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Afrika

Dschibuti: Drehkreuz am Horn von Afrika

Die USA, die Europäer sind schon dort: Jetzt plant offenbar auch China eine Militärbasis in Dschibuti. Die Nähe zu den Krisenherden in der Region bringt dem kleinen Staat zwar Geld, aber auch Probleme.

Gerade mal 800.000 Menschen leben in Dschibuti. Die ehemalige französische Kolonie ist kaum größer als das deutsche Bundesland Hessen. Und trotzdem ist der kleine Staat am Horn von Afrika einer der strategisch wichtigsten Orte der Welt. "Jeder, der Dschibuti kontrolliert, spielt eine entscheidende Rolle", sagt Michael Ashkenazi vom Think-Tank International Center for Conversion in Bonn.

Dschibuti ist einer der Hauptumschlagplätze für den Welthandel. Mehr als 80 Prozent aller Waren, die etwa das Nachbarland Äthiopien importiert, kommen im Containerhafen von Doraleh an, einem der größten Tiefseehäfen in Ostafrika. Dazu kommt die strategische Nähe zu den Krisenherden in Afrika, Asien und dem Mittleren Osten. "Für die Sicherung der Handelswege und auch als Ausgangspunkt für den Anti-Terrorkampf am Horn von Afrika ist Dschibuti derzeit wahrscheinlich das wichtigste Land", sagt Annette Weber von der Stiftung Wissenschaft und Politik (SWP) in Berlin.

Buhlt auch Peking um Dschibuti?

Wie wichtig Dschibuti ist, das weiß auch China. Offenbar laufen bereits Gespräche über eine chinesische Militärbasis in Dschibuti. Präsident Ismail Omar Guelleh sagte der Nachrichtenagentur AFP im Mai, Peking sei "willkommen". Chinas Regierung hält sich bisweilen jedoch bedeckt, bestätigt offiziell nur, dass es zur Stabilität in der Region beitragen wolle. Um den Kampf gegen die Piraterie zu unterstützen, schickt China bereits seit 2008 Schiffe vor die Küste Somalias - seit 2010 auch in den Golf von Aden nahe Jemen.

China wolle international mehr an Einfluss gewinnen, sagt Analyst Ashkenazi. "In den vergangenen zehn Jahren und auch schon davor hat China sehr stark in Afrika investiert, nicht nur um finanziell zu profitieren, sondern auch um natürliche Ressourcen langfristig zu kontrollieren." Dass die Wahl auf Dschibuti falle, habe auch damit zu tun, dass das Land politisch relativ stabil sei, meint Ashkenazi. Relativ stabil, das heißt: Präsident Guelleh regiert seit 1999 mit harter Hand. Es gibt keine offenen Aufstände, keinen Dauer-Terror, wie etwa im Nachbarland Somalia.

US-Außenminister John Kerry mit dem Präsidenten von Dschibuti Ismail Omar Guellehin (Foto: AP)

Handschlag zwischen Partnern: US-Außenminister Kerry und Dschibutis Präsident Guelleh

China plant, was andere Industrieländer bereits seit Jahren tun. Die USA haben ihre einzige Militärbasis in ganz Afrika seit 2002 in Dschibuti. Dazu kommen Stützpunkte der Franzosen, Japaner und der EU. Von dort aus wird der Kampf gegen die Piraterie vor der Küste Somalias geführt. Seit 2012 patrouillieren Schiffe der EU-Mission EUCAP-Nestor auch in anderen Teilen des westindischen Ozeans. Vom US-Stützpunkt Camp Lemonnier in Dschibuti-Stadt aus steuert Washington zudem Drohnenangriffe gegen islamistische Terroristen im Jemen und in Somalia. Bald könnte sich auch China in Dschibuti in Stellung bringen. "Das wird vielleicht auch zu großen Auseinandersetzungen führen mit denen, die schon dort sind", sagt SWP-Expertin Weber.

Lukrative Militärpräsenz

Dschibutis Regierung profitiert von den ausländischen Militärs. "Die Stützpunkte sind eine Haupteinnahmequelle für das Land, das kaum andere Staatseinkünfte hat", sagt Sozialwissenschaftler Ashkenazi. Anfang Mai

verlängerten die USA den Pachtvertrag

für ihr Camp um mindestens zehn Jahre - und zahlen künftig sogar noch drauf. Rund 60 Millionen US-Dollar kostet sie der Stützpunkt jährlich, bislang waren es etwa 30 Millionen. Zudem finanzieren die USA die Ausbildung von dschibutischen Soldaten.

Gelder, die der Staat dringend braucht. Denn außer Dienstleistungen hat Dschibutis Wirtschaft fast nichts zu bieten - weder viel Industrie noch wertvolle Rohstoffe. Auch viele Nahrungsmittel müssen aufgrund des heißen und trockenen Klimas importiert werden.

Menschen im Hafen von Dschibuti (Foto: DW/James Jeffrey)

Militär-Millionen aus dem Ausland: Auch für die Menschen?

Die Mehrheit der Bevölkerung profitiert bislang offenbar nicht von den Pachteinnahmen aus dem Ausland. Die Armut ist hoch, nach UN-Angaben kam Dschibuti 2014 unter den 187 Ländern im "Human Development Index", der verschiedene Armutsfaktoren misst, nur auf Rang 170.

Auch der Chefredakteur des Pan-African News Wire in den USA, Abayomi Azikiwe, sieht vor allem die amerikanische Militärpräsenz in Dschibuti kritisch. "Wir konnten bisher nicht feststellen, dass die Bevölkerung in verschiedenen Ländern Afrikas davon profitiert hat. Wir glauben vielmehr, dass es nur der nationalen Sicherheit und den wirtschaftlichen Interessen Amerikas dient".

Mit den Flüchtlingen überfordert

An der engsten Meeresstelle trennen Dschibuti nur 30 Kilometer vom Jemen, wo sich seit Ende März schiitische Huthi-Rebellen

heftige Gefechte mit Regierungstruppen

liefern. Nach Angaben der Vereinten Nationen hat Dschibuti bereits mehr als 21.000 Flüchtlinge allein aus dem benachbarten Krisenstaat Somalia aufgenommen. Dazu kommen jetzt jeden Tag Flüchtlinge aus dem Jemen. Sein Land sei überfordert, sagte Dschibutis Außenminister Mahamud Ali Jussuf dem Nachrichtensender CNN.

Die Flüchtlingsströme bergen auch Gefahren für die politische Stabilität des kleinen Staates. "Die Frage, welche gewaltbereiten Personen nach Dschibuti kommen, sowohl auf Seiten der Al-Shabaab aus Somalia, als auch von den Kämpfern im Jemen selbst, ist sicherlich eine Beunruhigung für die Regierung in Dschibuti", sagt Annette Weber von der SWP.

Das UN-Flüchtlingshilfswerk UNHCR arbeitet nach eigenen Angaben an einem Notfallplan für die kommenden Monate, um bis zu 30.000 Flüchlinge aus dem Jemen in Dschibuti aufnehmen zu können.

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