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Sprachbar

Du lieber Herr Gesangsverein!

Auf die Pauke hauen nicht nur Musiker, den Ton angeben können auch ganz unmusikalische Menschen. Missklänge gibt es manchmal selbst in den glücklichsten Beziehungen.

Musik kommt in der Sprache gleich mehrfach vor. Zuallererst natürlich im Gesang. Aber auch Sprache ohne begleitende Instrumente kann eine eigene Melodie haben, vor allem im Dialekt. Hinzu kommt eine Vielzahl von musikalischen Sprachbildern. Außerdem bauen viele Gedichte auf musikalischen Prinzipien Form und Klang auf. Und nicht zuletzt ist es die Lautmalerei, die genutzt wird, um Lyrik, aber auch Prosa mehr Ausdruck zu verleihen.

Stiller Auftakt

Montagsdemo in Leipzig 1989

Der politische Auftakt zum Fall der Mauer: die Montagsdemos

Im Konzert kommt vor dem eigentlichen Stück der Auftakt. Den gibt’s aber auch in ganz anderen Lebensbereichen. Die Montagsdemonstrationen in der ehemaligen DDR, die im September 1989 in Leipzig begannen, waren der Auftakt für die Massenproteste im Land, die das Ende des kommunistischen Regimes herbeiführten.

Den Schlussakkord dieser friedlichen Revolution bildete die Maueröffnung am 9. November des Jahres. Fast ein halbes Jahrhundert geteiltes Deutschland fand seinen Ausklang. In den Jahrzehnten zuvor hatten Worte und Taten der Politik selten miteinander im Einklang gestanden – ein Phänomen, das nicht nur auf die frühere DDR zutrifft.

Pauken, Trompeten und …

Ein Hund liegt phlegmatisch in einer Hütte

Katzenjammer nach verschmähter Liebe

In der Hitliste der meistgebrauchten Instrumente für musikalische Sprachbilder stehen Geigen, Blasinstrumente und Pauken ganz oben. Für Verliebte hängt der Himmel voller Geigen. Sachliche Überlegungen und vernünftige Argumente spielen dagegen in einer solchen Zeit keine Geige.

Allerdings hat schon so manche Verliebtheit, die mit Pauken und Trompeten begann, im großen Katzenjammer mit Leid und Wehklagen geendet. Während sich das Paar anfangs nur süße Töne zuflötete, bekamen die Gespräche im Lauf der Jahre zunehmend gröbere Klänge.

… Geigen

Eine Frau mit einem Kopfhörer auf den Ohren hält sich die Ohren zu

Bei Missklang hilft nur eins: Ohren zuhalten

Und wenn die Differenzen zu groß werden, kommt es nicht selten dazu, dass der eine dem anderen ordentlich die Meinung geigt, ihn also scharf kritisiert. Ein häufiger Vorwurf bei Paaren ist zum Beispiel, dass er immer nur an sich denkt. Das könnte man auch so ausdrücken: "Es geht mir auf die Nerven, dass Du immer die erste Geige spielen musst."

Umgekehrt könnte der Vorwurf lauten: "Und Du willst immer nur die Primadonna sein", also wie die "erste" Sängerin einer Opernaufführung ständig im Mittelpunkt stehen und mit Komplimenten überschüttet werden. Das Ende vom Lied lautet dann: Aus der Traum von Harmonie und Gleichklang.

Im richtigen Moment den richtigen Ton treffen

Sieben Bläser halten ihre Instrumente

In 's eigene Horn stoßen ist immer am Besten

Es geht natürlich auch anders. Manchmal ist es ja wie ein reinigendes Gewitter, wenn man dem Partner mal ordentlich den Marsch bläst, ihm also gründlich die Meinung sagt. Auf lange Sicht ist es meistens schädlich, jedes Mal mit anderen ins gleiche Horn zu stoßen, sich ihrer Sicht immer anzuschließen.

Das gilt nicht nur für die Liebe, sondern für Freundschaften generell – und auch im Arbeitsleben, wo es sehr wichtig sein kann, in manchen Momenten einen anderen Ton anzuschlagen, um nicht ständig übergangen zu werden. Vielleicht muss man sogar manchmal richtig auf die Pauke hauen, lautstark und mit Vehemenz die eigenen Ideen präsentieren, damit sie endlich wahrgenommen und respektiert werden.

