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Bücher

Dreimal Erster: Kulturstaatsministerin Grütters vergibt Deutschen Buchhandlungspreis

Er soll Online-Kunden zurück in die Läden locken - und innovative Konzepte fördern: Mit dem Buchhandlungsspreis hat Monika Grütters zum dritten Mal unabhängige Buchhandlungen in ganz Deutschland ausgezeichnet.

Der erste Preis mit Gütesiegel und jeweils 25.000 Euro Preisgeld wurde dreimal vergeben: Sieger sind die "M. Lengfeld'sche Buchhandlung" in Köln (Artikelbild), "die schatulle lies - weise" bei Bremen und die Kinderbuchhandlung "Findus" in Tharandt. Insgesamt wurden 117 unabhängige und inhabergeführte Buchhandlungen mit dem Gütesiegel geehrt: Buchhandlungen aus Düsseldorf, Braunschweig, Dresden, Stralsund und Schmalkalden in Thüringen wurden mit einer Prämie von 15.000 Euro ausgezeichnet. Die weiteren Buchhandlungen erhielten jeweils 7000 Euro. Insgesamt wurden Preisgelder in Höhe von 850.000 Euro vergeben.

"Buchhandlungen, die sich um ein anspruchsvolles Sortiment literarischer Werke und Sachbücher bemühen, sind und bleiben das Rückgrat der Buchkultur in unserem Land", erklärte Grütters. Beeindruckend seien besonders die vielen Literaturorte auch abseits der Metropolen.

Innovative Ideen werden belohnt

Ziel des Preises sei es, Aufmerksamkeit zu schaffen und Online-Kunden in die Buchläden zurückzuholen, sagte Grütters: "Wir wenden uns gegen die Degradierung eines Kulturguts zur bloßen Handelsware, gegen die Bewirtschaftung einer geistigen Monokultur, in der nur noch das überlebt, was hohe Verkaufszahlen hat." Dazu seien neben der Buchpreisbindung die Buchläden "um die Ecke" mit ihren engagierten Buchhändlerinnen und Buchhändlern nötig.

Der Preis zeichnet inhabergeführte Buchhandlungen mit innovativen Geschäftsmodellen aus, die ein literarisches Sortiment oder ein kulturelles Veranstaltungsprogramm anbieten oder sich im Bereich der Lese- und Literaturförderung engagieren. Voraussetzung ist, dass der durchschnittliche Jahresumsatz der Buchhandlungen in den vergangenen drei Jahren unter einer Million Euro lag.

Deutsche lieben ihre Bücher

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Kultur.21 - Spezial: Gutenberg im CyberstormVom Wert des Buches im digitalen Zeitalter

Kulturstaatsministerin Grütters hat den Buchhandelspreis gemeinsam mit dem Deutschen Börsenverein und der Kurt Wolff Stiftung zum dritten Mal verliehen. Eine aus sieben Mitgliedern bestehende Jury, darunter Berlinale-Chef Dieter Kosslick, hatte die Buchhandlungen zur Auszeichnung vorgeschlagen. Es gab 502 Bewerber für das Gütesiegel. "Alle Buchhändler sind außerordentlich engagiert und arbeiten auf einem extrem hohen Leistungsniveau, teilweise bis zur Selbstausbeutung, sie beweisen einen großartigen Einfallsreichtum", sagte Jurymitglied Jochen Mende, Geschäftsführer der Prolit Verlagsauslieferung, dem Börsenblatt. Gleichzeitig kritisierte er, dass die Unterstützung der Buchhändler größer sein könnte: "Die Filmwirtschaft wird viel umfangreicher gefördert, erwirtschaftet aber weniger als ein Drittel des Umsatzes der Buchbranche. Wieso gibt es noch keinen Mietkostenzuschuss für Buchhandlungen und keinen Programmkostenzuschuss für unabhängige Verlage? Da sollte sich etwas bewegen." 

Der Buchhandel hat in Deutschland eine lange Tradition. Hier erfand Johannes Gutenberg um 1450 den modernen Buchdruck. Seine Idee, bewegliche Lettern zu verwenden, löste in Europa eine Medienrevolution aus und gilt als Schlüsselelement der Renaissance. Die Deutschen lieben ihre Bücher - daran hat auch die Digitale Revolution nicht viel verändert: Am liebsten halten deutsche Leser weiterhin ihr gedrucktes Buch in der Hand. Der Anteil der E-Books am Umsatz ist mit 4,6% in den vergangenen drei Jahren kaum gewachsen. 

Bild von Johannes Gutenberg, um 1456 (Getty Images)

Seine Idee war revolutionär: Johannes Gutenberg erfand den modernen Buchdruck

Kleine Läden sind gefragt

Nach den USA ist der deutsche Buchmarkt der zweitgrößte der Welt. Das Buch verteidigt seinen Platz zwischen den modernen Medien recht erfolgreich, die Absatzzahlen der vergangenen zehn Jahre bleiben stabil. Doch der Sortimentsbuchhandel hat zu kämpfen. Die Zahl der Buchhandlungen schrumpft seit Jahren, allerdings mittlerweile auf moderatem Niveau. 2016 zählte der Börsenverein des Deutschen Buchhandels 4674 Mitglieder, im Jahr zuvor waren es 4724. Insgesamt gibt es derzeit etwa 5750 Buchhandlungen in Deutschland. Etwa 90 Prozent der Buchhandlungen sind kleine, unabhängige Läden. "Besonders erfolgreich sind Buchhandlungen, die sich als kultureller und gesellschaftlicher Treffpunkt in der Stadt oder im Viertel positionieren: Durch Veranstaltungen wie Lesungen, Diskussionen, ein Kinderprogramm oder Kooperationen mit Schulen, Kindergärten oder anderen Einzelhändlern steigern sie ihre Bekanntheit und werden fester Teil des Stadt- oder Ortslebens. Auch innovative Ladenkonzepte oder eine klare Spezialisierung auf eine Nische zahlen sich aus", erklärte Thomas Koch, Pressesprecher des Börsenvereins des Deutschen Buchhandels, der DW. 

Der Sortimentsbuchhandel hatte 2016 mit 4,4 Milliarden Euro noch immer den mit Abstand größten Anteil am Gesamtumsatz des Buchmarktes: 47,3%. Zum Vergleich: Der Internetbuchhandel mit Marktführer Amazon kam nach Schätzungen des Börsenvereins auf 1,7 Milliarden (18,2 Prozent, +5,3 Prozent). 

ka/bb (dpa/boersenverein.de)

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