jedem Ende sind im Eis festgeschraubt, es herrscht relative Dunkelheit. Wie beim Eishockey muss der Puck mit dem Schläger ins gegnerische Gehäuse manövriert werden. Nur, dass ein Team hier lediglich aus zwei Männern besteht. Der Puck bleibt übrigens deshalb oben an der Eisdecke, weil er aus Styropor ist. Kopfüber jagen ihm die Spieler hinterher.

Wer kann länger die Luft anhalten?

Damit nicht genug: Bei zwei Grad Wassertemperatur müssen die Taucher ohne Sauerstoffflaschen auskommen – sie müssen die Luft anhalten. "Bedenkt man den Kraftaufwand, schaffe ich das 30 Sekunden lang", sagt Kiehl. Geht nichts mehr, können sie durch zwei Löcher im Eis auftauchen, einatmen und sich wieder in den Kampf um den Puck stürzen. Das Spiel läuft währenddessen weiter. Die Taktik? "Ich denke, wir wechseln uns ab. Einer holt Luft, der andere bleibt unten", meint Kiehl. Eins scheint sicher: Kräftezehrende Raufereien wird es bei dieser Eishockey-Variante nicht geben.