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Kultur

Dubiose Geschäfte bei der Vatikanbank?

Geldwäsche, Indiskretion - oder war Ettore Gotti Tedeschi dem Vatikan einfach zu unbequem? Der Vatikan hält sich über die Gründe bedeckt. Fakt ist: Der Chef der Vatikanbank muss seinen Hut nehmen.

Istituto per le Opere di Religione, zu Deutsch: Institut für die religiösen Werke. Kaum zu glauben, dass sich hinter diesem Begriff eine Bank verbirgt. Es ist die Bank des Vatikans, des Sitzes der römisch-katholischen Kirche. Die Geschichte ihrer Vorläufer geht bis ins 19. Jahrhundert zurück, in ihrer heutigen Form und unter ihrem heutigen Namen firmiert sie seit 1942.

Die dicken Mauern des IOR-Gebäudes im Vatikan (Bild: AP)

Unüberwindbare Mauern, keine Transparenz: die Vatikanbank

Immer wieder in den letzten Jahrzehnten musste sich die sogenannte Vatikanbank gefallen lassen, dass man ihr die Verwicklung in unsaubere Geschäfte nachsagte. Ein neuer Tiefpunkt ist nun der Rücktritt ihres Chefs Ettore Gotti Tedeschi.

Gotti Tedeschi habe trotz wiederholter Mahnungen "bestimmte Aufgaben von vordringlicher Wichtigkeit nicht ausgeführt", ließ der Vatikan wissen. Details wurden nicht genannt. Und so schießen nun die Spekulationen ins Kraut, was denn der wahre Grund für die Demission gewesen sein könnte. Einige italienische Medien mutmaßen einen Zusammenhang mit dem sogenannten Vatileaks-Skandal. Vertrauliche Dokumente waren an Medien weitergegeben worden, auch über das Finanzgebaren des Vatikans. Aber auch ältere Ermittlungen gegen den Vatikanbank-Chef wegen Verstoßes gegen die Anti-Geldwäsche-Standards könnten eine Rolle gespielt haben, selbst wenn diese wieder eingestellt wurden.

Eine der untransparentesten Banken der Welt

"Das ist eine ganz spezielle Bank. Eine Bank, die Milliarden verwaltet, auch Immobilien", sagt Prof. Wolfgang Gehrke, Bankenexperte und Präsident des Bayerischen Finanz-Zentrums im Gespräch mit der Deutschen Welle. "Eine Bank, die für den Vatikan in den Finanzmärkten aktiv ist und die sich dadurch auszeichnet, dass sie wahrscheinlich eine der untransparentesten Banken der Welt ist. Und es ist natürlich klar: Wenn jemand so untransparent ist, muss er sich auch gefallen lassen, dass über ihn alle möglichen Gerüchte im Markt sind."

Papst Johannes Paul II. neben Italiens ehemaligem Ministepräsidenten Giulio Andreotti

Geheimkonto in der Vatikanbank. Warum nicht? Italiens Premier Giulio Andreotti und Papst Johannes Paul II. 1995

Mit den finanziellen Machenschaften der Vatikanbank hat sich auch der italienische Enthüllungsjournalist Gianluigi Nuzzi eingehend befasst. In seinem Buch "Vatikan AG" schreibt er von Einflussnahme durch die Vatikanbank auf die Politik, von Geldwäsche, von mutmaßlichen Mordbeteiligungen und von Verstrickungen in Mafia-Geschäfte. Auch der ehemalige Ministerpräsident Giulio Andreotti, der Verbindungen zur Mafia gehabt haben soll, hatte nach Nuzzis Recherchen ein Geheimkonto bei der Vatikanbank - mit Umsätzen von insgesamt mehr als 60 Millionen Euro.

War der "Aufräumer" zu gründlich?

"Aus Liebe zum Papst" will sich Ettore Gotti Tedeschi, dem bislang der Ruf eines kompetenten und aufrichtigen Bankers vorausgeeilt war, nicht zu den Vorwürfen durch den Vatikan-Aufsrichtsrat äußern. "Besser, ich schweige, sonst würde ich böse Worte sagen", diktierte er der italienischen Nachrichtenagentur Ansa in den Block. Er war 2009 als Aufräumer geholt worden, nachdem er zuvor für die spanische Santander-Bank tätig gewesen war. Ob nun Gotti-Tedeschi etwas zu viel aufgeräumt hat und damit unbequem oder sogar gefährlich geworden ist, auch darüber mag man nun spekulieren. "Die finanziellen Machenschaften des Vatikans, die ich in meinem Buch behandle", sagte Autor Nuzzi vor zwei Jahren der Hilpoltsteiner Zeitung, "haben sich noch vor der Zeit des jetzigen Papstes ereignet. Dennoch gibt es eine Gemeinsamkeit zwischen allen Repräsentanten der katholischen Kirche, an der Benedikt XVI. festhält: Der Mantel des Schweigens wird über alles gelegt. Damit einher gehen Erpressungen, Korruption und Geldwäsche."

Papst Benedikt XVI. zelebriert eine Messe (Bild: dapd)

Benedikt XVI. fordert mehr Transparenz von seiner Bank

Dass eine gewisse Tendenz zum Besseren zu erkennen ist, bestätigt auch Bankenexperte Gehrke: "Der Papst hat dafür gesorgt, dass die Bank bereit ist - was sie früher nicht gemacht hat - sich europäischen Transparenzstandards zu unterwerfen. Aber so ganz scheint das nicht zu funktionieren. Wir wissen alle nicht so genau, wie in dieser Bank gearbeitet wird, ob nicht vielleicht doch Geldwäsche dort stattgefunden hat." Zu den wenigen, die das wissen, gehört der jetzt kalt gestellte Ettore Gotti Tedeschi. Und auch die Aufsichtsräte der Vatikanbank. Darunter sind, wie Gehrke weiß, Kurienvertreter, die "durchaus über Kapitalmarkterfahrung verfügen".

Vatileaks-Verdächtiger festgenommen

Ein Verdächtiger im Zusammenhang mit dem Vatileaks-Skandal ist übrigens inzwischen festgenommen worden. Das Internetportal ilfoglio.it und die Nachrichtenagentur Ansa berichten von einem Kammerdiener des Papstes, der seit 2006 im Vatikan arbeitet und vertrauliche Informationen weitergegeben haben soll. Die Ermittlungen werden von der Vatikan-Gendarmerie geführt. Es ist anzunehmen, dass der Vatikan alles dafür tun wird, dass keine weiteren Interna an die Medien gelangen werden, so wie durch Monsignore Renato Dardozzi (1922 bis 2003), einen der engsten Mitarbeiter von Papst Johannes Paul II., der seine Erben beauftragte, seine gesammelten Informationen über die Finanzangelegenheiten des Vatikans zu veröffentlichen - Informationen, die die Grundlage für Gianluigis Buch "Vatikan AG" bildeten.

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