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Nahost

Droht eine Hungersnot im Jemen?

Ein Drittel der Bevölkerung im Jemen ist unterernährt. Über drei Millionen Menschen sind auf Lebensmittelhilfen angewiesen, doch das UN-Welternährungsprogramm musste seine Essensrationen jetzt kürzen - aus Geldmangel.

Jemenitische Flüchtlinge in einem UN-Notaufnahmelager (Foto:dpa)

Jemenitische Flüchtlinge in einem UN-Notaufnahmelager

Über sieben der insgesamt 21 Millionen Menschen im Jemen leiden nach Informationen des UN-Welternährungsprogrammes (WFP) an Hunger – die Hälfte davon so stark, dass sie auf regelmäßige Lebensmittelhilfen aus dem Ausland angewiesen sind. Das WFP beurteilt die Situation im ärmsten Staat der arabischen Welt so kritisch, dass es in Genf vor drohenden Hungerrevolten oder Massenauswanderungen warnte.

Anhaltende Kämpfe im Norden des Landes

Jemenitische Armeesoldaten im Gefecht mit Rebellen im Norden des Landes (Foto:ap)

Der Waffenstillstand im Norden des Landes ist brüchig

Die Nahrungsmittelhilfen der Vereinten Nationen erreichen derzeit nur einen Bruchteil der Hilfsbedürftigen - darunter befinden sich auch 270.000 Menschen, die vor Kämpfen zwischen Regierung und Rebellen aus der Stadt Saada geflohen waren. Viele von ihnen haben ihr Vieh verkauft und warten nun darauf, dass ein inzwischen vereinbarter Waffenstillstand so weit hält, dass sie in ihre Dörfer zurückkehren können.

"Die Menschen trauen sich nicht zurück. Es ist noch zu unsicher, außerdem fürchten sie die Gefahren durch Minen und Blindgänger", sagt Andrej Mahecic vom Büro des UN-Flüchtlingskommissars (UNHCR). Zusätzlich verschärft wird die Nahrungsmittelkrise dadurch, dass auch Flüchtlinge aus Äthiopien und Somalia vom Welternährungsprogramm im Jemen mitversorgt werden müssten.

Aus Geldmangel Rationen halbiert

Besonders Kinder sind von der Hungersnot betroffen. Zehn Prozent von ihnen leiden laut WFP unter akuter Unterernährung. Viele Familien ernähren sich nach Angaben des WFP nahezu ausschließlich von Brot und Tee. Die Organisation berichtet von Einjährigen, die soviel wögen wie Neugeborene. Trotz der akuten Gefahr war das UN-Welternährungsprogramm gezwungen, die Essensrationen für Tausende von Jemeniten zu halbieren. Statt der üblichen Rationen mit täglich 2000 Kalorien könne das WFP seit Anfang Mai nur noch Rationen mit rund 1000 Kalorien pro Tag verteilen.

"Die Menschen haben so eigentlich nur noch drei Möglichkeiten: revoltieren, auswandern oder sterben", lautet die bittere Bilanz von Emilia Casella. Ab August, so fürchtet die WFP-Sprecherin, werde ihre Organisation im Jemen überhaupt keine Nahrungsmittel mehr zu verteilen haben.

Verschleierte Frauen und ihre Kinder in einem Flüchtlingslager im Jemen (Foto:ap)

Frauen und Kinder in einem Flüchtlingslager im Jemen

Geberländer bleiben zurückhaltend

Bereits im März hatte der Jemen auf einer internationalen Geberkonferenz auf finanzielle Unterstützung gedrängt, um Armut und Arbeitslosigkeit im Land zu bekämpfen. Doch nach eigenen Angaben fehlen dem UN-Welternährungsprogramm jetzt rund 58 Millionen Euro, um eine ausreichende Versorgung der Bevölkerung sicherzustellen. Unter den größten Geldgebern waren bislang Großbritannien, Deutschland, Saudi-Arabien und die USA. Dass das Geld so spärlich ins Land fließt, liegt nicht nur an der weltweiten Finanzkrise. Experten gehen mittlerweile davon aus, dass sich Al-Kaida-Anhänger mit Aufständischen verbündet und in abgelegenen Teilen des Landes die Kontrolle übernommen haben.

Für Ralf Südhoff, den Leiter des deutschen Büros des UN-Welternährungsprogramms, wäre das allein jedoch kein Hinderungsgrund: "Regierungen könnten ja auch zu dem Schluss kommen, dass man gerade versuchen müsste, ein Land wie den Jemen zu stabilisieren." Grundsätzlich sei es aber für kriegsgebeutelte Länder wie den Jemen oder auch Äthiopien oder Somalia besonders schwierig, Geberländer zu überzeugen, ihr Geld dort zu investieren. "Wir brauchen jedoch dringend mehr Mittel und ein größeres politisches Engagement", fordert Südhoff, um wenigstens die Grundversorgung mit Lebensmitteln, Medizin und Notunterkünften auf einer breiteren Basis im Jemen sicherzustellen.

Autor: Thomas Latschan (afp, apn, rtr)
Redaktion: Diana Hodali

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