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Aktuell Europa

Dritte Festnahme im Mordfall Nemzow

Die russische Polizei hat nach dem Mord an Kremlkritiker Boris Nemzow einen dritten Verdächtigen im Nordkaukasus gefasst. Doch Wegbegleiter zweifeln an den Ermittlungsergebnissen.

Bei den Ermittlungen zum Mord am Kremlkritiker Boris Nemzow ist nach Angaben der Behörden der Nordkaukasusrepublik Inguschetien ein weiterer Verdächtiger festgenommen worden. Damit stieg die Zahl der Festnahmen auf drei. Zwei der Verdächtigen seien die Brüder Ansor und Schagid G., teilte der Chef des Inlandsgeheimdienstes FSB, Alexander Bortnikow, mit, ohne weitere Einzelheiten zu nennen. Der dritte Verdächtige, Saur D., sei einige Zeit in Tschetschenien gewesen, meldete die Agentur Interfax.Der Geheimdienstchef nannte die Namen der Festgenommenen, aber keine weiteren Einzelheiten. Der Nachrichtenagentur RIA sagte Alexander Bortnikow aber, die Verdächtigen stammten aus dem Kaukasus. Präsident Wladimir Putin sei informiert worden. Russland versucht seit Jahren, im Norden der Region einen Aufstand islamistischer Rebellen niederzuschlagen.

Ermittlungen nicht abgeschlossen

"Die operativen und notwendigen Ermittlungen dauern an", sagte der FSB-Chef. Aus Ermittlerkreisen verlautete, das mutmaßlich bei der Tat genutzte Fluchtauto sei relativ schnell gefunden worden. Spuren in dem Fahrzeug hätten bei der Suche nach den Verdächtigen geholfen. Zudem hätten die Ermittler aus dem Bildmaterial der Überwachungskameras in der Nähe des Tatorts scharfe Fotos filtern können. Dennoch sei es zu früh, von einem Durchbruch in dem Mordfall zu sprechen, hieß es. Über eine mögliche Untersuchungshaft solle an diesem Sonntag oder in dieser Woche entschieden werden.

Wegbegleiter Nemzows reagierten zurückhaltend. "Wir hoffen, dass Menschen festgenommen wurden, die tatsächlich etwas mit dem Mord zu tun haben, dass dies kein Fehler ist, sondern das Ergebnis einer guten und qualitativen Arbeit der Sicherheitsorgane", sagte der Oppositionspolitiker Ilja Jaschin. Sollte der Schütze unter den Verdächtigen sein, müssten aber auch die Hintermänner gefunden werden, forderte er.

Ein Auftragsmord?

Der 55-jährige Oppositionspolitiker Nemzow war am 27. Februar in der Nähe der Kremlmauer von einem Unbekannten hinterrücks erschossen worden. Die russischen Behörden gehen von einem politisch motivierten Auftragsmord aus und verfolgen unterschiedliche Spuren, unter anderem mit nationalistischem oder extremistischem Hintergrund. Kritiker vermuten die Verantwortlichen indes im Umfeld des Kremls. Die russische Führung hat jedoch jegliche Verwicklung in das Attentat zurückgewiesen.

Nemzow war ein Gegner von Präsident Putin. Nach Informationen aus seinem Umfeld arbeitete Nemzow bis kurz vor seinem Tod an einem Bericht über die Rolle Russlands im Ukraine-Konflikt.

as/qu (dpa, rtr, afp)

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