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Aktuell Asien

Drei Tote bei Ausschreitungen wegen Facebook-Eintrag

In Pakistan sind eine Anhängerin der religiösen Minderheit der Ahmadi und zwei ihrer Enkeltöchter Opfer eines wütenden Mob geworden. Auslöser der Hassattacke war ein mutmaßlich gotteslästerlicher Eintrag bei Facebook.

Der angeblich blasphemische Facebook-Eintrag stammte von einem 17-Jährigen, der, wie die Frauen, Mitglied der Ahmadi-Gemeinde in Gujranwala in der Provinz Punjab ist. Der Jugendliche hatte nach Polizeiangaben mit einem Eintrag über die Kaaba in Mekka im sozialen Netzwerk Facebook die Wut eines muslimischen Freundes entfacht. Die beiden Jugendlichen gerieten demnach auf offener Straße aneinander.

Hunderte Schaulustige versammelten sich während der Auseinandersetzung in Gujranwala, etwa 220 Kilometer südöstlich von Islamabad. Die Situation eskalierte, es kam zu gewaltsamen Ausschreitungen. Eine aufgebrachte Menschenmenge stürmte nach Polizeiangaben mehrere Häuser der Ahmadi-Gemeinde, plünderte sie und setzte sie in Brand (Artikelbild).

Die Großmuttter und ihre ein und sieben Jahre alten Enkeltöchter erstickten laut Polizeiangaben in den Flammen, acht weitere Anwohner wurden verletzt. Der Jugendliche, der den angeblich den Islam beleidigenden Facebook-Eintrag gemacht haben soll, blieb demnach unverletzt. Die Polizei leitete Ermittlungen wegen des Vorwurfs der Gotteslästerung ein.

In Pakistan werden immer wieder religiöse Minderheiten wie Ahmadis, Hindus, Sikhs oder die kleine christliche Gemeinde Opfer religiösen Hasses der mehrheitlich muslimischen Bevölkerung. Die Ahmadis folgen ihrem selbst ernannten Propheten Ghulam Ahmad, der im 19. Jahrhundert lebte und bezeichnen sich selbst als Muslime. Laut pakistanischem Recht gelten sie aber nicht als Muslime.

Anhänger religiöser Minderheiten in Pakistan klagen über Diskriminierung besonders im Zusammenhang mit den international umstrittenen Blasphemiegesetzen des Landes. Die Beleidigung des Islam gilt in Pakistan als Verbrechen und kann mit einer bis zu lebenslänglichen Freiheitsstrafe oder sogar der Todesstrafe geahndet werden. Allein in diesem Jahr wurden nach Angaben einer pakistanischen Menschenrechtsorganisation bereits rund 100 Menschen wegen Blasphemie vor Gericht angeklagt.

Nach Einschätzung von Menschenrechtlern werden die Anschuldigungen wegen Gotteslästerung oft genutzt, um persönliche Rechnungen zu begleichen.

qu/kle (rtr, dpa, afp, APE)