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Amerika

Druck auf Air France wächst

Die Ermittlungen über die Gründe für den Flugzeugabsturz am Pfingstmontag gehen weiter. Eine Pilotengewerkschaft ruft derweil zum Boykott der Airbus-Maschinen auf.

Airbus 330-200 von Cathay Pacific bei der Landung (Foto:AP)

Airbus 330: Probleme mit den Sonden bekannt

Die französische Pilotengewerkschaft Alter hat am Dienstag (09.06.2009) den Air France-Besatzungen geraten, Airbus-Flüge mit Geschwindigkeitsmessern wie beim abgestürzten A330-200 abzulehnen. Nach neuesten Ermittlungen zählen die Geschwindigkeitsmesser, so genannte Pitot-Sonden, zu den denkbaren Faktoren, die zu dem Unglück am 1. Juni geführt haben könnten. Möglicherweise waren die Sensoren wegen eines Sturms in der Flughöhe vereist und zeigten somit eine falsche Geschwindigkeit an. Dies wiederum hat die Piloten dazu veranlasst, entweder zu langsam oder zu schnell zu fliegen. Im letzteren Fall führte dies eventuell zu einem Auseinanderbrechen des Flugzeugs in der Luft.

Air France hatte am Wochenende angekündigt, den Austausch der Sensoren bei allen Langstreckenflugzeugen zu beschleunigen. Bereits wegen früherer Vorgänge läuft bei der Fluggesellschaft ein Programm zum Austausch der alten Sonden. Seit mehr als zehn Jahren gebe es Probleme, Air France habe aber bisher nur 15 der 40 Maschinen vom Typ A330 und A340 mit neuen Sonden ausgerüstet, so ein Sprecher von Alter.

Ein Wrackteil (Foto: AP Photo/Brazil's Air Force)

Der Absturz der Airbus A330 ereignete sich vor etwa einer Woche. Dabei waren 228 Menschen ums Leben gekommen

Probleme mit Messgeräten waren lange bekannt

In einem auf den 6. November datierten Memo der Fluggesellschaft wurden die Piloten vor Problemen mit den Geschwindigkeitsmessern gewarnt. Darin ist von einer beträchtlichen Zahl von Zwischenfällen in Verbindung mit Tempomessern an Airbus A330 und A340 die Rede. Die Zwischenfälle seien auf Anomalien an den Messgeräten zurückzuführen. Aufgelistet werden falsche Geschwindigkeitsmessungen, unterschiedliche Angaben auf den Kontrollschirmen von Pilot und Kopilot und das Abschalten des Autopiloten. Fehlmessungen der Geschwindigkeit sind nach Airbus-Angaben nicht ungewöhnlich. Es gibt deswegen spezielle Verhaltensregeln für die Piloten. Die Luftfahrtbehörden und die Europäische Agentur für Flugsicherheit (EASA) sahen bisher jedoch keinen besonderen Anlass, auf einen zügigeren Austausch der Messgeräte zu drängen. Die EASA wies alle Piloten darauf hin, dass auch bei einem möglichen Ausfall der Geschwindigkeitsmessung die Maschinen sicher geflogen werden können.

Suche läuft auf Hochtouren

Die Suchmannschaften haben unterdessen am Dienstag weitere 17 Leichen aus dem Atlantik geborgen. Damit stieg die Zahl der geborgenen Toten auf 41. 187 Insassen werden noch vermisst. Die ersten Leichen sollen am Mittwoch in die brasilianische Stadt Recife geflogen werden, wo mit ihrer Identifizierung begonnen werden soll.

Militäreinheiten bergen das Seitenleitwerk des Airbus

Der Fund des Seitenleitwerks gibt Hinweise auf den Bestimmungsort der Black Boxes

Am Montag wurde darüber hinaus das Seitenleitwerk der abgestürzten Maschine von Suchmannschaften aus dem Wasser gehoben. Videoaufnahmen der brasilianischen Luftwaffe zeigen das Heck ohne Brandspuren. Ein Experte für Flugzeugabstürze, William Waldock, sagte, offenkundig sei das Wrackteil in einem Stück vom Rumpf abgetrennt. Das deute darauf hin, dass die Maschine schon in der Luft auseinander gebrochen sei. Wenn sie intakt auf dem Meer aufgeschlagen wäre, gäbe es nur kleinste Trümmerstücke. Mit dem Fund des Seitenleitwerks und weiterer Leichen lässt sich auch das Seegebiet eingrenzen, in dem der Daten- und der Stimmrekorder der Unglücksmaschine womöglich zu finden seien.


Die beiden Flugschreiber sind im Flugzeug in der Nähe der Leitwerke eingebaut. An der Suche nach ihnen, soll sich gegen Ende der Woche das französische Atom-U-Boot “Emeraude“ beteiligen. (whn/hf/ap/dpa/afpd/rtr)