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Kultur

Drogenhilfe in den USA: Auf Entzug bei der Heilsarmee

Mehr als 22 Millionen US-Amerikaner sind drogenabhängig, doch nur wenige erhalten eine Therapie. Entzugskliniken wie das Harbor Light Center der Heilsarmee müssen um ihre Mittel kämpfen.

Ein Mann in San Francisco raucht die Modedroge Crystal Meth, Quelle: AP

Ein Mann in San Francisco raucht die Modedroge Crystal Meth

35 Angestellte hat das Harbor Light Center der Heilsarmee im Nordosten Washingtons. Sie kümmern sich zurzeit um 147 Patienten. Die meisten sind stationär untergebracht und bekommen in dem funktionalen Steingebäude, das rund um einen kleinen begrünten Innenhof angelegt ist, alles, was sie brauchen, um von ihrer Sucht loszukommen: Psychologische und medizinische Betreuung, Unterkunft und drei warme Mahlzeiten, Unterricht und Freizeitangebote.

Seit sechs Jahren leitet Major Doug Browning das Zentrum. "Wir bringen sie auch immer zu den Camps der Heilsarmee unten in Virginia - und jedes Mal gibt es einen, der kommt und sagt: Ich wusste gar nicht, dass ich auch Spaß haben kann, ohne high zu sein", erzählt er.

Abhängig von Schmerzmitteln

Logo der Heilsarmee, Quelle: AP

Logo der Heilsarmee

An Gott müssen die Hilfesuchen nicht glauben, zum Gottesdienst gehen müssen sie ebenfalls nicht - auch Moslems und Atheisten finden hier Unterstützung. 1997 wurde das Zentrum nach Umbau und Renovierung wieder aufgebaut, der 63-jährige Browning arbeitet seit 30 Jahren bei der Heilsarmee und ist mit den Schwierigkeiten des Sozialdienstes vertraut. Im Moment kämpft er, wie jedes Jahr, um das Geld für seine Einrichtung - denn eigentlich ist Platz für 190 Patienten.

Im Jahr 2005 waren 22,2 Millionen Amerikaner drogenabhängig. Diese Zahl ist in etwa die gleiche wie in den Jahren davor. Alkohol zählt dabei genauso zu den Drogen wie Medikamente, Heroin, Kokain und Marihuana. Nach einer UN-Studie nimmt weltweit vor allem der Medikamentenmissbrauch zu. In den USA steht die Abhängigkeit von Schmerzmitteln an dritter Stelle - nach dem Missbrauch von Marihuana und Kokain. Doch auch Alkoholabhängigkeit ist nicht zu unterschätzen.

Auf Spenden angewiesen

Wie schnell jemand von einer Droge loskommt, könne man nicht sagen, sagt Browning, der Unterschied liege in dem Einzelnen, nicht in der Droge. "Und so versuchen wir, die Behandlung auf die Psychologie jedes Einzelnen, sein soziales Umfeld, abzustimmen." Alle Drogen führten zu dem gleichen, zerstörerischen Lebensstil. Die einzigen Unterschiede lägen in der Art und Weise des Entzugs. "Heroin und Alkohol sind in dieser Hinsicht die gefährlichsten Drogen", weiß Browning. "Hier muss der Entzug zur Sicherheit medizinisch überwacht werden."

Bei Kokain und Marihuana zum Beispiel gibt es keine körperlichen Entzugssymptome - obwohl die Droge noch für 30 Tage im Körper wirkt, selbst, wenn sie nicht mehr nachweisbar ist. Deshalb sehe Browning es auch lieber, wenn die Gerichte drogenabhängige Straftäter nicht nur für 30 bis 60 Tage in das Zentrum einweisen würden, sondern für sechs Monate - solange, wie die bleiben, die freiwillig kommen. Doch auch hier fehlt es am Geld. 85 Prozent des Budgets bekommt Browning von der Stadt Washington, der Rest sind Spenden. Von den 22 Millionen drogenabhängigen Amerikanern haben 2005 aber nur gut zwei Millionen tatsächlich eine Behandlung erhalten.

Rückfall als Teil der Genesung

Ein Rückfall nach einer Behandlung sei kein Versagen, es sei ein Teil der Genesung, sagt Browning. Manche Menschen seien sofort clean, andere hätten sechs oder acht Rückfälle. Viele Außenstehende würden das nicht verstehen. "Sie denken, wenn eine Person eine Behandlung bekommt und dann einen Rückfall hat, dass sie ihr Geld verschwendet haben."

Die meisten Abhängigen, die ins Harbor Light Center kommen, sind Schwarze, und es sind vor allem Männer, sagt Browning. Denn die Frauen wissen nicht, wo sie ihre Kinder in der Zeit lassen sollen, denn mitnehmen können sie sie nicht. Die meisten Patienten sind um die vierzig Jahre alt. "Die jungen Leute denken, dass Drogen kein Problem für sie sind, sie haben nur Spaß daran", sagt Browning. "Aber die Mittvierziger sind es leid, krank und müde zu sein. Sie melden sich dann freiwillig. Die jüngeren werden meistens von Richtern eingewiesen, wenn sie straffällig geworden sind." Bei den meisten Patienten weiß Browning nicht, ob sie nach der Behandlung wieder rückfällig werden. "Die Menschen wollten diesen Teil des Lebens abschließen", sagt er. "Sie ziehen woanders hin oder haben von vornherein eine falsche Adresse angegeben."

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