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Bildung

Duales Studium: Zwei Fliegen mit einer Klappe

Nur studieren ist zu theoretisch? Wer so denkt, für den ist ein duales Studium eine gute Alternative. Berufsausbildung und Hochschulstudium sind eng verzahnt, und zur Belohnung gibt’s zwei Abschlüsse auf einmal.

Symbolbild duales Ausbildungssystem (Grafik und Montage: DW)

Perfekte Mischung aus Studium und Berufsausbildung

Viel Freizeit hatte Sebastian Budnik in den letzten sechs Semestern nicht. Wenn andere Studenten Semesterferien haben, arbeitet der 25-Jährige bei der REWE Group, einer Unternehmensgruppe, die vor allem im Lebensmittelhandel und der Touristiksparte aktiv ist. Sebastian Budnik macht das nicht, um sich sein Studium zu finanzieren. Er absolviert eine Ausbildung zum Groß- und Außenhandelskaufmann – im Rahmen seines Studiums. Wenn er fertig ist, bekommt er gleich zwei Urkunden: den Bachelor-Abschluss und den Abschluss als Groß- und Außenhandelskaufmann.

Denn Sebastian Budnik hat sich für ein duales Studium entschieden. An der Europäischen Fachhochschule (EUFH) in Brühl bei Bonn studiert er Handelsmanagement, und wenn er nicht gerade in einer Vorlesung sitzt, arbeitet er im Unternehmen. "Für mich ist das die perfekte Mischung aus Studium und Berufspraxis", sagt Sebastian Budnik. "Ich bekomme in kurzer Zeit viel Wissen vermittelt und kann das direkt anwenden."

12,5 Prozent mehr duale Studiengänge

Straßenschild mit den Worten Theorie und Praxis (Foto: fotalia)

Allein an Fachhochschulen gibt es in Deutschland gegenwärtig mehr als 300 duale Studiengänge - Tendenz steigend. Zwischen 2009 und 2010 ist das Angebot an dualen Studiengängen um 12,5 Prozent gestiegen. Ein Grund dafür dürfte der Einstieg in den Beruf sein: Wer einen dualen Abschluss in der Tasche hat, wird in der Regel vom Unternehmen übernommen. Ein Studium mit Karrieregarantie.

Ein "Erfolgsmodell" nennt auch Jochen Goeser vom Bundesinstitut für Berufsbildung (BIBB) das duale Studium. "Es ist vor allem der leichte Einstieg in die Karriere, der das duale Modell für die Studierenden so attraktiv macht", sagt Goeser. Aber auch die guten Studienbedingungen und der hohe Praxisanteil seien attraktiv. Für das BIBB untersucht Jochen Goeser derzeit, wie viel Prozent aller dualen Absolventen direkt nach dem Abschluss vom Ausbildungsunternehmen übernommen werden.

Für Unternehmen rechnet sich das duale Studium

Eine Kundin mit einer Plastiktragetasche mit dem REWE-Logo (Foto: dpa)

REWE ist Partnerunternehmen in dualen Studiengängen.

Aber auch aus Arbeitgebersicht rechne sich das duale Studium, sagt Martina Jalloh, Leiterin des Bereichs Ausbildung und Dualstudium bei der REWE Group. "Wir profitieren davon, weil wir die jungen Leute an uns binden", so Jalloh. Denn duale Absolventen bewerben sich in der Regel noch vor dem Studienstart bei einem Unternehmen ihrer Wahl, mit dem sie einen Ausbildungsvertrag abschließen. Erst dann schreiben sie sich bei der Hochschule ein, die mit dem Unternehmen kooperiert. Auf einen Ausbildungsplatz kommen dabei im Schnitt 50 Bewerber. In Einzelfällen haben besonders gefragte Unternehmen über 1000 Bewerbungen auf ihrem Schreibtisch liegen.

Duales Studium hat nicht nur Vorteile

Diese enge Bindung der Studenten ans Unternehmen bringe jedoch nicht nur Vorteile, sagt Jochen Goeser vom BIBB. Bei der Themenwahl für die Bachelorarbeit etwa sei manch ein dualer Student längst nicht so frei wie seine Kommilitonen, die klassisch studieren. Ob man das der Karriere zuliebe in Kauf nehme, sei letztlich eine Sache der persönlichen Abwägung, so Goeser.

Sebastian Budnik jedenfalls ist auch nach sechs Semestern noch sehr zufrieden mit seiner Entscheidung. Erst vor ein paar Wochen ist er aus Istanbul zurückgekommen, wo er das an der EUFH obligatorische Auslandssemester verbracht hat. Wie seine berufliche Zukunft aussehen soll, weiß der ehrgeizige Student schon jetzt genau: "Ich möchte auf jeden Fall eine Führungsposition übernehmen, am liebsten natürlich bei meinem jetzigen Arbeitgeber."


Autorinnen: Nina Treude / Svenja Üing
Redaktion: Gaby Reucher