Drei Journalisten nach Demonstration im Sudan festgenommen | Aktuell Afrika | DW | 19.01.2018
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Sudan

Drei Journalisten nach Demonstration im Sudan festgenommen

Darunter sind auch Reporter der Nachrichtenagenturen Reuters und AFP. Offenbar ist das Regime von Staatschef Al-Baschir darüber verärgert, dass sie über Proteste gegen die massive Erhöhung der Brotpreise berichteten.

Eine Protestkundgebung in der sudanesischen Stadt Omdurman gegen steigende Preise (Foto: STR/AFP/Getty Images)

Eine Protestkundgebung in der sudanesischen Stadt Omdurman gegen steigende Benzinpreise (Archivbild)

Die sudanesischen Behörden halten drei Journalisten fest, die über Proteste gegen die Erhöhung von Nahrungsmittelpreisen berichtet hatten. Unter ihnen sind Reporter der Nachrichtenagenturen AFP und Reuters, die die Polizei am Mittwoch in Omdurman, der Nachbarstadt von Khartum, festgenommen hatte. 200 Menschen hatten dort gegen den Preisanstieg demonstriert. Bereitschaftspolizisten lösten die Kundgebung unter Einsatz von Tränengas auf. In Berichten war auch von zahlreichen festgenommenen Demonstranten die Rede.

Ein Brotverkäufer in der sudanesischen Stadt Omdurman (Foto: picture-alliance/M.Elshamy)

Gegen die Erhöhung der Preise auch seiner Produkte wird im Sudan demonstriert: ein Brotverkäufer in Omdurman

Reporter in Geheimdienst-Zentrum gebracht 

Die drei Journalisten wurden nach Behördenangaben zu Untersuchungszwecken in ein vom sudanesischen Geheimdienst Niss betriebenes Zentrum gebracht. AFP verurteilte entschieden die Festnahme ihres 51-jährigen Mitarbeiters Abu Adris Ali, der seit fast einem Jahrzehnt für die Agentur aus Khartum berichtet. Sie forderte seine sofortige Freilassung. Ein Sprecher von Reuters erklärte: "Wir kennen die Umstände der Festnahme nicht und verlangen weitere Informationen über die Situation."    

Die Regierung des nordostafrikanischen Landes hatte zu Jahresbeginn beschlossen, die Getreideimporte der Privatwirtschaft zu überlassen. Seitdem verdoppelte sich der Brotpreis. Oppositionsparteien riefen zu Protesten dagegen auf. Brot ist das Hauptnahrungsmittel im Sudan, viele Bäckereien mussten schließen.

Der sudanesische Präsident Omar Hassan al-Baschir (Foto: Reuters/M. Abdallah)

Der sudanesische Präsident Omar Hassan al-Baschir

Rigides Vorgehen gegen Medien

Vermutlich wegen Berichten über diese Proteste hatte der sudanesische Geheimdienst bereits die Auflagen von sechs Tageszeitungen eingezogen. Protestaufrufe der Opposition verbreiteten sich aber unter anderem über soziale Medien weiter. Kritiker werfen der Regierung von Staatschef Omar Hassan al-Baschir seit langem vor, äußerst rigide gegen die Medien vorzugehen. Auf der von der Nichtregierungsorganisation "Reporter ohne Grenzen" erstellten Rangliste der Pressefreiheit für 2017 steht Sudan auf Platz 174 von 180 Staaten. Zuletzt hatte 2016 die Kürzung der Subventionen für Treibstoff im Sudan eine Protestbewegung ausgelöst, die von der Regierung aber schnell niedergeschlagen wurde.

sti/kle (afp, epd, rtr)

 

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