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Nahost

Dubai-Turm wird eröffnet

160 Stockwerke, mehr als 800 Meter hoch: An diesem Montag wird in Dubai das höchste Gebäude der Welt eröffnet. Der große Jubel dürfte ausbleiben: Eigentlich kann sich das Emirat solche Megaprojekte nicht mehr leisten.

Burj Dubai (Foto: Rabbo)

Ist der Burj Dubai das vorerst letzte Megaprojekt der bauwütigen Scheichs?

Das wichtigste Detail hat der Staatschef bis zum Schluss geheim gehalten: Die genaue Höhe des Burj Dubai (Turm von Dubai) will Scheich Mohammed bin Raschid al-Maktum erst bei der offiziellen Einweihung preisgeben. Sie wird aber sicher über 800 Meter betragen. Mit mehr als 160 nutzbaren Stockwerken ist der Luxustempel aus Stahl und Glas das höchste von Menschen bewohnte Gebäude der Welt.

Für die Scheichs im Wüstenstaat ist die Einweihung des Turms von Dubai nach den Katastrophenmeldungen der letzten Wochen von Kreditkrise und Überschuldung eine willkommene Gelegenheit, sich selbst zu feiern. Und so frohlockt denn auch die Burj-Dubai-Website, der Turm sei "Kunstwerk", "Emblem" und "Heim für die Elite der Welt". Der Chef der ausführenden Baufirma Emaar, Mohammed al-Abbar, schwärmt gar: "Im Burj Dubai erblicken wir den Triumph der Vision Dubais, das scheinbare Unmögliche zu schaffen und neue Limits zu setzen."

Burj Dubai (Foto: AP)

Eine 'vertikale Stadt' für 12.000 Einwohner haben die Scheichs in den Wüstensand gebaut

Mode-Hotel von Giorgio Armani inklusive

Entworfen hat dieses Haus der Superlative der Architekt Adrian Smith aus Chicago. Seine Konstruktion rankt sich auf einem Y-Grundriss, der an die Konturen einer Wüstenlilie erinnern soll, in schwindelerregende Höhen. Nach oben hin verjüngt sich der Turm spiralförmig. Entfernt ähnelt er dem biblischen Turm von Babel, wie man ihn aus bildlichen Darstellungen kennt - nur, dass er neunmal höher ist, der biblische Turm soll bescheidene 90 Meter hoch gewesen sein.

Mit umgerechnet mehr als drei Milliarden Euro haben Emaar und Smith eine Art "vertikale Stadt" für 12.000 Bewohner geschaffen. Luxus-Residenzen, Edel-Büros, Nobel-Restaurants und das erste Hotel, das der italienische Couturier Giorgio Armani gestaltet hat, verhelfen den Superreichen zu einer neuen Prestige-Adresse auf dem Globus.

Bis zu drei Millionen Euro werden für ein Appartement im Burj Dubai bezahlt. Die weniger Betuchten können die offen zugänglichen Bereiche des Turms besuchen. Dazu gehört die Aussichtsplattform im 124. Stock - die höchst gelegene der Welt. Mehr als 30 deutsche Unternehmen waren am Bau beteiligt. Die Tiefbauarbeiten erledigte die Firma Bauer aus dem bayerischen Schrobenhausen, das baden-württembergische Unternehmen Meva entwickelte ein Schalungssystem für Betondecken, und die Firma Lopark aus Nordrhein-Westfalen lieferte 95.000 Quadratmeter Parkett aus deutscher Eiche.

Ökologisches Bauen - doch nicht in Dubai

Energieverbrauch, ökologisches Bauen - das spielt bei den bauwütigen Golfscheichs meist eine untergeordnete Rolle. So auch beim höchsten Turm der Welt. "Paradebeispiel fröhlicher Ressourcenverschwendung" nennt das Wirtschaftsmagazin "brand eins" den Burj Dubai. Tatsächlich hinterlässt er einen gewaltigen ökologischen Fußabdruck. Wenn etwa im Sommer die Außentemperaturen auf 50 Grad klettern, werden die Kühlsysteme stündlich eine Energiemenge verbrauchen, mit der man 10.000 Tonnen Eis kühlen könnte.

Dubais Herrscher Mohammed bin Rashid al-Maktum (Foto: AP)

Bis zuletzt hat Dubais Herrscher die genaue Höhe des Turms geheim gehalten

Doch das Golfemirat, das zuletzt von der Finanzkrise übel gebeutelt wurde, zelebriert mit der Einweihung am Montag (04.01.2010) noch einmal genussvoll jene Exzentrik, die zum Markenzeichen der Geld- und Handelsmetropole geworden ist. Noch wird in der Illusion der Grenzen- und Schrankenlosigkeit geschwelgt, die es den Scheichs ermöglichte, vor der Küste Insel-Archipele in Palmenform aufzuschütten oder eine künstlich gekühlte Skipiste in die Wüste zu stellen.

Das letzte Megaprojekt?

Wohl ein letztes Mal für lange Zeit wird Scheich Mohammed, der in seiner Freizeit gern dichtet, twittert und Pferde züchtet, ein Monument seines unbändigen Gestaltungswillens einweihen. Denn Ende November wurde publik, dass Dubai auf Schulden in Höhe von mehr als 50 Milliarden Euro sitzt. Der Burj Dubai war zu diesem Zeitpunkt schon fast fertig. Zahlreiche andere Prestige-Bauprojekte mussten aber auf Eis gelegt werden. Vor der Baustelle des Turms steht ein Plakat mit der Aufschrift: "Hier wächst Geschichte." Dass der Rekordbau zum letzten Zeugnis des historischen Booms von Dubai werden könnte, war damit wohl nicht gemeint.

Autor: Manfred Götzke (dpa,afp)

Redaktion: Michael Wehling

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