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Kultur

"Druck aufrecht erhalten"

Der Fall des ermordeten ukrainischen Journalisten Georgiy Gongadze ist auch nach mehr als zwei Jahren nicht aufgeklärt. Doch es gibt endlich wichtige Fortschritte.

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Wer steckt hinter dem Mord an Georgiy Gongadze?

Der vor mehr als zwei Jahren ermordete ukrainische Journalist Georgiy Gongadze kann nun - zweieinhalb Jahre nach seinem Verschwinden - beerdigt werden. Ein halbes Dutzend gerichtsmedizinische Untersuchungen sollten klären, ob es sich bei der so genannten Leiche von Taraschtscha tatsächlich um den Körper Gongadzes handelt. Die Leiche war Monate nach dem Verschwinden Gongadzes unweit der ukrainischen Hauptstadt Kiew gefunden worden.

Eine letzte Autopsie wurde im Auftrag von "Reporter ohne Grenzen" durchgeführt. Das Ergebnis: mit 99,9 prozentiger Wahrscheinlichkeit handelt es sich bei der Leiche von Taraschtscha um den Körper des getöteten Journalisten.

Doch auch wenn die Identität durch die Gerichtsmedizin nun geklärt ist - der Fall Gongadze ist deshalb noch lange nicht aufgeklärt. "Es kommt zwar Bewegung in die Ermittlungen, doch inwieweit die staatlichen Institutionen bereit sind, die Ermittlungen wirklich bis zu der Frage voranzutreiben, wer die Auftraggeber waren, das werden die kommenden Wochen und Monate zeigen", betonte Robert Ménard, Generalsekretär von "Reporter ohne Grenzen" im Interview mit der Deutschen Welle.

Deutliche Verbesserung

Ménard zeigte sich zufrieden mit der Kooperationsbereitschaft des Ermittlungsausschusses um den neuen ukrainischen Generalstaatsanwalt Swjatoslaw Piskun. "Reporter ohne Grenzen" habe als gemeinsamer Vertreter der Mutter und der Ehefrau Gongadzes Zugang zu Ermittlungsakten und Verhörprotokollen erhalten. Das sei eine deutliche Verbesserung im Vergleich zu den zurückliegenden zwei Jahren. Der frühere Generalstaatsanwalt Michailo Potebenko hatte alles daran gesetzt, die Ermittlungen aufzuhalten und zu blockieren.

Inzwischen sind die Ermittlungen weiter fortgeschritten. Beobachter vermuten, dass die Auftraggeber für die Ermordung des ungeliebten kritischen Journalisten im Umkreis des Innenministeriums zu suchen sind. Inzwischen gebe es eine Reihe von Spuren und Verdächtigen, denen in weiteren Ermittlungen nachgegangen werde, so Ménard.

Wirbel im Ausland

Die ukrainische Staatsmacht ihrerseits macht sich nun Hoffnungen, dass nach einer Beerdigung die Affäre Gongadze von der Bildfäche und aus den Schlagzeilen der westlichen Medien verschwindet. Der ungeklärte Journalistenmord hatte eine große innenpolitische Krise ausgelöst und Präsident Kutschma im Inland wie im Ausland diskreditiert.

Solchen Erwartungen tritt Robert Ménard entgegen: "Es kann nicht darum gehen, das Kapitel Gongadze zu schließen. Im Gegenteil, wir werden alles daran setzen, den politischen Druck aufrecht zu erhalten. Gongadze ist nur ein Beispiel für die systematische Behinderung von Journalisten in der Ukraine."

Ménard erinnerte daran, dass bereits 25 ukrainische Journalisten in Ausübung ihres Berufs um Leben gekommen seien. Zudem seien Repressionen durch Steuerbehörden, aber auch die Androhung tätlicher Übergriffe an der Tagesordnung.