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Top-Thema – Podcast

Dschihadisten aus Belgien

Die Spurensuche nach den Anschlägen in Paris führt die Ermittler ins Nachbarland Belgien, in den letzten Jahren ein Zentrum für Terroristen. Experten sehen auch den belgischen Staat in der Verantwortung.

Audio anhören 02:44

Dschihadisten aus Belgien – das Top-Thema als MP3

Paris am 13.11.2015: An acht verschiedenen Stellen sprengten sich Attentäter in die Luft oder schossen auf Konzert- und Restaurantbesucher und Passanten. Über hundert Menschen starben. Die Drahtzieher der Anschläge sollen aus Belgien kommen. Das Land steht nicht zum ersten Mal im Zentrum der Ermittlungen. Die Zahl der Dschihadisten dort ist hoch.

Von Belgien aus gingen bisher ungefähr 300 Personen in den sogenannten „Heiligen Krieg“ nach Syrien oder in den Irak. Aus dem achtmal größeren Deutschland waren es „nur“ etwa 240 Kämpfer. Im Verhältnis zur Bevölkerung ist Belgien mit 27 Kämpfern pro einer Million Einwohner das Herkunftsland mit den meisten Dschihadisten in Europa.

Doch was macht diese besonders radikale Form des Islamismus so interessant? Es sind die bekannten Themen: Die Arbeitslosigkeit unter den muslimischen Bürgern ist besonders hoch. Selbst wenn sie die Sprache fließend sprechen oder Muttersprachler sind, werden sie als Ausländer behandelt. Und Unternehmen können Bewerbern wegen ihrer Religion den Job verweigern. Die Frustration bei vielen muslimischen Bürgern macht es für gewaltbereite Gruppen leichter, einzelne Betroffene zu radikalisieren.

Der Politikwissenschaftler Asiem El Difraoui kritisiert die Politik: „Die Belgier haben die Beobachtung der Szene schleifen lassen, sie haben Präventionsmaßnahmen schleifen lassen, eigentlich haben sie alles schleifen lassen.“ El Difraoui hofft, dass jetzt mehr getan wird, um die muslimischen Bürger zu integrieren. So könnte man den Islamisten die Grundlage entziehen.


Glossar

Dschihadist, -en (m.) – eine Person, die für eine extremistische Form des Islam kämpft

Spurensuche, -n (f.) – hier: die Untersuchung, um einen Verbrecher zu finden

Anschlag, Anschläge (m) – hier: ein Versuch, Menschen zu töten, um Angst zu verbreiten und bestimmte Ziele zu erreichen

Ermittler, -/Ermittlerin, -nen – eine Person, die ein Verbrechen untersucht (hierzu: die Ermittlung)

wirtschaftsschwach – so, dass die Wirtschaft nicht gut funktioniert

sich in die Luft sprengen – sich mit einer Bombe selbst töten

Attentäter, -/Attentäterin, -nen – jemand, der andere umbringt, um politische oder religiöse Ziele durchzusetzen

Passant, -en (m.) – eine Person, die auf der Straße läuft

Drahtzieher, -/Drahtzieherin, -nen – jemand, der ein Verbrechen plant und organisiert

radikal – hier: besonders gewaltsam; extrem (Verb: jemanden radikalisieren)

Arbeitslosigkeit (f., nur Singular) – die Tatsache, dass jemand keine Arbeit hat

fließend – hier: sehr gut

Muttersprachler, -/Muttersprachlerin, -nen – jemand, der eine Sprache schon als kleines Kind (meist als erste Sprache) gelernt hat

Unternehmen, - (n.) – ein Betrieb; eine Firma

jemandem etwas verweigern – jemandem etwas nicht geben, was er gerne hätte

Frustration, -en (f.) – das Gefühl der Enttäuschung, Hoffnungslosigkeit und des Ärgers über einen Zustand

etwas schleifen lassen – nichts oder zu wenig tun, obwohl es seine Aufgabe war

Präventionsmaßnahme, -n (f.) – eine Aktion, die etwas anderes verhindern soll

jemandem etwas entziehen – jemandem etwas wegnehmen


Fragen zum Text

1. Welche Aussage ist richtig?
a) Die Attentäter stammten aus dem Irak und sind in Belgien aufgewachsen.
b) Die Verantwortlichen für die Anschläge kommen wahrscheinlich aus Belgien.
c) Alle Attentäter hatten die belgische Staatsbürgerschaft.

2. Was steht im Text? Aus Deutschland sind …
a) mehr Personen in den „Heiligen Krieg“ gezogen als aus Belgien, aber im Verhältnis zur Einwohnerzahl waren es weniger.
b) weniger Personen nach Syrien gegangen als in den Irak.
c) weniger Kämpfer nach Syrien und den Irak gegangen als aus Belgien – sowohl im Verhältnis zur Einwohnerzahl als auch in absoluten Zahlen.

3. Welche Gründe für die Radikalisierung von jungen Belgiern werden im Text genannt?
a) Viele Muslime werden zum Beispiel bei der Arbeitssuche benachteiligt und haben oft keinen Job.
b) Muslime dürfen nicht nach den Regeln ihrer Religion leben und bleiben immer Ausländer in Belgien.
c) Die meisten belgischen Muslime können die Landessprache nicht und sind deswegen frustriert.

4. Welcher der nachfolgenden Sätze steht im Präteritum?
a) Es wären die bekannten Themen: Die Arbeitslosigkeit unter den muslimischen Bürgern wäre hoch.
b) Es waren die bekannten Themen: die Arbeitslosigkeit unter den muslimischen Bürgern war hoch.
c) Es waren die altbekannten Themen gewesen: die Arbeitslosigkeit unter den muslimischen Bürgern war hoch gewesen.

5. Setze den folgenden Satz ins Präteritum: Von Belgien aus sind etwa 300 Personen nach Syrien oder den Irak gegangen.
a) Von Belgien aus gingen etwa 300 Personen nach Syrien oder den Irak.
b) Von Belgien aus waren etwa 300 Personen nach Syrien oder den Irak gegangen.
c) Von Belgien aus gehen etwa 300 Personen nach Syrien oder den Irak.


Arbeitsauftrag
Stellt euch vor, ihr wärt Politiker. Was würdet ihr an der Situation der Muslime in Europa verbessern und warum? Was ist eurer Meinung nach ein besonderer Nachteil für Muslime? Mit welchen Folgen? Unterscheidet in euren Antworten zwischen der jungen Generation, die in Europa geboren wurde, und der alten Generation, die zugewandert ist.

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