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Politik

Dringend Gesucht: Millionäre

Thailand auf Lebenzeit – so dachte sich das die Regierung und führte eine VIP-Karte für reiche Touristen ein. Eine clevere Idee, die allerdings nur sehr schwer anläuft.

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Anstatt mit mürrigen Mitfliegern endlose Schlangen vor den Einwanderungsschaltern am Flughafen zu bilden, sitzt man kurz nach Ankunft in einer Limousine. Die bringt einen in ein luxuriöses Haus, wo man - vielleicht mit einem Mai-Tai in der Hand - ins Land eincheckt. Ein paar Nächte im Jahr darf man umsonst im Oriental-Hotel - für viele das beste Hotel Thailands - nächtigen. Eine Handvoll von Luxus-Dinnern in den besten Restaurants Bangkoks ist auch drin, ganz zu schweigen von Spa-Besuchen. Die Idee ist banal, doch genial: Letztes Jahr führte Thailand die Elite-Card ein, der Welt erster Mitgliederclub für ein ganzes Land - und noch dazu für ein paradiesisches wie Thailand.

VIP auf Lebenszeit

Schlappe 25.000 Dollar kostet die Mitgliedschaft auf Lebenszeit - Peanuts für die Zielgruppen: betuchte Touristen und die Business-Elite sollen sich aufgefordert fühlen, dem exklusiven Club beizutreten. Aber sie wollen nicht. Die Firma Thailand Privilege Card Co., die die Mitgliedschaften managt und die zu 100 Prozent der Thailändischen Tourismusbehörde untersteht, ging von 100.000 Mitgliedern im ersten Jahr aus. Doch nur knapp 600 holten sich die Eintrittskarte ins touristische Paradies - mehr als 99.000 weniger als erhofft. Bis heute sind es nicht einmal 1000.

Nun hat Thailand Privilege Card Co. vor, allein dieses Jahr 2000 neue Mitglieder zu gewinnen. Und 20.000 bis zum Jahr 2010. Ab nächsten Monat will sie verschiedene Märkte deshalb gezielter mit drei speziellen Karten abdecken.

Elite-Moment sei ideal für den Luxus-Urlauber, der scharf auf Golfen, Shopping und Yachting ist. Elite-Connection sei interessant für Investoren, denen unter anderem Unternehmensberater zur Seite stehen. Elite-Living sei attraktiv für diejenigen, die sich nach der Pensionierung in Thailand niederlassen möchten - sie bekämen zum Beispiel kostenlose Behandlungen in Luxuskrankenhäusern.

Eine Renovierung der Idee scheint dringend nötig, schafften es die thailändischen Tourismusmanager, die die Karte dieses Jahr zum zweiten Mal auf der Berliner Internationalen Tourismusbörse präsentierten, bei ihrer Rückkehr nicht, die enttäuschten Mienen zu verstecken. Die Elite-Card ging in Berlin unter - selbst den Deutschen, der Thailänder liebstes Kind auf Zeit, konnte man das Konzept nicht aufschwatzen.

Der Dschungel des Gesetzes

Dabei sind die Vorzüge der VIP-Karte nicht ohne, doch das eine, was viele sich von der Karte erhofften, gibt Thailand ihnen nicht: das Recht, Land zu kaufen. Viele asiatische Unternehmer waren vor Freude ganz blass, als Thailands Premierminister Thaksin Shinawatra ihnen versprach, dass sie mit der Elite-Card dieses bisher nur Thailändern vorbehaltene Recht erwerben würden. Thaksin aber hatte zu schnell zuviel versprochen: Nach Protesten im Parlament zog er den Vorschlag zurück - und die Unternehmer ließen ihr Geld in der Tasche. Denn Sonderangebote für Luxushotels und Flugtickets findet jeder rasch im Internet selbst. Dafür gebraucht es keiner 25.000 Dollar (plus einer "Wartungsgebühr" von 1000 Dollar jährlich).

Zwar bietet Thailand Privilege Card Co. Mitgliedern an, Land, für das sie sich interessieren, für sie zu erwerben, aber noch haben sich die Gesetzeshüter Thailands nicht darüber geeinigt, ob dies überhaupt legal ist. Und solange einem Mitglied dadurch eventuelle Strafverfolgung droht, lassen viele die Finger davon.

Warum die Regierung die schlappe Karte nicht einfach verwirft, hat nichts mit Nationalstolz oder Trotz zu tun – schon eher mit Angst. Immerhin war die Karte ein Gedankenblitz Thaksins, und wer würde schon wagen, dessen Ideen zu kritisieren. Der tatsächliche Wert der Karte aber liegt für das Land nicht in den Einnahmen durch Mitgliedergebühren, sondern in den Mitgliedern selbst. Jeder einzelne neue Karteninhaber kann viele Millionen Dollar in Investitionen bedeuten, und er hat gewiss Geschäftsfreunde, die er für die Karte gewinnen kann. Mag die VIP-Karte kein Produkt made in Thailand sein, auf das das Land stolz sein kann – sie bildet eine grandiose Datei für potenzielle internationale Investoren.

  • Datum 16.05.2005
  • Autorin/Autor Patrick Tippelt
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  • Permalink http://p.dw.com/p/6eFc
  • Datum 16.05.2005
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