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Kultur

Du und dein Netzwerk

Nie mehr allein. Nie mehr erfolglos. Es hilft das "Netzwerk". Knüpfen Sie neue Kontakte und optimieren Sie Ihr Leben. "Beziehungen schaden nur dem, der keine hat", sagt Professor Scheler. Marcus Bösch hat ihn getestet.

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Lasst uns "netzwerken"

Professor Dr. Uwe Scheler wollte mir helfen. Natürlich hatte ich auch Bekannte - Freunde gar und nette Nachbarn. Doch diesmal ging es nicht um dies und jenes, diesmal ging es ums Ganze: Erfolg, Macht und Einfluss - kurz: meine ganz persönliche Zukunft. "Du brauchst ein Netzwerk!" hatte man mir zugeraunt: "Arbeite an deinen Networking-Skills!" So stieß ich auf Professor Scheler, kaufte sein Buch "Erfolgsfaktor Networking" und begann, mein ganz privates Netzwerk zu knüpfen. Ich lernte "networken".

Die Netzwerk-Gesellschaft

Nur schwerlich konnte man in den vergangenen Monaten dem ominösen Begriff Netzwerk-Gesellschaft entgehen. Seit geraumer Zeit scheint die Welt nur noch aus Netzwerken zu bestehen. Jeder hat inzwischen ein eigenes: Die Globalisierungskritiker haben eins, der Mittelstand hat mehrere und Frauen, die haben auch welche. Früher gab es Vereine oder "Vitamin B". Heute wird "genetworkt". Das hört sich gleich viel flotter an - nach Zukunft und postmodernem Zeitalter. Soziologen wollen gar eine ganze "Netzwerk-Gesellschaft" entdeckt haben. Was Networking jetzt eigentlich genau ist?

Uwe Scheler

Uwe Scheler, "Erfolgsfaktor Networking"

"Networking ist die methodische und systematische Pflege eines Kontaktnetzes, von dem man privat wie beruflich profitieren kann", erklärt Professor Scheler, Buchautor, Fachhochschuldozent und Privat-Coach. "Beziehung schaden nur dem, der keine hat", formuliert er munter weiter und hilft "Networking"-Anfängern auf die Sprünge. Individuelle und psychologische Faktoren gilt es zu klären; ein schönes Adressbuch sollte man sich kaufen. Und dann kann es auch schon losgehen. Nun werden Kontakte geknüpft, gepflegt und gehegt. Am besten ruft man gleich mal jemanden an.

Alles great? Alles fun?

Was vor allem bei unseren amerikanischen Nachbarn im Berufsleben schon lange als selbstverständlich gilt, treibt in deutschen Landen inzwischen skurrile Blüten.
Jungunternehmer, Business-People und Freiberufler treffen sich bei so genannten Visitenkartenparties. Bei "Kontakt- und Kennenlernspielen" gilt es, möglichst viele Visitenkarten unters Volk zu bringen. "Die Leute haben gemerkt, dass man in Zeiten der Wirtschaftskrise nur noch über persönliche Kontakte weiterkommt", erklärt eine Veranstalterin. Und das ist erst der Anfang. Denn schließlich gilt es, auch den privaten Umgang zu optimieren.

Networking: Welcome Jonathan

http://www.friendster.com

Was im Beruf wirkt, kann im Privaten nicht schaden, mögen sich beispielsweise die fünf Millionen User der Internetseite "Friendster.com" denken. Statt illegalerweise Musikdateien zu tauschen, vermitteln sich hier Freunde und Bekannte gegenseitig und ganz legal dazu. Alles scheint hier "Great" zu sein, alles scheint unglaublich viel "Fun" zu bereiten, glaubt man den Einträgen der User. Doch augenscheinlich nutzt der gemeine Friendster-Fan das Netzwerk vor allem, um sich und seinen möglichst immensen Freundeskreis zur Schau zu stellen - und um ein bisschen damit anzugeben.

Nein danke!

Auf der Strecke bleiben bei "Friendster.com" bisweilen echtes Interesse am Kontakt und Austausch. Den Plan tüchtig zu "networken", habe ich nach ersten kläglichen Versuchen fürs erste sowieso verworfen. Der Grund? Ein Blick in das Gesicht von Professor Scheler. Wieso nur schaut ein Mann mit einem - nach eigenen Angaben - sehr großen und sehr guten Netzwerk, zu Tode betrübt von seinem Buchcover? Alles Great, alles Fun? Alles klar!

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