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Welt

Drogenhandel im Internet floriert

Drogen online bestellen - in illegalen Internetapotheken ist das möglich. Per Post kommen die verbotenen Substanzen ins Haus. Die Kontrollen sind weltweit zu lasch, kritisiert der Internationale Suchtstoffkontrollrat.

Die illegalen Internetapotheken haben es vor allem auf ein junges Publikum abgesehen, vermutet der Internationale Suchtstoffkontrollrat in seinem aktuellen Jahresbericht. Denn sie nutzen neuerdings gezielt soziale Medien, um für ihre Webseiten zu werben. Außerdem enthält ein Viertel aller weltweit versandten Spam-Mails Werbung für Medikamente. Illegale Internetapotheken gaukeln ihren Kunden Legalität vor, indem sie offizielle Logos kopieren oder fälschen. Sie schmuggeln Drogen oder verschreibungspflichtige Medikamente per Post zu den Abnehmern.

"Den illegalen Internet-Apotheken wird nicht mit der nötigen Konsequenz begegnet", kritisiert Carola Lander, deutsches Mitglied im Suchtstoffkontrollrat. Das unabhängige Expertengremium wacht darüber, ob die UN-Drogenabkommen eingehalten werden. Lander sieht in erster Linie Indien, die USA, China und Polen in der Verantwortung - von dort stammen die meisten beschlagnahmten Substanzen. Aber auch die Abnehmer müssten geschützt werden. "50 Prozent der Arzneimittel, die über das Internet bezogen werden, sind gefälschte und oft sogar gefährliche Produkte."

Mehr Mohnanbau in Afghanistan

Ein mann arbeitet in einem Mohnfeld in Afghanistan Foto: ddp

Mohnfeld in Afghanistan

In seinen jährlichen Berichten analysiert der Suchtstoffkontrollrat, wo welche Drogen hergestellt werden und auf welchen Wegen sie verbreitet werden. Ein Dauerthema ist die Situation in Afghanistan. "Nachdem im letzten Jahr ein Schädlingsbefall für eine deutlich geringere Opiumernte sorgte, sind die Preise für illegales Opium erwartungsgemäß gestiegen und damit auch der Anreiz zum Anbau", stellt Carola Lander fest. Zwar würden als Beleg für den Kampf gegen den Mohnanbau immer wieder vernichtete Mohnpflanzen vorgezeigt. "Doch diese Zahlen sind verschwindend niedrig im Vergleich zur Anbaumenge". Vielmehr weite sich der Anbau auch auf Provinzen aus, in denen es bisher keine Mohnfelder gab.

Noch größer als beim Mohn, so Lander, sei die Gewinnspanne beim Cannabis-Anbau, der in Afghanistan ebenfalls verboten ist und unter Strafe steht. Der Suchtstoffkontrollrat bescheinigt Afghanistan gewisse Fortschritte in der Gesetzgebung und Strafverfolgung. "Aber es ist fraglich, ob diese Fortschritte von Dauer sein werden, wenn die ISAF-Truppen sich zurückziehen."

Drehscheibe Afrika

Kokainhandel per Speedboot in Westafrika Foto: ddp

Kokainhandel per Speedboot in Westafrika

Auch 2011 führten viele Drogenrouten wieder über Afrika: Südamerikanisches Kokain wird über Westafrika nach Europa transportiert, die Heroin-Routen laufen über Ostafrika. "In Kenia und Tansania wurden 2011 Rekordmengen an Heroin beschlagnahmt", stellt der Suchtstoffkontrollrat fest, der Drogenmissbrauch in der gesamten Region sei gestiegen. Die am meisten missbrauchte Droge in Afrika ist nach wie vor Cannabis. Zu einer neuen Bedrohung sei der Schmuggel von Amphetamin aus Afrika in andere Regionen geworden.

Kriminalität unter Drogeneinsatz steigt weltweit an

Weltweit auf dem Vormarsch sind Verbrechen, die mithilfe von Drogen begangen werden. Die Täter präparieren in Bars oder Cafes Getränke heimlich mit psychoaktiven Substanzen, die geruch- und geschmacklos sind. Das ahnungslose Opfer fällt in einen tiefen Schlaf und wird ausgeraubt oder vergewaltigt.

In einigen Ländern steht das heimliche Verabreichen von Drogen inzwischen unter Strafe. Aber nur ein einziges Land führe routinemäßig Urin- und Blutproben bei Opfern durch, um diesen Straftatbestand aufzuklären, bemängelt der Suchtstoffkontrollrat.

Autorin: Nina Werkhäuser
Redaktion: Sabine Kinkartz

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