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Musik

Dresdner Sinfoniker erinnern an den Völkermord in Armenien

Ein Orchester aus deutschen, türkischen und armenischen Musikern setzt in Berlin 100 Jahre nach dem Genozid ein Zeichen der Versöhnung. "Aghet" heißt das Projekt der Dresdner Sinfoniker, das an die Katastrophe erinnert.

Der Genozid an den Armeniern im Jahr 1915 gilt als die erste systematische Vernichtung eines Volks. Durch Massaker und Todesmärsche verloren rund 1,5 Millionen Menschen ihr Leben. Bis heute wird dieser Völkermord von der türkischen Regierung nicht anerkannt, das Wort darf offiziell nicht einmal erwähnt werden.

100 Jahre später erinnern Künstler weltweit an den Genozid. Ein ganz besonderes Konzertprojekt der Dresdner Sinfoniker feiert am Freitag (27.11.2015) im Berliner Veranstaltungsort Radialsystem Premiere: "Aghet" soll ein Zeichen der Versöhnung setzen. Abgeleitet ist das Wort vom türkischen Klagelaut "ağıt"; als "Aghet", die Katastrophe, bezeichneten armenische Schriftsteller die Verbrechen, die bei der Vertreibung ihres Volks aus der Türkei begangen wurden.

Im Konzert spielen die Dresdner Sinfoniker Werke einer türkischen Komponistin und eines armenischen und eines deutschen Komponisten. Am Pult dirigiert Andrea Molino Musiker aus der Türkei und Armenien sowie Mitglieder des "No Borders Orchestra". Letzteres, das aus Musikern aus den ehemaligen jugoslawischen Staaten besteht, ist ebenfalls ein Versöhnungsprojekt, tobte in den Balkanstaaten in den 1990er Jahren doch ein blutiger Bürgerkrieg.

"Massaker, hört ihr MASSAKER!"

Initiiert wurde das Projekt "Aghet" von Marc Sinan in enger Zusammenarbeit mit den Dresdner Sinfonikern. Sinans armenische Großmutter verlor ihre Eltern bei den Deportationen nach dem 24. April 1915. Der Gitarrist mit deutschen, armenischen und türkischen Wurzeln übernimmt den Solopart in

Helmut Oehrings

Stück "Massaker, hört ihr MASSAKER!" für Sologitarre, Stimme, Frauenchor und Streichorchester. Zu seinem kompositorischen Ansatz schrieb Oehring: "Die Partitur soll ein Kraftfeld darstellen, in dem erlittene Verletzungen und Vernichtung umgewandelt werden in eine neue Energie, eine Art seelisches Proviant für die Kommenden."

Gedizlioglu Zeynep

Zeynep Gedizlioğlu erhielt beim Beethovenfest 2013 von der DW einen Kompositionsauftrag

Ebenfalls uraufgeführt wird "Isimsiz/ Notizen für den Schweigenden" für Streichorchester. Es ist nicht das erste Werk, das die junge türkische Komponistin

Zeynep Gedizlioğlu

zum Thema geschrieben hat: Gedizlioğlus Streichquartett "Susma" (Schweige nicht!) ist dem armenischen Journalisten Hrant Dink gewidmet, der im Januar 2007 in Istanbul auf offener Straße von einem türkischen Nationalisten ermordet wurde. Gedizlioğlu, die vor Ort war, hörte damals die Schüsse und verarbeitete das Geschehen musikalisch.

Armenische Flöte trifft auf deutsche Bratsche

Beim Konzertprojekt "Aghet" erfährt auch ein Werk des armenischen Tonschöpfers

Vache Sharafyan

seine deutsche Erstaufführung. Bei "Surgite Gloriae", einem Doppelkonzert für Viola und Duduk, übernehmen der deutsche Bratschist Matthias Worm und der armenische Duduk-Solist Araik Bartikian die Soloparts. Die Duduk-Flöte gilt als armenisches Nationalinstrument. Sharafyan, der in Eriwan lebt und lehrt, hat durch seine Stücke weltweites Aufsehen erregt und komponiert unter anderem für das Silk Road Ensemble, ein viel beachtetes interkulturelles Projekt des amerikanischen Cellisten Yo-Yo Ma.

Szene aus Wiegenlieder

Helmut Oehring ist ein vielfach ausgezeichneter Komponist

Nach "Hasretim" und "Dede Korkut" ist "Aghet" der dritte und letzte Teil einer Trilogie, in der sich die Dresdner Sinfoniker mit der Geschichte und Kultur Anatoliens und der Kaukasusregion beschäftigen.

Nach den Aufführungen in Berlin am 27. und 28. November folgen eine weitere Aufführung in Dresden am 29. April 2016 sowie eine Tournee nach Belgrad, Eriwan und Istanbul 2016. Letzterer Auftritt gilt als politisch besonders brisant, da der Völkermord an den Armeniern von offizieller türkischer Seite weiterhin geleugnet wird.

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