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Kultur

Duell der Medien-Mächtigen

Zwischen dem Springer Verlag und der Kirch-Gruppe ist ein Krieg um den Verkauf von Anteilen an der ProSiebenSat.1 AG entbrannt. Springer will diese loswerden – Kirch möchte aber keine dreiviertel Milliarde Euro zahlen.

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Verschuldeter Medienmogul: Leo Kirch

Die Summe könnte den Münchner Filmrechtehändler an den Rand des Bankrotts treiben. Deshalb wird die Kirch-Gruppe rechtliche Schritte gegen die Ausübung der Option zum Verkauf von Anteilen durch das Verlagshaus einleiten. Dies kündigte jetzt der Münchener Konzern an, der mit rund sechs Milliarden Euro verschuldet ist. Springer gibt sich unbesorgt. Eine juristische Anfechtung werde nach Meinung des Hauses keinen Bestand haben.

Wert der Anteile drastisch gesunken

Der einst vereinbarte Preis für den 11,5-Prozent-Anteil beträgt 770 Millionen Euro – ein Vielfaches des aktuellen Börsenwertes. Nach dem Einbruch der Medienaktien wegen der anhaltenden Werbeflaute ist der Anteil heute nur noch rund 110 Millionen Euro wert.

Der Springer-Verlag ist seit der Fusion der Sender Sat.1 und ProSieben im Sommer 2000 an der fusionierten Sendergruppe beteiligt Die Kirch-Gruppe ist ihrerseits mit 40 Prozent an Springer beteiligt. Das vom Hamburger Verleger Axel Springer 1946 gegründete Unternehmen ist eines der bedeutendsten europäischen Medienimperien. Der Verlag hatte 2001 zum ersten Mal in seiner 50-jährigen Geschichte Verluste verbucht. Das Haus ist aus wirtschaftlichen gezwungen zu handeln. Eine Springer-Sprecherin sagte: "Es gibt keine Alternative – der Vorstand hatte keine Wahl". Nach Bekanntgabe der Springer-Entscheidung sackte der Kurs der Pro7Sat1-Aktie um weitere acht Prozent ab.

Das Hickhack geht weiter

Die Kirch-Gruppe bleibt dabei: Sie hält die Ausübung der Option für nicht wirksam. Bei der notariellen Beurkundung seien auf Wunsch des Hamburger Verlagshauses "wesentliche Vertragselemente nicht geregelt worden", begründete der Medienkonzern seine Auffassung. Springers Antwort auf diese Einwände: Typische Taschenspielertricks.

In wochenlangen Verhandlungen mit Kirch habe man eine Lösung zu finden versucht. Bis spät in die Nacht saß man zusammen – erfolglos. Kirch hatte dem Verlag angeboten, einen Teil des Kaufpreises für die Option in bar und den Rest mit Anteilen an der KirchMedia AG zu zahlen. Dem Springer-Chef Mathias Döpfner ist das zu riskant gewesen. Angesichts der riesigen Schuldenlast, die auf dem Kirchimperium lastet, ist schließlich fraglich, ob der Börsengang der Kirch Media AG je stattfinden wird. Kirch ist mit 52 Prozent an ProSiebenSat.1 beteiligt und will seine Rechtehandels- und Produktions-Tochter KirchMedia AG im Juni mit der Sendergruppe fusionieren.

Obwohl Springer unnachgiebig auf der Ausübung der Option besteht, werden die Gespräche fortgesetzt. Die Alternativen, die Kirch bisher angeboten habe, seien wirtschaftlich, juristisch und kaufmännisch nicht vertretbar gewesen, hieß es aus Kreisen des Hamburger Verlags.

Beide Seiten siegessicher

Branchenkreisen zufolge wurde die Ankündigung nun folgender rechtlicher Schritte durch Kirch bei Springer gelassen gesehen. Der Verlag fühle sich nach umfangreichen Prüfungen juristisch auf der sicheren Seite und berufe sich auf seinen gültigen Vertrag, hieß es. Auf der anderen Seite wird in Branchenkreisen Kirchs finanzielle Situation als undramatisch bewertet. Die finanzielle Lage sei nicht einfach, aber auch nicht so schlecht wie kolportiert. "Bei Kirch ist man entspannt", hieß es. Springer habe zwar signalisiert, dass es ihm mit der Ausübung der Option ernst sei - "die Tür ist aber noch nicht vollständig zugeschlagen."

Im Dezember sah sich der Medienkonzern schon einmal akut bedroht, als die Dresdner Bank einen Kredit über 460 Millionen Euro zunächst nicht verlängern wollte, schließlich aber einen Aufschub bis April bewilligte. Kirch hat sein Imperium seit den 50er Jahren schon mehrfach an den Rand des Ruins manövriert. Bisher hat er sich immer als Meister der Verhandlungen und Umschuldungen erwiesen und seinen Konzern aus auswegslosen Situationen hinaus manövriert. Doch diesmal sieht die Zukunft düster aus. Ein weiteres Problem kommt nämlich in diesem Jahr auf Kirch zu: Wenn sein Abo-Sender Premiere World im Otober nicht deutlich mehr Abonnenten zählt, kann der Medientycoon Rupert Murdoch seine Beteiligung von knapp 22 Prozent für etwa 1,8 Milliarden Euro an Kirch zurückgeben. Der Abosender blieb im vergangenen Jahr deutlich hinter den Erwartungen zurück und schrieb nach Unternehmensangaben mehr als eine halbe Milliarde Euro Verlust. (fro)

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