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Politik

Drei Tote bei Angriff auf christlichen Verlag in der Türkei

Bei dem Überfall auf einen Bibelverlag in Malatya ist auch ein Deutscher gestorben. Bundesaußenminister Frank-Walter Steinmeier hat die Tat scharf verurteilt und die Türkei aufgefordert, den Fall restlos aufzuklären.

Die türkische Polizei trägt ein Todesopfer aus dem Verlagsgebäude.

Die Polizei trägt ein Todesopfer aus dem Verlagsgebäude

Bei einem blutigen Überfall auf das christliche Verlagshaus Zirve in Malatya im Osten der Türkei sind am Mittwoch (18.4.) drei Menschen getötet worden, darunter auch ein Deutscher. Die Täter schnitten ihren Opfern die Kehlen durch, berichtete der örtliche Gouverneur. Vier Verdächtige wurden festgenommen.

Umstände noch unklar

Der deutsche Botschafter Eckhart Cuntz erklärte, noch seien die Umstände nicht geklärt. Die deutsche Botschaft stehe in ständigem Kontakt mit den türkischen Behörden. Das Auswärtige Amt in Berlin hatte zunächst keine zusätzlichen Erkenntnisse zu dem Verbrechen. Ein Sprecher bestätigte nur, dass ein Deutscher unter den Opfern sei. Die deutsche Botschaft habe einen Konsularbeamten und einen Dolmetscher entsandt, um die Umstände des Überfalls zu klären.

Der Mann, der aus dem Fenster gesprungen ist, bekommt erste Hilfe.

Erste Hilfe für den Mann, der aus dem Fenster sprang

Ein vierter Mann hatte sich bei dem Überfall nach Behördenangaben durch einen Sprung aus dem Fenster retten können. Er wurde aber verletzt im Krankenhaus behandelt. Die Polizei habe vier Verdächtige festgenommen, sagte Gouverneur Ibrahim Dasoz. Es werde auch ermittelt, ob der Verletzte möglicherweise einer der Angreifer war.

Gegen den Zirve-Verlag hatte es schon mehrfach Proteste gegeben. Die Mitarbeiter seien kürzlich bedroht worden, sagte Geschäftsführer Hamza Ozant dem Sender CNN-Turk. Malatya gilt als Hochburg der Nationalisten. Aus Malatya stammte auch Mehmet Ali Agca, der 1981 das Attentat auf Papst Johannes Paul II. verübte.

Steinmeier fordert Aufklärung

Außenminister Steinmeier erklärte in Panama: "Ich verurteile diese furchtbare Tat auf das Schärfste. Ich gehe fest davon aus, dass die türkischen Behörden alles unternehmen werden, um dieses Verbrechen restlos aufzuklären und die dafür Verantwortlichen zur Rechenschaft zu ziehen", mahnte der SPD-Politiker.

Mann wird von Polizisten abgeführt.

Vier Verdächtige festgenommen

Nach Angaben des Auswärtigen Amtes begab sich ein deutsches Konsularteam nach Malatya, 660 Kilometer östlich von Ankara, um den Fall zu untersuchen und den Angehörigen des deutschen Opfers konsularischen Beistand zu gewähren. Die Identität des Bundesbürgers sei den Behörden bekannt, könne aber noch nicht veröffentlicht werden, hieß es am Abend.

Mahnungen an die Türkei

Der Ratsvorsitzende der Evangelischen Kirche in Deutschland Bischof Wolfgang Huber erklärte, Anlass der Tat sei, dass der Verlag in der Osttürkei Bibeln verteile. Dies dürfe niemals Grund dafür sein, Menschen an Leib und Leben zu bedrohen.

Das Zentrum für Türkeistudien (ZfT) in Essen hat den Anschlag auf einen Bibelverlag in der Türkei "als neuen Höhepunkt nationalistisch-islamistischen Terrors" scharf verurteilt. "Es wird höchste Zeit, dass der Sumpf, in dem dieser Terror gedeiht, durch die türkischen Sicherheitskräfte ausgetrocknet wird", forderte ZfT-Direktor Faruk Sen.

Entsetzen in Deutschland

Auch die Grünen-Vorsitzende Claudia Roth betonte: "Der Mordanschlag in einem christlichen Verlagshaus in Malatya erfüllt uns mit Abscheu und Empörung." Der Vorsitzende des Europaausschusses des Bundestages, Matthias Wissmann, sagte der Nachrichtenagentur epd, die schreckliche Tat zeige leider auch, dass der Respekt vor den christlichen Minderheiten in der Türkei keineswegs selbstverständlich sei. Nun müsse das Bemühen verstärkt werden, Rechtsstaatlichkeit und Grundrechte im gesamten Staatsgebiet durchzusetzen.

Dem Überfall waren mehrere Angriffe auf die christliche Minderheit in der Türkei vorangegangen. Im Februar vergangenen Jahres wurde ein katholischer Priester in der Stadt Trabzon am Schwarzen Meer von einem Jugendlichen erschossen. Im gleichen Jahr wurden zwei weitere Priester überfallen.

Im Sender CNN-Turk gab es Spekulationen, die Attentäter könnten aus Kreisen der militanten Islamisten stammen. Möglicherweise stecke die Türkische Hisbollah dahinter, eine kurdische Organisation, die einen islamistischen Staat in der Türkei errichten will. (vem)

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