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Kultur

Drei Kulturen unter einem Dach

Der israelisch-palästinensische Dialog hat einen dritten Partner gefunden, und zwar aus Deutschland, um dem Dialog von Künstlern der beiden Völker neue Impulse zu geben.

Eröffnung der Galerie Artneuland Berlin

Seit Jahren beschäftigt sich die israelische Künstlerin und Kuratorin Yael Katz Ben Shalom mit zwei Themenbereichen: dem israelisch-palästinensischen Konflikt und dem Trauma des Holocaust.

Um die Kunst zu den Menschen zu bringen, gründete sie 2002 in Tel Aviv den Verein "Artneuland Tel Aviv". Ihr Ziel ist, zunächst durch Video- und Fotoarbeiten und später durch wissenschaftliche Projekte und Lesungen einen künstlerischen Austausch zu ermöglichen. Der Verein organisierte zum Beispiel einen Workshop, in dem sich Mitarbeiter einer High-Tech-Firma und Bewohner eines Armenviertels gegenseitig fotografierten.

Seit dem Ausbruch der zweiten Intifada geriet der israelisch-palästinensische Dialog ins Stocken. Katz Ben Shalom beschloss daraufhin, deutsche Künstler ins Boot zu nehmen und konnte israelische Kunstmäzene für diesen Trialog begeistern. So fand sie Mäzene, die zum ersten Mal einen Dialog mit Deutschen finanzierten, wie Yael Katz Ben Shalom erzählt. "Sie versuchten zu verstehen, dass die Deutschen gerade aufgrund ihrer Vergangenheit eine sehr wichtige Rolle in diesem Trialog spielen. Sie haben gespendet, weil sie unser Konzept für richtig halten."

Ausweg aus der Gewaltspriale

Die Künstlerin Yael Katz Ben Shalom (Quelle: Tim Deusen)

Der neutrale Boden soll den Künstlern die Teilnahme erleichtern

Viele Mäzene seien vom israelisch-palästinensischen Dialog enttäuscht gewesen. Alles sei eine Art Pingpong-Spiel. "Auch ich bin davon enttäuscht, weil bei uns die Kriege immer nach dem gleichen Muster verlaufen: eine Aktion, die eine Reaktion auslöst, die wiederum eine neue Aktion hervorruft und so weiter", erzählt die Künstlerin. "Nur ein dritter Partner kann einen Ausweg aus dieser Gewaltspirale aufzeigen".

Seit sechs Jahren organisiert Yael Katz Ben Shalom Kunstausstellungen in Deutschland. Dort hat sie auch die Begegnung mit Rochus Misch verfilmt, dem letzten noch lebenden Angehörigen der SS-Leibstandarte Adolf Hitlers. Im Film "Hitlers Leibwächter - Der letzte Zeuge" versuchte sie, den Erzählungen des ehemaligen Nazis richtig zuzuhören.

Immer stärker fühlte sich Yael Katz Ben Shalom in Berlin zu Hause und beschloss ihr "Artneuland" dorthin zu exportieren: "Ich hatte beschlossen, in Berlin ein Haus für einen Trialog zwischen den drei monotheistischen Kulturen zu gründen. Ich wollte nicht mehr nur Themen mit Israel-Bezug behandeln, sondern globale Alltagsthemen." So entstand zum Beispiel das Projekt "Geld und Schuld" oder "Nova Paranoia" - wie eine Krankheit durch den Kapitalismus und den Terror ein gesellschaftliches Phänomen wurde.

Schumannstraße 18

In Deutschland sucht Yael Katz Ben Shalom ständig nach Spuren der Vergangenheit. In Erfurt dokumentierte sie für die Installation "Made in Germany" im Jahr 2000 das Gelände der Firma "Topf und Söhne", die die Verbrennungsöfen für die deutschen Vernichtungslager geliefert hatte.

Das Haus in der Schumannstraße 18 in Berlin-Mitte schien ihr für die Artneuland-Galerie nicht nur von der Lage her geeignet. Es verkörpert auch ein Stück deutscher Geschichte: "Es war mir wichtig, einen historischen Ort zu finden, mit dem ich mich verbinden kann." Das Haus gehörte der jüdischen Familie Strassmann. Der Vater war ein renommierter Gynäkologe und eröffnete im Haus eine private Frauenklinik. Wegen seiner jüdischen Herkunft hatte er an der Charité keine leitende Stelle erhalten. 1936 musste er die Klinik verkaufen und in die USA auswandern. "In einer gerade erschienenen Biographie der Familie erfuhr ich, dass Strassmann auch Kunstsammler war", erzählt die Galerie-Besitzerin.

Lob vom syrischen Botschafter

In der ersten Ausstellung mit dem Titel "Videoland", die Yael Katz Ben Shalom jetzt in der Artneuland-Galerie organisiert hat, entdecken 18 israelische, arabische und deutsche Videokünstler durch Kurzfilme neue Geographien. Der deutsche Künstler Agricola de Cologne filmte in "Message from behind a Wall" einen Teil der Trennungsmauer im Westjordanland, der zu einem Spielplatz palästinensischer Kinder wurde. Die Palästinenserin Hannan abu Hussein improvisiert in einem Kurzfilm mit einem Haufen Fliesen. "A Small Country with 2 Big Moustaches" spiegelt ihre Gefühle gegenüber der physischen und mentalen Besatzung durch Israel und gegenüber dem palästinensischen Patriarchat wider. Die Israelin Dana Levy filmte in "The Dreamers" Israelis und Palästinenser, die ihre Träume beschreiben - Heranwachsende, Kinder, Häftlinge und Dichter.

Eine erste positive Resonanz auf das Engagement von Yael Katz Ben Shalom gab es bereits von syrischer Seite. Der syrische Botschafter in Deutschland, Hussein Omran, hat seine Sympathie für das Projekt bekundet.

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