1. Inhalt
  2. Navigation
  3. Weitere Inhalte
  4. Metanavigation
  5. Suche
  6. Choose from 30 Languages

Aktuell Deutschland

Drogenbericht: Online-Sucht wird zum Problem

Schwerpunktthema des diesjährigen Drogenberichts der Bundesregierung ist die Computerspiel- und Internetabhängigkeit. Besonders junge Menschen sind betroffen. Aber es gibt auch positive Entwicklungen.

In Deutschland gibt es mehr als eine halbe Million onlinesüchtige Menschen. Hinzu kommt eine große Zahl gefährdeter Nutzer - das geht aus dem Drogen- und Suchtbericht 2016 hervor, den die Bundesdrogenbeauftragte Marlene Mortler (CSU) in Berlin vorgestellt hat. Demnach können von den 14- bis 64-Jährigen etwa 560.000 Menschen als internetabhängig bezeichnet werden, das entspricht etwa einem Prozent dieser Gruppe. Bei den Frauen sind es 0,8 Prozent, bei den Männern 1,2 Prozent.

"Online-Offline-Balance herstellen"

Jüngere Menschen seien häufiger betroffen, heißt es in dem Bericht. So zeigten in der Altersgruppe der 14- bis 24-Jährigen etwa 250.000 oder 2,4 Prozent Anzeichen einer Abhängigkeit, unter den 14- bis 16-Jährigen seien es sogar vier Prozent. In der Altersgruppe der über 25-Jährigen sind dem Bericht zufolge insgesamt etwa 0,7 Prozent wahrscheinlich internetabhängig. Mortler machte die Computerspiel- und Internetabhängigkeit zu einem Schwerpunktthema ihres diesjährigen Berichts. Mit Blick auf Internet- und Computerspielesucht sagte die Politikerin, dass viele Vorbereitungen getroffen worden seien. "Unter anderem befasst sich eine Arbeitsgruppe in meinem Drogen- und Suchtrat intensiv mit dem Thema", sagte Mortler dem SWR. Geplant sei zudem eine Jahrestagung zu dem Thema. Wir müssten "lernen und kapieren, dass wir ganz schnell abhängig werden können von Online-Medien, und mein Ziel ist es, eine sogenannte Online-Offline-Balance herzustellen".

Weniger Alkohol- und Tabakkonsum

Der Bericht zeigt positive Entwicklungen beim Alkohol und Tabakkonsum auf: Die Raucherquote bei Kindern und Jugendlichen hat im vergangenen Jahr einen neuen Tiefstand erreicht. 2015 rauchten nur noch 7,8 Prozent der Zwölf- bis 17-Jährigen. Auch das sogenannte Komasaufen unter Jugendlichen nimmt ab. Allerdings müssen immer noch jedes Jahr in rund 15.500 Fällen Kinder zwischen zehn und 17 Jahren wegen Alkoholvergiftungen ins Krankenhaus eingeliefert werden.

Die Entwicklung bei illegalen Drogen ist stabil. Im SWR verwies Mortler auf Gesetze, die auf den Weg gebracht worden seien, etwa das "Tabak-Produkte-Richtlinien-Gesetz" zu Schockbildern auf Tabak- beziehungsweise Zigarettenpackungen.

Mortler ergänzte: "Wir haben den Bereich E-Zigaretten und E-Shishas unter das Jugendschutzgesetz gestellt, weil wir gesehen haben, hier werden junge Menschen gezielt angefüttert für eine neue Form von Tabak, Zigarette."

Mortler weist Kritik zurück

Kritik an der Drogenpolitik der Bundesregierung wies Mortler zurück. Das Betäubungsmittelgesetz sei wiederholt angepasst worden, unter anderem nach der Kabinettsentscheidung vom Mai, Cannabis als Medizin freizugeben, sagte sie. Experten in ihrem Haus hätten das Gesetz jederzeit im Blick. "Das ist absolut aktuell", sagte Mortler im SWR.

In der Drogenhilfe aktive Verbände und Experten hatten am Montag in ihrem Alternativen Drogenbericht eine Abkehr von der bislang restriktiven Drogenpolitik gefordert. Die Gesetze verhinderten den Konsum verbotener Substanzen nicht, erklärten Kritiker wie die Deutsche Aids-Hilfe. Die Verbände fordern unter anderem eine staatlich kontrollierte Abgabe von Cannabis und flächendeckend Drogenkonsumräume, die es bisher nur in wenigen Bundesländern gebe.

Jedes Bundesland könne für sich entscheiden, ob zum Beispiel Drogenkonsumräume eingerichtet werden, sagte Mortler. Zugleich lehnte sie erneut eine Freigabe von Cannabis ab. "Cannabis als Medizin - ja, unter entsprechenden Bedingungen", sagte sie im ZDF-"Morgenmagazin". Cannabis im Freizeitbereich bleibe aber verboten. Eine Aufhebung des Verbots wäre ein "Signal", dass eine Droge weniger harmlos sei.

Grüne, Linke und auch die FDP fordern seit Längerem eine Freigabe von Cannabis. Die Bundesregierung lehnt das ab. Zumindest schwerkranke Patienten sollen ab dem kommenden Jahr Cannabis auf Kassenrezept bekommen können.

cr/se (dpa, epd, afp)