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Afrika

Droht Westafrika die nächste Hungersnot?

Schlechte Ernten, steigende Lebensmittelpreise: Die UN warnen vor einer Hungersnot in Westafrika - wieder einmal. Doch nicht hinter jeder Schlagzeile steckt eine neue Katastrophe, sagen Experten.

20 Millionen Westafrikanern drohe in diesem Jahr eine Hungersnot, heißt es aus dem Humanitären Koordinationsbüro der Vereinten Nationen (OCHA). Auch andere Länder des Kontinents könnten in schwere Ernährungskrisen stürzen, darunter Konfliktstaaten wie Südsudan, die Zentralafrikanische Republik und Somalia. Laut UN sind vor allem bewaffnete Konflikte und Vertreibung, aber auch Dürren und Überschwemmungen für magere Ernten und steigende Lebensmittelpreise verantwortlich.

Immer wieder warnt die Weltorganisation vor neuen Ernährungskrisen. Es entsteht der Eindruck, dass Afrika dem "Gespenst Hunger" noch immer hilflos ausgeliefert ist - trotz des Einsatzes verschiedenster afrikanischer und internationaler Organisationen und Helfer.

Jedes Jahr eine Hungersnot

Malische Frau in einem Flüchtlingslager im Niger (Foto: dpa)

Vetriebene sind besonders betroffen: Malische Frau in einem Flüchtlingslager

Hunger ist in Afrika tatsächlich noch immer ein akutes Problem. Aktuellen Zahlen der Vereinten Nationen zufolge hat fast ein Viertel aller Menschen in Subsahara-Afrika nicht genug zu essen oder muss sogar hungern. Dürren können eine Ursache sein, aber sie sind oft nicht die einzige. "Hungersnöte entstehen meistens aus einem ganzen Bündel unterschiedlicher Faktoren", sagt Sabine Dorlöchter-Sulser vom katholischen Hilfswerk Misereor. "Eine Hungersnot ist nichts, was von heute auf morgen sichtbar wird. Es handelt sich um einen schleichenden Prozess".

Internationale Organisationen melden fast jedes Jahr neue Hungersnöte für Westafrika - ein Gebiet, das immerhin fast so groß ist wie die Vereinigten Staaten von Amerika ist. Erst Anfang Februar erklärte OCHA, dass insgesamt 1,5 Milliarden Euro für die Eindämmung der Ernährungskrise in der Sahelzone notwendig seien. Mit diesem Geld sollen nicht nur Lebensmittellieferungen finanziert werden, sondern auch Investitionen in Gesundheitsversorgung und ländliche Entwicklung.

Jean Senahoun, Wirtschaftswissenschaftler bei der UN-Welternährungs­organisation (FAO) für die Region Westafrika, räumt ein, dass es in einigen Regionen lokal begrenzte Ernährungskrisen gebe, die vor allem mit Vertreibungen und unregelmäßigen Regenfällen im letzten Jahr zusammenhingen. Er warnt aber davor, die Lage zu dramatisch zu zeichnen. "Es ist nicht so, dass schwerer Nahrungsmangel oder sogar Todesfälle durch Verhungern derzeit so weit verbreitet sind, dass man generell von einer Hungersnot in Westafrika sprechen könnte".

Hungersnöte machen Schlagzeilen

Verteilen von Lebensmittelhilfen im Senegal 2008 (Foto: dpa)

Senegal: Lebensmittel werden verteilt

Das Problem sei, dass Mangelernährung oft mit Hungern oder sogar Verhungern gleichgesetzt werde, meint die Auslandsreporterin Petra Ramsauer, Autorin des Buches "So wird Hunger gemacht". Sie ist der Meinung, dass vor allem westliche Beobachter inzwischen "abgestumpft" seien. "Ich glaube, das hat damit zu tun, dass wir schon viele Jahrzehnte in einer medialen Welt der Reizüberflutung leben und dass nur drastische Begriffe und Darstellungen wie 'Hungersnot' auch dazu führen, dass Menschen aktiv werden und spenden". Viele Afrikaner kritisieren jedoch, dass gerade dieser verallgemeinernde, unbedarfte Sprachgebrauch das längst überholte Bild eines hilfebedürftigen, rückständigen Afrikas am Leben erhalte.

Sabine Dorlöchter-Sulser von Misereor sieht ganz pragmatische Gründe für die Warnungen der Hilfsorganisationen. "Im Prinzip sind rechtzeitige Spendenaufrufe kein falsches Trommeln, sondern ein richtiges Trommeln zur rechten Zeit", so Dorlöchter-Sulser.

Gute Nachrichten werden ignoriert

Doch es gibt auch Erfolgsmeldungen. Nach Angaben der Westafrikanischen Wirtschaftsgemeinschaft (ECOWAS) konnte in ihren fünfzehn Mitgliedsstaaten der Anteil der Unterernährten von 24 Prozent im Jahr 1991 auf elf Prozent 2012 reduziert werden. ECOWAS hat sich das ambitionierte Ziel gesetzt, Unterernährung und Hunger bis zum Jahr 2025 in dieser Region völlig auszuradieren.

In der öffentlichen Wahrnehmung spiegelt sich das bislang kaum wider. Ein Blick auf Schlagzeilen und Fernsehnachrichten erweckt eher den Eindruck, dass es mehr Hungersnöte gibt - statt weniger.

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