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Expedition

Die Schule des Überlebens: Training für Indonesiens Orang-Utans

Die Orang-Utans in der Dschungelschule der Zoologischen Gesellschaft Frankfurt tragen menschliche Namen. Mit großen, neugierigen Augen blicken sie auf die Umgebung, den indonesischen Urwald. Hier sollte ihre Heimat sein, und doch haben sie den Wald nie kennengelernt. Erst mit Hilfe ihrer menschlichen Lehrer lernen sie in Freiheit zu überleben.


Sie tragen ganz menschliche Namen, Dora, Suro oder Jackie. Und sehr menschlich verhalten sie sich auch, wenn sie mit großen Augen voll kindlicher Neugier ihren Lebensraum, den Regenwald Sumatras, kennenlernen. Ihn erklettern, erspringen oder auf den Rücken ihrer Beschützer erkunden. Denn Orang-Utans bewegen sich nur ungern zu Fuß. Sie sind für die Baumkronen bestimmt, da gehören sie hin. Für die rothaarigen Menschenaffen ist alles neu, auch wenn sie keine Babys sind. Denn Dora, Suro, Jackie und all die anderen schleppen schon einiges an Lebenserfahrung mit sich herum. Sie sind zwischen 5 und 19 Jahren alt und haben viel Zeit in Gefangenschaft verbracht, als Haustier, als Prestigeobjekt. Jetzt müssen sie im Dschungel das Überleben lernen. Das Lernziel in der Schule lautet: Auswilderung.

Lernziel: Auswilderung

Nicht alle werden das schaffen, manche sind schon zu alt. Ein Orang-Utan in freier Wildbahn hat eine Lebenserwartung von maximal 40 Jahren. Wer knapp die Hälfte der Zeit in Gefangenschaft verbringt, dessen Chance auf ein “normales” Menschenaffenleben, sinkt. Gelernt haben Dora, Suro, Jackie in ihrem ersten Leben einiges. Aber nicht, wie sie in ihrer eigentlichen Heimat, und das ist nun mal der Urwald, zurechtkommen können. Futter suchen, Nester bauen, Bäume verstehen; all das bringen ihnen die Biologen der Zoologischen Gesellschaft Frankfurt im indonesischen Dschungel bei.

Es ist ein Wettlauf gegen die Zeit. Die Zahl der Orang-Utans in der freien Wildbahn schrumpft. Etwa 1600 Tiere leben in Schutzgebieten, insgesamt 6000 soll es auf Sumatra überhaupt noch geben. Gesichtert ist die Zahl nicht, denn die Tiere leben in den Baumkronen und sind schwer zu entdecken.

Auf dem Stundenplan

Damit Dora, Suro, Jackie das Leben in den Wipfeln meistern und es ihren etwa 160 Artgenossen, die von der ZGF bereits erfolgreich ausgewildert wurden, nachtun können, müssen sie viel lernen sie, dass Termiten im Holz ein wichtiger Eiweißlieferant sind. Oder: Orang-Utans müssen regelmäßig ihr Nest wechseln, um nicht im Schlaf von Gefahren überrascht zu werden. Auch, dass Bäume dicker sein müssen als Gitterstäbe, um sicher an ihnen klettern zu können.

Inzwischen sind eine Handvoll Affenkinder von ausgewilderten Tieren geboren worden – und das ist ein Riesen-Erfolg für die Biologen der Zoologischen Gesellschaft. Erstens wird so das Weiterbestehen der Art auf natürlichem Wege sicherer. Und zweitens sind immer noch die Eltern die besten Lehrer für die großen Geheimnisse des Lebensraums Dschungel, auch wenn sie menschliche Namen tragen, wie Dora, Suro oder Jackie.

Autoren: Inga Sieg & Global Ideas Redaktion
Kamera: Axel Warnstedt
Fotos: Axel Warnstedt & Inga Sieg

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