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Deutschland

Drei Mal beim Grand Prix erfolgreich

Ihre Songs sind zu Evergreens geworden: Katja Ebstein schaffte vor 40 Jahren den Durchbruch beim Eurovision Song Contest mit "Wunder gibt es immer wieder". Jetzt wird sie 65 Jahre alt.

Katja Ebstein mit Theater beim Grand Prix 1980 (Foto: DPA)

Katja Ebstein mit "Theater" beim Grand Prix 1980

Der perfekte Start in eine Karriere als Sängerin sieht anders aus. "Teutonisch unbeholfenes Qual-Lied mit mangelhaftem Einfallsreichtum", urteilt die "Süddeutsche Zeitung" 1970 über den deutschen Grand-Prix-Titel "Wunder gibt es immer wieder". Sängerin ist die damals 25-jährige Katja Ebstein. Sie sieht es gelassen: "Wenn man auf alles achten würde, was die Presse so schreibt, müsste man sich eigentlich ein Grab schaufeln, wenn man zu sensibel ist", sagt sie.

Trotz der vernichtenden Kritik ist der Titel beim Eurovision Song Contest erfolgreich: Platz drei. Komponist ist Christian Bruhn, der Mann, den Katja Ebstein 1972 heiratet.

Katja Ebstein 1970 beim Grand Prix d'Eurovision de la Chanson in Amsterdam (Foto: DPA)

Katja Ebstein 1970 beim Grand Prix d'Eurovision de la Chanson in Amsterdam

Mit dem Sieg beim Grand Prix beginnt Ebstein auch auf Englisch, Französisch und sogar Japanisch zu singen. 1971 tritt sie gleich noch einmal beim Liederwettbewerb an. Dieses Mal reicht es mit "Diese Welt" wieder für den dritten Platz. 1980 dann der dritte Auftritt beim Grand Prix. Mittlerweile von Christian Bruhn geschieden, singt sie einen Titel von Ralph Siegel. "Theater" kommt auf den zweiten Platz und wird ein wahrer Evergreen. Außerdem schreibt Ebstein Grand-Prix-Geschichte: Keinem deutschen Künstler gelingt es wie ihr, drei Mal beim Liederwettbewerb auf so guten Plätzen zu landen.

Künstler-Name nach Straßenschild

Eigentlich wollte Ebstein Journalistin werden. Beim damaligen Sender Freies Berlin macht sie ein Volontariat. Einem Mitarbeiter einer Plattenfirma fällt jedoch die Stimme auf und macht mit ihr Probeaufnahmen. Die junge Frau bekommt einen Plattenvertrag. Da sie gebürtig Karin Witkiewicz heißt, muss ein neuer Name her. Ein Name, den man nicht immer buchstabieren muss. Die Sängerin wohnt in Berlin in der Epensteinstraße, daher fällt die Wahl auf den Namen Ebstein.

Bereits in den 70er-Jahren bekräftigt Ebstein immer wieder, dass sie nicht nur Schlager singen will. Ein Vorsatz, dem sie bis heute treu bleibt. Sie nimmt Lieder von Heine oder Brecht auf - auch wenn sie damit erheblich weniger Platten verkauft als mit Schlagern. Doch auch zu den kommerziell erfolgreichen Titeln steht sie nach wie vor und singt sie in ihren Konzerten. "Die Songs haben sich gehalten, man kann sie wirklich heute genauso gut machen wie damals. Das ist ein Grund sie zu erhalten", sagt sie.

Trägerin des Bundesverdienstkreuzes

Katja Ebstein heute (Foto: DPA)

Katja Ebstein heute

Neben ihrer Arbeit als Sängerin engagiert sich Ebstein auch politisch und sozial. 1972 macht sie Wahlkampf für Willy Brandt, was ihr bei einigen Zeitungen den Spitznamen "rote Katja" einbringt. Sie lebt heute in Berlin, München und auf Amrum. Auf der Insel verbringt sie ihre Zeit auch mit Kindern aus sozial schwachen Familien. Aus ihrem Engagement entsteht der Verein "Aktion Umwelt für Kinder und umweltgeschädigte Jugendliche". 2004 gründet sie die "Katja-Ebstein-Stiftung" gegen Kinderarmut. Für ihren Einsatz bekommt sie 2008 das Bundesverdienstkreuz.

Musikalisch ist es hingegen in den vergangenen Jahren ruhiger um die Sängerin geworden. Seit fünf Jahren hat sie kein Album mehr veröffentlicht. Dafür steht sie noch regelmäßig auf der Bühne. "Na und - wir leben noch" heißt ihr Programm. Ihr letzter Ehemann war der Fernsehregisseur Klaus Überall, der im Oktober 2008 nach einer Krebserkrankung starb.

Autor: Matthias Morr

Redaktion: Kay-Alexander Scholz