Dritte Leiche in gestürmter Wohnung bei Paris gefunden | Aktuell Europa | DW | 20.11.2015
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Aktuell Europa

Dritte Leiche in gestürmter Wohnung bei Paris gefunden

In der Wohnung in Saint-Denis nördlich von Paris, die Sonderheiten bei dem Anti-Terror-Einsatz gestürmt hatten, ist eine tote Frau entdeckt worden. Ihre Identität wurde durch Fingerabdrücke geklärt.

Die Staatsanwaltschaft in Paris teilte mit, die Tote sei in der Nacht gefunden worden. Es handele sich um Hasna Ait Boulahcen. Sie sei durch Fingerabdrücke identifiziert worden. Die Frau ist Medienberichten zufolge eine Cousine des belgischen Islamisten Abdelhamid Abaaoud, der als Drahtzieher der Terroranschläge von Paris gilt und bei dem Anti-Terror-Einsatz getötet worden war. Nach Angaben der Staatsanwaltschaft wurde in der Wohnung zudem eine Handtasche sichergestellt , in der sich ein Pass mit dem Namen Hasna Ait Boulahcen befand. Damit gibt es bei der Anti-Terror-Aktion am Mittwoch nun insgesamt drei Tote.

In der Wohnung hatte sich eine Frau mit einer Sprengstoffweste vermutlich selbst in die Luft. Schwerbewaffnete Sondereinheiten hatten am Mittwochmorgen die Wohnung in Saint-Denis gestürmt. Dabei nahmen sie acht Menschen fest. Die Wohnung war bei dem Einsatz durch Explosionen und Schüsse zerstört worden. Die Sucharbeiten kamen deswegen nur langsam voran. Die Polizei-Sonderheiten hatten bei der Aktion rund 5000 Schüsse abgegeben.

Hasna Ait Boulahcen (Foto: Internet)

Ein Internetvideo zeigt Hasna Ait Boulahcen

Gefahr nicht gebannt

Auch nach dem Tod des Terroristen Abaaoud und den Festnahmen hält die französische Regierung die Terrorgefahr für nicht gebannt. "Die Bedrohung hält an", sagte der französische Regierungschef Manuel Valls im Fernsehen. So wisse man nicht, ob es Personen oder Gruppen gebe, die eine direkte Verbindung zu den Anschlägen in Paris oder zu der in Saint-Denis ausgehobenen Extremistenzelle hätten. Dies sei zumindest vorstellbar. Es gebe in Frankreich Personen, die eine reale Gefahr darstellten, sagte der sozialistische Premier weiter. "Diese Personen muss man verfolgen, jagen und unschädlich machen."

Es sei unklar, ob sich der Verdächtige Salah Abdeslam in Frankreich oder Belgien aufhalte, teilte Valls mit. Er soll einer der Attentäter sein, die am Freitag vergangener Woche in offenkundig koordinierten Angriffen in Paris insgesamt 129 Menschen töteten.

Kämpfer des IS in Syrien

Der 28-jährige Abaaoud, ein Belgier mit marokkanischen Wurzeln, gehörte der Terrormiliz "Islamischer Staat" (IS) an, die sich zu den Anschlägen in Paris bekannt hatte. Bislang ist wenig über die Rolle bekannt, die Abaaoud bei den Terrorangriffen spielte. Premierminister Valls sagte, mit Abaaoud sei "einer der Drahtzieher" der Anschläge gestorben. Innenminister Bernard Cazeneuve erklärte, der Islamist sei zudem in vier der sechs seit dem Frühjahr in Frankreich "verhinderten oder vereitelten Attentate" verwickelt.

Abaaoud war eigentlich in Syrien vermutet worden. Wie er unerkannt nach Europa zurückkehren konnte, ist noch unklar. Cazeneuve beklagte, Frankreich habe vor den Anschlägen keinerlei Informationen von den Behörden anderer EU-Staaten über eine mögliche Durchreise des Mannes bekommen. Erst am 16. November, drei Tage nach den Anschlägen, sei Frankreich von einem außereuropäischen Geheimdienst darüber informiert worden, dass sich Abaaoud zu einem Zeitpunkt in Griechenland aufgehalten habe.

Wie nach dem Tod des Terroristen bekannt wurde, hielt sich Abaaoud mindestens ein Mal auch in Deutschland auf. Die Bundespolizei kontrollierte den Belgier am 20. Januar 2014 am Flughafen Köln/Bonn, wie ein Sprecher bestätigte. Als Reiseziel habe er Istanbul angegeben. Belgien habe Abaaoud damals zur Kontrolle im Schengener Informationssystem (SIS) ausgeschrieben. Das bedeutet, es war nicht vorgesehen, den Mann aufzuhalten oder festzunehmen, so der Sprecher weiter.

Schärfere Grenzkontrollen gefordert

Valls forderte vor Hintergrund der Reisen Abaaouds eindringlich schärfere Kontrollen an den EU-Außengrenzen. Sollte die Europäische Union ihrer Verantwortung nicht gerecht werden, sei die Reisefreiheit im Schengen-Raum bedroht, sagte der französische Regierungschef. Die Nachbarländer Frankreichs rief er auf, ihren jeweiligen Zuständigkeiten "angemessen" nachzukommen. Valls sagte weiter, einige Attentäter hätten "die Flüchtlingskrise genutzt", um unbemerkt nach Frankreich zu kommen.

An diesem Freitag beraten die EU-Innen- und Justizminister bei einem Sondertreffen über Europas Anti-Terror-Strategie. Bei der von Frankreich beantragten Konferenz geht es unter anderem um verschärfte Kontrollen der Außengrenzen des Schengen-Raums. Auch die Einrichtung eines Anti-Terror-Zentrums bei der Polizeibehörde Europol und die mögliche Schaffung eines EU-Fluggastdatenregisters stehen auf der Tagesordnung.

kle/mak (dpa, afp, rtr)