Der Ton macht die Musik

Symbolbild: Eine Frau nach dem Shoppen mit mehreren Tüten in den Händen

Taktvoll bleiben, wenn die Frau zu viel Geld ausgegeben hat

Wer immer nach der Pfeife der anderen tanzt, wird niemals selber den Ton angeben können. Klar ist aber auch: der Ton macht die Musik. Nur laut werden reicht nicht. Inhalt und Betonung müssen stimmen, damit kein Missklang entsteht.

Außerdem gilt es, bei allem Ärger taktvoll zu bleiben. Wem nützt es, wenn man richtig auf die Pauke haut und dabei verletzend wird. Die richtigen Worte müssen mit Feingefühl gewählt werden.

Kein Instrument, aber ausdrucksstark

Symbolbild: Fünf Raucher-Pfeifen sitzen in Liegestühlen am Strand

Manchmal sitzt man im Urlaub neben Pfeifen im Liegestuhl

Eine besondere Vorliebe hat die Umgangssprache für die Pfeife. Man könnte auch sagen, im Konzert der Redewendungen spielt die Pfeife eine große Rolle – und das, obwohl sie gar kein richtiges Instrument ist. Vielleicht wegen ihrer schrillen Töne. Zurückpfeifen geht aber auch ganz ohne Ton. Ob laut gerufen oder lautlos aufgeschrieben, bedeutet es nur, Menschen von einer Handlung abzuhalten, zum Beispiel Polizisten von ihrem Einsatz. Außerdem, egal ob Kegelverein oder Fußballmannschaft, eine Pfeife möchte man nicht in der Truppe haben. So bezeichnete Nichtskönner sind einfach unbeliebt.

Die Bedeutungspalette der Pfeife ist groß und immer mit klaren Signalen verbunden. Nur soviel noch: Wenn ihnen jemand ein schlechtes Angebot macht, beim Autokauf oder im Berufsleben, lassen Sie es bleiben und pfeifen Sie einfach drauf!

Orgeln, trompeten und ausposaunen

Symbolbild Mann mit einem Megafon

Nicht alles muss ausposaunt werden

Auch die Lautmalerei profitiert von der Musik. In Sprachbildern finden sich laute Instrumente öfter als leise. Wind kann sanft säuseln, aber auch im Sturm kräftig orgeln, Regen im heftigen Rhythmus auf die Fensterscheiben trommeln. Geheimnisse sollte man nicht ausposaunen, also überall herumerzählen, sonst verdirbt man es sich mit seinen Freunden oder Vorgesetzen. Wer im Kreise der Bekannten ständig betont, wie toll er zum Beispiel Tennis spielen oder Auto fahren kann, der muss sich nicht wundern, dass man ihm dieses Herumtrompeten übel nimmt.

Außerdem ist Originalität gefragt. Immer nur die alte Leier von sich geben, dieselben Geschichten und Witze erzählen, wirkt langweilig. Wie immer gilt es, das richtige Maß zu finden. Ab und zu im Kollegenkreis über hohe Benzinpreise oder Steuern zu schimpfen, verbindet. Ewig die gleichen Klagelieder über unfähige Politiker anzustimmen, wirkt dagegen einfaltslos – genauso wie unkritische Lobeshymnen.

Der Ausklang

Abwechslung und Improvisation machen das Leben angenehmer und Sprache attraktiv. Manchmal reicht ein kleiner Akzent für eine große Wirkung. So kommt Musik in die Sache und der Erfolg ist Ihnen sicher. Was mit einem gefühlvollen Auftakt begann, kann mit der richtigen Idee in einem krönenden Finale enden – sozusagen ein gelungener Ausklang.

Fragen zum Text

Jemand, der immer im Vordergrund stehen möchte, will …

1. auf die Pauke hauen.

2. die erste Geige spielen.

3. jemandem den Marsch blasen.

Mit anderen ins selbe Horn zu stoßen bedeutet, dass …

1. man mit anderen gemeinsam ein Horn nutzen muss.

2. andere dieselbe Ansicht haben wie man selbst.

3. jemand die Meinung anderer übernimmt.

Wasser kann begrifflich nicht …

1. prasseln.

2. trommeln.

3. pfeifen.

Arbeitsauftrag

Erstellen Sie ein Kreuzworträtsel. Suchen Sie sich aus dieser Sprachbar mehrere Wörter oder Begriffe heraus, die Sie verwenden wollen. Ein Beispiel: Ein Blasinstrument mit vier Buchstaben [HORN]. Tauschen Sie die Rätsel in der Gruppe untereinander aus. Gewinner ist der- oder diejenige, der/die das Rätsel am schnellsten gelöst hat.

Autor: Günther Birkenstock

Redaktion: Beatrice Warken

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