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Afrika

Drogenumschlagplatz Westafrika

Länder wie Senegal, Liberia oder Guinea-Bissau haben sich zur Drehscheibe des internationalen Kokainhandels entwickelt. Drogenbanden schleusen ihre Ware über Westafrika nach Europa.

Westafrika gewinnt für südamerikanische Drogenkartelle an Bedeutung. Es ist für die Händler der kürzeste und kostengünstigste Weg nach Europa, berichtet Juri Fedotow, der Leiter des Büros der Vereinten Nationen für Drogen- und Verbrechensbekämpfung (UNODC). So verdienen die Kartelle schätzungsweise 680 Millionen Euro jährlich.

Zwar ist die Menge sichergestellten Kokains von 2006 bis 2009 um mehr als die Hälfte zurückgegangen, sagt Aisser Al-Hafedh, die Westafrika-Beauftragte bei UNODC. Doch das bedeute nicht, dass der Kokainschmuggel in der Region tatsächlich abgenommen hat. Vielmehr hätten die kriminellen Netzwerke ihre Strategie geändert. Und an diese müssten sich die Behörden der betroffenen Länder in Westafrika erst anpassen, so Al-Hafedh.

Juri Fedotow, Chef des Büros der Vereinten Nationen für Drogen- und Verbrechensbekämpfung (Foto: EPA)

Juri Fedotow leitet das UN-Büro für Drogen- und Verbrechensbekämpfung

Zum Beispiel entwickeln die kriminellen Netzwerke nach Informationen von UNODC hoch professionelle Transportmöglichkeiten. Die Drogen gelangen mit Flugzeugen, Schiffen oder sogar U-Booten auf die vorgelagerten Inseln wie zum Beispiel die Kapverden. Dann werden sie in kleineren Einheiten weiter transportiert. Die instabile Sicherheitslage und die schwachen Grenzkontrollen in Ländern wie Sierra Leone, Senegal oder Liberia erleichtern den Schmuggel.

Hotspot Guinea-Bissau

Ein weiteres Beispiel ist Guinea-Bissau. Aufgrund der vielen Inseln vor der Küste und der politischen Krise ist das westafrikanische Land in den letzten Jahren zu einem Hotspot für den Drogenschmuggel nach Europa geworden.

Menschen versammeln sich am Hafen Bissau um ein Motorboot, das mutmaßlich für den Drogenhandel eingesetzt wurde (Foto: AP)

Umschlagplatz des Kokainhandels nach Europa: der Hafen von Bissau

Hier kommt hinzu, dass man sich auf Zoll und Militär nicht verlassen kann. Denn auch sie verdienen sich mit dem Handel von Drogen gerne etwas dazu, weiß Priska Hauser-Scherer. Sie ist in Guinea-Bissau für die internationale Anti-Drogen-Organisation IOGT tätig. "Der Drogenhandel destabilisiert die Situation massiv", sagt sie. "Und er ist auch gefährlich. Wer sich einem Drogenhändler in den Weg stellt, muss um sein Leben fürchten."

Im Senegal ist die Situation ähnlich. In der südlichen Provinz Casamance herrscht seit den 1980er Jahren ein Krieg zwischen Unabhängigkeitskämpfern und senegalesischen Soldaten. "Der Drogenhandel hat vor allem durch die Wirtschaftskrise und die schlechte Sicherheitslage in dieser Region zugenommen", erklärt Fatoumata Sy Gueye von der Konrad-Adenauer-Stiftung in Dakar. "Auch in anderen Regionen des Senegal gewinnt der Drogenhandel an Bedeutung, weil er eine einfache Möglichkeit darstellt, Geld zu verdienen", so Gueye.

Arbeitsplätze statt Drogen

Obwohl der Senegal eines der fortschrittlicheren Länder in Westafrika ist, gibt es dort große wirtschaftliche Probleme. Die Lebensmittelpreise sind hoch, und nahezu die Hälfte der Bevölkerung ist arbeitslos. Fatouma Sy Gueye ist der Ansicht, dass gerade die junge Bevölkerung Arbeitsplätze braucht, um für sich neue Perspektiven zu entwickeln. Insgesamt müssten im Senegal alternative Möglichkeiten geschaffen werden, um sein Leben zu finanzieren und den Alltag zu bestreiten.

Weil der Drogenumschlag in Westafrika floriert, bleiben auch mehr Drogen in der Region, die dann weiterverkauft und konsumiert werden. Laut UNODC werden die westafrikanischen Zwischenhändler für ihre Kooperation mit den südamerikanischen Kartellen auch mit Drogen bezahlt. So stellt UNODC in ihrem jüngsten Drogenbericht fest, dass 2009 schätzungsweise 21 Tonnen Kokain über Westafrika nach Europa gelangt sind. Weitere 13 Tonnen blieben in der Region und wurden dort konsumiert.

Autorin: Claudia Zeisel
Redaktion: Stefanie Duckstein

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