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Sport

Dressurreiten

Pirouetten, Passagen und Piaffen. Die Begriffe aus dem Dressursport hören sich kompliziert an und der Sport selber ist es auch. Aber wenn ihn eine Nation bei Olympischen Spielen beherrscht, dann sind es die Deutschen.

Piktogramm für den Reitsport bei den Olympischen Sommerspielen 2008 in Peking, China. Foto: +++(c) Picture-Alliance / ASA+++

Im Dressurviereck kommt es anders als beim Springreiten nicht auf eine fehlerfreie und schnelle Bewältigung von Hindernissen an. In der klassischsten aller Reitsportdisziplinen müssen die Pferde vielmehr mehrere vorgegebene Bewegungsabläufe, sogenannte Lektionen, exakt meistern. Sie bewegen sich dabei in den Grundgangarten Schritt, Trab und Galopp mal vorwärts, mal seitwärts und mal rückwärts. Auch verschiedene Drehungen und Wendungen, z.B. sogenannte Pirouetten und Piaffen, werden von den Punktrichtern bewertet.

„Es hat wirklich was mit Kunst zu tun“

Die Deutsche Reiterin Ingrid Klimke erklärt, dass sich ein gutes Dressurpaar durch die Harmonie zwischen Reiter und Pferd auszeichnet: „Im Prinzip muss die Hilfengebung so unsichtbar sein, dass man das Gefühl hat, es hat wirklich was mit Kunst zu tun. Die Zuschauer dürfen gar nicht sehen, was der Reiter für Hilfen gibt. Es muss so aussehen, als tanzten die Pferde alleine über das Viereck.“

Die 21-jährige deutsche Dressurreiterin Nicole Uphoff zeigt am 24.09.1999 bei den Olympischen Sommerspielen auf ihrem Pferd Rembrandt ihren Vortrag im Mannschaftswettbewerb. Die Duisburgerin gewinnt am Ende mit der deutschen M;annschaft die Goldmedaille und siegt mit 1521 Punkten auch in der Einzelkonkurrenz.

Der Tanz der Pferde

Die Dressur ist seit 1912 Olympische Reitsportdisziplin, an der zunächst aber nur Offiziere teilnehmen durften. So kam es, dass 1948 in London die schwedische Siegermannschaft disqualifiziert wurde. Unteroffizier Gehnäll Persson hatte sich seine Offiziersuniform nämlich nur geliehen. Noch im selben Jahr wurde die „Offiziersregel“ aber abgeschafft. So war der Weg für Persson und Co. frei für zweimal Gold 1952 und 1956. Die halbseitig gelähmte Dänin Lis Hartel war 1952 die erste Frau, die mit Silber eine Dressurmedaille gewann.


Reiner Klimke und sein Pferd „Ahlerich“ sind unvergessen

Dr. Reiner Klimke auf Ahlerich 1987 in Aachen. (AP Photo/Edgar R. Schoepal)

Dr. Reiner Klimke auf Ahlerich 1987 in Aachen.

Der erfolgreichste Olympiareiter aller Zeiten ist der Deutsche Reiner Klimke, der 1999 im Alter von 63 Jahren viel zu früh verstarb. Er nahm bis 1988 an sechs Sommerspielen teil und gewann sechsmal Gold und zweimal Bronze. Die Wiederholung seines Doppel-Olympiasieges von 1984 glückte ihm bei der letzten Teilnahme in Seoul nicht. Seine Tochter Ingrid saß damals auf der Tribüne und erinnert sich an den Moment, in dem ihr Vater das Einzelfinale verpasste: „Sein Pferd Ahlerich war immer für kleine Überraschungen gut, weil er sein Umfeld genau beobachtete. Auf einmal standen ganz viele Kinder auf der Tribüne auf mit ihren bunten Gewändern und flatternden Fahnen. Ahlerich guckte hin und hat erst mal die Einer- und Zweierwechsel vermasselt. Man merkte wirklich, dass er total abgelenkt war.“

Schon seit Jahrzehnten wird der Dressursport von Reiterinnen dominiert. So gelang es seit 1972 nur Reiner Klimke den Siegeszug der Amazonen im Einzelwettbewerb einmal zu unterbrechen. Zweimal triumphierte zuletzt die Niederländerin Anky van Grunsven. Dressurreiter aus Deutschland sicherten sich insgesamt aber schon siebenmal den Einzelsieg.


Deutschland seit 24 Jahren ohne Niederlage

Die deutsche Dressur-Mannschaft bei den Olympischen Spielen 2004 in Athen (von links nach rechts): Hubertus Schmidt, Heike Kemmer, Ulla Salzgeber und Martin Schaudt (epa/dpa Frank May)

Gold für die deutschen Dressurreiter in Athen

Noch besser liest sich für sie die Mannschaftsbilanz. Die Deutschen triumphierten elfmal und sind seit 1984 ungeschlagen. Ein Selbstgänger werde die Titelverteidigung aber trotz dieser tollen Serie nicht, glaubt Klimke: „Die anderen Nationen sind auf dem Vormarsch und haben zum Teil auch tolle Pferde. Man kann nicht sagen, dass sich unsere Reiter entspannt zurücklehnen können und das Gold von alleine mit nach Hause nehmen. Da werden die auch richtig für kämpfen müssen.“

Einen besonderen Rekord stellte übrigens die Engländerin Lorna Johnstone auf. Als sie 1972 in München an den Dressurwettbewerben teilnahm, war sie schon 70 Jahre alt. Sie ist damit die älteste Sportlerin, die je bei Olympischen Sommerspielen an den Start gegangen ist.