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Aktuell Amerika

Dreifacher Terroralarm in kanadischer Hauptstadt

Spektakuläre Feuergefechte in Kanada: Bei einem Anschlag in Ottawa haben Unbekannte ins Parlamentsgebäude geschossen und einen Soldaten am Weltkriegsdenkmal getötet. Schüsse fielen auch einem Einkaufszentrum.

Bei dem Angriff auf das Parlament wurde einer von möglicherweise drei mutmaßlichen Tätern bei einem Schusswechsel mit der Polizei getötet. Mindestens ein weiterer mutmaßlicher Angreifer sei noch flüchtig, hieß es. Ein Wachsoldat, der im Parlament angeschossen wurde, kam mit Verletzungen ins Krankenhaus. Inzwischen wurden zwei weitere Verletzte in Kliniken gebracht.

Arbeitsminister Jason Kenney kondolierte über Twitter der Familie des getöteten Soldaten und erklärte, er bete für den verwundeten Wachmann am Parlamentsgebäude. "Kanada wird sich nicht terrorisieren oder einschüchtern lassen", erklärte Kenny.

Islamisten-Attacke bei Montréal

Die Attacken erschüttern Kanada in einer Phase, da es sich kaum von einem Angriff auf zwei Soldaten am Montag erholt hat. Ein polizeibekannter Islamist hatte mit seinem Auto die beiden Militärs auf einem Supermarktparkplatz bei Montréal überfahren und einen der beiden tödlich verletzt. Auf der Flucht überschlug sich der 25-Jährige mit seinem Auto, doch ging er anschließend mit einem Messer auf die Polizei los, die ihn erschoss.

Die Regierung sprach von einem Terrorangriff und setzte die Alarmstufe von niedrig auf mittel hoch. Die kanadische Luftwaffe soll demnächst die US-geführte Militärallianz unterstützen, die Stellungen der Dschihadistengruppe Islamischer Staat (IS) im Irak und Syrien angreift. Die Extremisten haben ihre Anhänger in aller Welt zu Angriffen auf Bürger von Staaten aufgerufen, die sich an der Militäroperation beteiligen. Dabei nannte die Gruppe ausdrücklich Angriffe mit Autos. Unklar ist, ob radikale Islamisten auch hinter den Angriffen von Ottawa stehen und ob es einen Zusammenhang zwischen allen drei Taten gibt.

Etwa 30 Schüsse

Das Fernsehen zeigte dramatische Bilder aus dem Parlamentsgebäude, bei denen schwer bewaffnete Polizeibeamte auf der Suche nach den Tätern geduckt über die Gänge liefen, als Schüsse fielen. Einige Parlamentarier twitterten, dass während der Sitzung etwa 30 Schüsse zu hören gewesen seien. Premierminister Stephen Harper, der sich auch im Gebäude befand, wurde umgehend in Sicherheit gebracht. US-Präsident Barack Obama werde laufend über die Lage informiert, berichtete der amerikanische TV-Sender CNN.

Die Betreiber des Einkaufszentrums teilten über Twitter mit, das Gebäude sei nach den Schüssen geräumt worden. Die Shopping Mall liegt unweit des Parlaments. Die Polizei nahm Ermittlungen auf.

Die ersten Schüsse fielen nach Angaben der Polizei am Denkmal in der Nähe des Parlaments. Passanten versuchten, dem getroffenen Soldaten erste Hilfe zu leisten. Sanitäter nehmen eine Herzdruckmassage vor. Einige Stunden später erlag der Verwundete seinen Verletzungen. Zeugen berichteten, ein langhaariger Mann habe mehrere Schüsse abgefeuert und sei dann mit einem Gewehr zum Parlamentsgebäude gegangen. Am Eingang soll er mit dem Gewehr mehrfach in das Gebäude geschossen haben. Die Polizei sperrte das Gebiet weiträumig ab und forderte alle Passanten auf, sich vom Parlamentshügel fernzuhalten.

Polizisten gehen in der Nähe des Parlaments in Deckung (Foto: Reuters)

Polizisten gehen in der Nähe des Parlaments in Deckung

US-Botschaft abgeriegelt

Das Gebiet in einem Park unmittelbar am Fluss Ottawa ist sonst frei zugänglich, Tausende Touristen lassen sich jeden Tag mit den Wachen fotografieren. Alle Polizeiwachen schlossen ihren Besucherverkehr. Die Polizei forderte alle Bürger in der Innenstadt von Ottawa auf, sich nicht am Fenster zu zeigen oder auf Dächer zu gehen. Die US-Botschaft wurde abgeriegelt, die Mitarbeiter wurden aufgefordert, ihre Jalousien herunterzuziehen. Das Denkmal für die Kriegstoten ist unmittelbar am Parlamentspark, nur durch eine Straße getrennt. Die Ehrenwache ist zwar bewaffnet, die Sturmgewehre dienen aber rein repräsentativen Zwecken. Das Denkmal wurde 1939 für die Toten des Ersten Weltkrieges eingeweiht und dient inzwischen auch dem Gedenken der Opfer anderer Kriege.

kle/sti (afp, dpa, rtr, ape)