1. Inhalt
  2. Navigation
  3. Weitere Inhalte
  4. Metanavigation
  5. Suche
  6. Choose from 30 Languages

Filme

Drei sind eins

Was haben die Schriftstellerin Virginia Woolf, die Hausfrau Laura Brown und die Lektorin Clarissa Vaughan miteinander zu tun? Das Kinokunstwerk "The Hours" zeigt es: schwermütig, aber bis ins Detail perfekt komponiert.

default

Oscar-Preisträgerin Nicole Kidman ist Virginia Woolf

Eine junge Frau läuft zum Ufer des Flusses, steckt sich Steine in die Manteltaschen und watet ins Wasser. Es ist Virginia Woolf, die im März 1941 freiwillig in den Tod geht. Mit dieser Szene beginnt der Film über drei völlig verschiedene Frauen, denen eines gemeinsam ist: Ihre Lebensläufe sind von Woolfs Romanfigur Clarissa Dalloway abhängig.

Zurück zum Anfang

Richmond nahe London, 1923: Virginia Woolf (Nicole Kidman) ringt um den ersten Satz ihres neuen Romans: "Mrs. Dalloway sagte, sie wolle die Blumen selber kaufen ..." Außerdem kämpft Virginia mit ihren Depressionen und der erdrückenden Enge im ländlichen Richmond. 30 Jahre später: Die junge Hausfrau und Mutter Laura Brown (Julianne Moore) greift eines Morgens im Bett zu "Mrs. Dalloway" und erkennt beim Lesen, dass sie ihren Mann nicht liebt. Im New York der Gegenwart bereitet die Lektorin Clarissa Vaughan (Meryl Streep) eine Party für ihren aidskranken, gerade mit einem Literaturpreis ausgezeichneten Ex-Mann vor. Er nennt sie seit Jahren "Mrs. Dalloway". Die Blumen für Richard (Ed Harris) besorgt sie selbstverständlich selbst.

Alles zur gleichen Zeit

Was die Schriftstellerin mit der Hausfrau und der Lektorin verbindet, ist die Suche nach dem Sinn ihres Daseins, der Kampf gegen die innere Leere, das Streben nach Glück und Ausgeglichenheit. Die drei Frauen werden im Film gleichgeschaltet: Sie zur selben Zeit auf, blicken gleichzeitig in den Spiegel des Badezimmers, schreiben, lesen und sprechen zur gleichen Zeit den ersten Satz aus "Mrs. Dalloway". Klingelt es an der einen Wohnungstür, dann auch an der anderen. In Richmond, Los Angeles und New York wird nichts dem Zufall überlassen. Bis auf eines: In der einen Wohnung stehen blaue, in der anderen gelbe und in der dritten rote Blumen auf dem Tisch.

Jede für sich

Nicole Kidman gibt Virginia Woolf mit nervösem Blick und gehetztem Gang die perfekte Aura einer Getriebenen, deren Dasein fast zwangsläufig mit Selbstmord endet. Julianne Moore verleiht der unglücklichen, depressiven Hausfrau, die mit dem Leben als Ehefrau und Mutter hadert, eine zutiefst beeindruckende, unausgesprochene Verzweiflung. Die Rollenerwartungen der amerikanischen Kleinfamilie machen die Frau seelisch kaputt. Sie mietet sich mit einer Handtasche voller Schlaftabletten in einem Hotel ein - und entscheidet sich im Gegensatz zu Virginia Woolf fürs Leben. Meryl Streep kehrt den inneren Schmerz der ansonsten so stark wirkenden Erfolgsfrau nach außen. Sie ist die einzige der drei Frauen, die nicht an ihrem eigenen, sondern am Schicksal eines anderen verzweifelt.

Traumrolle für Nicole Kidman

Nach "Eyes Wide Shut", "Moulin Rouge" und "The Others" bietet Nicole Kidman in "The Hours - Von Ewigkeit zu Ewigkeit" erneut eine exzellente darstellerische Leistung. Nicht umsonst gewann sie dafür den ersten Oscar ihrer Krarriere. "Was ich von Virginia Woolf und über sie gelesen habe, hat mich tief berührt", sagt sie und ergänzt: "Mir war, als ob sie zu meiner Seele sprechen würde." Nicole Kidman betrachtet Film als einen der gehaltvollsten ihrer bisherigen Laufbahn.

Vor allem die Konfrontation mit dem Sterben habe sie fasziniert. "Das ist für jeden Menschen ein immanent wichtiges Thema. Doch wir schieben es fälschlicherweise oft von uns weg, statt unsd amit auseinanderzusetzen", sagt sie. Und sie erzählt, warum sie "The Hours" gerade in dieser Hinsicht so gelungen findet: "Der Film lässt uns Frieden schließen mit dem Tod. Denn er zeigt deutlich, dass das Leben eine Reise ist. Und jede Reise muss einmal enden. Deshalb müssen wir jeden Moment, jede Station intensiv und bewusst leben."

Vielschichtige literarische Vorlage

Mit seinem Roman "The Hours" gelang Michael Cunningham (1998) ein Kunstgriff: Er setzte Virginia Woolfs "Mrs. Dalloway" als zentralen Kern in das Leben dreier Frauen. Stephen Daldry verfilmte das pulitzerpreis-gekrönte Werk für die große Leinwand. Nicht nur die Hauptdarstellerinnen bieten eine exzellente Vorstellung. Der Film ist bis in die Nebenrollen hinein - unter anderem mit Claire Danes, Toni Collette, Jeff Daniels und John C. Reilly - hervorragend besetzt.

Darüber hinaus stimmt die elegante und liebevolle Ausstattung bis ins kleinste Detail. Drehbuchautor David Hare ist es gelungen, Cunninghams Roman so zu strukturieren, dass die drei Geschichten in drei Epochen nebeneinander bestehen können, ohne Verwirrung zu stiften. Ein Oscar, zwei Golden Globes, drei Silberne Bären und zwei Bafta Awards sprechen für sich. (arn)

WWW-Links

Symbolbild Film Festival roter Teppich

Dossier KINO Favoriten: Die Besten des deutschen Films

Was sind die besten Dramen, die lustigsten Komödien, die Top-Schauspielerinnen und die größten Leinwandhelden? In der Serie "KINO Favoriten" präsentiert das DW-Filmmagazin seine ganz persönliche Auswahl.