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Deutschland

Dreifach-Triumph für deutsche Erfinder

Deutsche Erfindungen sind immer noch Weltklasse. Das zeigte sich auf der Gala des European Inventor Award 2010 in Madrid: drei deutsche Erfinderpaare wurden prämiert.

Verleihung des European Inventor Award 2010 in Madrid (Foto: EPA)

Preisverleihung in Madrid

Bioplastik, Fußballmoleküle, GPS-Technologie, Wasserstoff-Brennstoffzellen und dreidimensionale Scansysteme - die Entwicklungen der Gewinner des European Inventor Awards 2010 reichen von Umweltschutz über Kernphysik und Informationssysteme bis hin zur satellitengestützten Navigation. Und deutsche Erfinder sind ganz vorn mit dabei, wenn es um Innovationen geht. Das Europäische Patentamt (EPA) vergab in Madrid drei der vier Preise am Mittwoch (28.04.) an deutsche Erfinder.

Gewinner des Europäischen Erfinderpreises 2010 in der Kategorie Lebenswerk Die von Krätschmer entwickelte Synthese von C60-Kohlenstoffmolekülen (Fullerenen) ermöglicht die Entwicklung neuer Schmier- und Treibstoffe. (Foto: European Patent Organisation)

Wolfgang Krätschmer


In der Kategorie Physik erhielt Wolfgang Krätschmer den Preis für sein Lebenswerk. Krätschmer hatte ein ganz neues Forschungsgebiet entdeckt. Sein Verfahren erlaubt die Herstellung von Fullerenen, einer neuen Gruppe von Kohlenstoffen für Forschungszwecke. Damit gelang dem Physiker ein wegweisender Schritt zu neuen Werkstoffen. Erst dank seiner Arbeit konnten die auch „Fußballmoleküle“ genannten Kugeln umfassend erforscht werden. Innerhalb kürzester Zeit wurden seither hunderte von neuen Anwendungen für Fullerene patentiert. Durch ihre Hitzebeständigkeit, Halbleitereigenschaften und ihre supraleitenden Fähigkeiten finden die Kohlenstoffe heute weltweit Verwendung in innovativen Schmierstoffen, Brennstoffen und neuartigen Supraleitern.

Gewinner des Europäischen Erfinderpreises 2010 in der Kategorie Forschung: Jürgen Pfitzer (r.) und Helmut Nägele. (Foto: European Patent Organisation)

Pfitzer (r.) und Helmut Nägele

Flüssigholz Arboform in der Autoindustrie gefragt

Mit den beiden Deutschen Jürgen Pfitzer und Helmut Nägele wurden zwei Erfinder in der Kategorie Forschung ausgezeichnet. Die beiden Ingenieure haben mit dem Flüssigholz Arboform einen Durchbruch im nachhaltigen Umgang mit nachwachsenden Rohstoffen entwickelt. Das Grundmaterial dieses Werkstoffs ist Lignin, das bei der Papier und Zellstoffproduktion in großen Mengen anfällt. In Verbindung mit anderen Naturfasern lässt sich Lignin zu einem leicht formbaren Biokunststoff verarbeiten, der auch wieder in ökologisch unbedenkliche Bestandteile zerfällt. Vor allem in der Automobilindustrie ist die Nachfrage nach Arboform groß. Durch die holzähnliche Optik und hohe Verformbarkeit bietet es neue Möglichkeiten im Innenraumdesign. Es wird auch bei Möbeln, Spielzeug und Uhren eingesetzt.

Sie erfanden ein freidimensionales Scan- und Messsystem: Albert Markendorf und Raimund Loser (r)

Albert Markendorf und Raimund Loser (r)


Als dritten Deutschen prämierte die Jury Raimund Loser und seinen Schweizer Kollegen Albert Markendorf in der Kategorie Industrie für ihr dreidimensionales Scan- und Messsystem. Ihr tragbarer Laserscanner kann neben Entfernungen gleichzeitig auch den Winkel bestimmen, in welchem der Laserstrahl reflektiert wird. Das dreidimensionale Ergebnis ermöglicht eine bis dahin unerreichte Detailgenauigkeit und Messeffizienz, beispielsweise in Design- und Entwicklungsprozessen der Automobilindustrie.

Antonio Tajani, Vizepräsident der Europäischen Kommission und EU-Kommissar für Industrie und Unternehmen, erklärkte nach der Preisverleihung: "Die Auszeichnung 'European Inventor of the Year' zeigt, dass Europa bei der Entwicklung bahnbrechender Erfindungen weiter ganz vorne liegt. Hier werden herausragende Beispiele dafür gewürdigt, wie technische Innovation und Marketingstrategien zum Nutzen der Wirtschaft erfolgreich zusammenwirken können - und zudem die Lebensqualität von Millionen Menschen auf der ganzen Welt verbessern."

Antworten auf Herausforderungen unserer Zeit finden

Die Nominierungen zum European Inventor Award erfolgen über die Selbstbewerbung von Unternehmen sowie auf Vorschläge der Patentprüfer der nationalen Patentämter und des EPA. Nach Prüfung von Experten des EPA werden sie der Jury vorgelegt. Zu den früheren Gewinnern des Award zählen der Vater der Solartechnik, Adolf Goetzberger, Physik-Nobelpreisträger Peter Grünberg, AIDS-Forscher Erik De Clercq und der Erfinder des Mikroprozessors, Federico Faggin.

Gemeinsam mit der Europäischen Kommission zeichnet das EPA jährlich bedeutende Erfindungen mit dem angesehenen Innovationspreis aus. Der nicht dotierte Preis wird in den vier Kategorien Lebenswerk, Industrie, Forschung und außereuropäische Staaten verliehen. Geehrt werden Erfinder und Erfinderteams, die mit ihren Arbeiten Antworten auf die Herausforderungen unserer Zeit geben und so zu Fortschritt und Wohlstand beitragen.

Autor: Arne Lichtenberg
Redaktion: Hartmut Lüning

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