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Politik

Drohender Aufstand im Irak

Der radikale Schiitenführer El Sadr hat einen Aufstand des irakischen Volkes gegen die Besatzungstruppen angekündigt. In den USA wird über eine Verstärkung ihrer Truppen im Irak nachgedacht.

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Moderverdächtiger, Geistlicher, schiitisches Idol: Muktada el Sadr

Der radikale Schiitenführer Muktada el Sadr hat einen Aufstand des irakischen Volkes gegen die Besatzungstruppen angekündigt. In einer von ihm unterschriebenen Erklärung an den arabischen Fernsehsender El Dschasira sagte er am Montag (5.4.): "Wir fürchten den Tod nicht und Märtyrertum gibt uns Würde von Gott."

Die US-Truppen haben inzwischen einen Haftbefehl gegen Sadr wegen der Ermordung eines schiitischen Geistlichen vor einem Jahr ausgestellt. Sadr, der von den USA zum Gesetzlosen erklärt wurde, hält sich zurzeit in der Stadt Kufa auf, die von hunderten seiner bewaffneten Anhänger kontrolliert wird. US-Brigadegeneral Mark Kimmitt sagte, die Entscheidung über einen Kampf liege bei Sadr. "Es liegt an ihm, zu entscheiden, ober er friedlich oder nicht friedlich kommt", sagte Kimmitt.

Mehr Truppen?

Die USA erwägen für den Fall einer weiteren Eskalation der Gewalt im Irak eine Verstärkung ihrer Truppen dort. Das sagte am Montag ein hoher Offizier in Washington, der namentlich nicht genannt werden wollte. Der US-Zivilverwalter im Irak, Paul Bremer, sagte unterdessen eine für diese Woche geplante Reise nach Washington ab, wie aus Kreisen des US-Senats verlautete. Ein Grund für die Absage wurde nicht genannt. Bremer sollte im Senat zur aktuellen Lage in Irak befragt werden.

Angesichts anhaltender teils schwerer Kämpfe zwischen Aufständischen und der US-Armee ist die Lage im Irak weiter unübersichtlich. In der sunnitischen Widerstandshochburg Falludscha wurde am Montag ein US-Marine getötet, als die Armee nach eigenen Angaben eine breit angelegte Offensive startete. In Bagdad lieferten sich US-Truppen und Aufständische offenbar heftige Gefechte. Der gesuchte Islamist Abu Musab al-Zarqawi drohte den Besatzungsmächten auf einem Tonband mit neuen Anschlägen.

"Wachsame Entschlossenheit"

In Falludscha verhängte die US-Armee zu Beginn ihrer "Operation Vigilant Resolve" ("Wachsame Entschlossenheit") eine elfstündige Ausgangssperre. In der zentralirakischen Stadt hatte vergangene Woche ein wütender Mob die Leichen von vier US-Zivilisten geschändet. Die Bilder sorgten in der ganzen Welt für Entsetzen.

Aus dem Zentrum der irakischen Hauptstadt waren am Montagabend heftige Explosionen und Schüsse von Maschinengewehren zu hören, wie mehrere Reporter der Nachrichtenagentur AFP berichteten. Auch in dem westlichen Schiitenviertel Sadr-City kam es zu schweren Detonationen, wie ein dort anwesender AFP-Journalist meldete. Zuvor hatten sich US-Soldaten in Sadr-City und dem anderen Schiitenviertel El Schaula heftige Kämpfe mit Sadrs Anhängern geliefert. Nach Krankenhausangaben wurden mindestens acht Menschen verletzt. Auch im südirakischen Basra kam es am Nachmittag zu Kämpfen zwischen britischen Soldaten und Milizionären Sadrs.

Wegen der blutigen Unruhen habe der Chef des US-Zentralkommandos (Centcom), General John Abizaid, seine Kommandeure darum gebeten, "schnell" mögliche militärische Optionen auszuarbeiten, sagte ein ranghohes Mitglied des Centcom. "Wir sehen das potenzielle Risiko, dass es mehr Demonstrationen und Gewalt geben könnte." Es gehe darum, zu prüfen, welche Truppen für einen schnellen Einsatz zur Verfügung stünden. Centcom und Pentagon dementierten aber die CNN-Darstellung, wonach Abizaid explizit um Pläne für eine Aufstockung der US-Truppen in Irak gebeten habe.

Die Mehrheit der US-Bürger missbilligt einer Umfrage zufolge inzwischen die Irak-Politik ihres Präsidenten George W. Bush. 53 Prozent der Amerikaner lehnen Bushs Kriegspolitik ab, wie aus einer am Montag veröffentlichten Umfrage des Pew Research Center hervorgeht. Im Januar lag die Quote noch bei 37 Prozent. Der demokratische US-Senator Ted Kennedy griff Bush scharf an. Irak sei dessen Vietnam, sagte Kennedy. (sams)

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